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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 66

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 66 (sequence 22)
Language
German
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66 Rundschau — Serlin o o Dank gegen Gottes Walten ganz zum Ausdruck bringt, kann darum den Wundererzählungen ganz gerecht werden, während die rationalistische Deutung nur die eigentlich ganz unwesentlichen äußeren Vorgänge aufzuklären sucht, und bei der Dürftigkeit der überlieferten Details häufig nur Vermutungen anstellen kann. Diese natürlichen Bedingungen betone auch die Bibel oft deutlich genug (z. B. beim Zuge durch das Meer), aber in den Vordergrund stellte sie den Jubel der Erlösten, die Macht der Begeisterung, die Gewalt einer Persönlichkeit, die das Ereignis für Zeitgenossen und Nachwelt erst zu einer Offenbarung göttlichen waltens, zum Wunder gemacht habe. An einer Reihe von Wundererzählungen werden so die' Wunder der rettenden Allmacht dargestellt, ebenso die Wunder der Begeisterung an den Erzählungen von der Eroberung Kanaans, und an der Gestalt des Propheten Elia die Wunder der gottbegnadeten Persönlichkeit. Bei solcher Auffassung, so schloß der sehr interessante Vortrag, geben uns die Wundererzählungen mehr als den Glauben an ein einzelnes Wunder aus altersgrauer Vorzeit, sie wecken in uns, unbeschadet unserer Naturauffassung, den Glauben an das wunderbare walten Gottes, das stets mit uns Menschen ist, an jedem Tage, zu jeder Zeit und zu jeder Stunde. Mit lebhafter Anteilnahme folgten die Lsörer den vorzüglichen Ausführungen des verehrten Redners, und reicher Beifall wurde ihm gezollt. Eine ganze Reihe von eingeführten Gästen traten unserer Ortsgruppe als Mitglieder bei. Berlin. Der Liberale verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin hielt am f6. v. Mts. seine diesjährige General-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Lserr Zustizrat Plonsker erstattete Bericht über die Repräsentantenwahlen und kündigte die Maßnahmen an, die für den Ausbau der Organisation des Liberalen Vereins notwendig seien. Der Schatzmeister, Herr Siegfried Sachs, erstattete den Kassenbericht. Statutengemäß schied ein Drittel der Ausschußmitglieder aus. Es fand Wiederwahl statt, außerdem wurde eine Reihe weiterer Herren in den Ausschuß gewählt. Den Hauptteil des Abends bildeten die Referate über die gegenwärtige Lage im Streite zwischen Zionisten und Antizionisten. Die beiden Herren Referenten, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Galliner und Herr Rechtsanwalt Dr. John Wertheim gaben eine sachliche Darstellung des Zionismus sowie feiner Tendenzen und Ziele und betonten die Gefahren, die dem Gesamtjudentum durch den Zionismus drohen. Um so dankbarer sei es zu begrüßen, daß endlich durch die Erklärung der angesehensten deutschen Juden aus allen Teilen des Reiches eine sichtbare Scheidelinie zwischen der verhältnismäßig geringen Zahl der Zionisten und den Antizionisten gezogen sei. Aufgerüttelt durch das wüste Treiben zionistischer Agitatoren, durch die religionszersetzenden Tendenzen des Zionismus und durch die Bedrohung des Familienfriedens beginne endlich die deutsche Zudenheit zu erwachen und der Gefahr entgegenzutreten. Die Ausführungen der Referenten fanden allgenieine Zustimmung und den lebhaftesten Beifall der Versammlung. Zn der Diskussion wurde besonders folgendes betont: der Zionismus sei von Anfang an bis heute stets mit Unwahrhaftigkeit vorgegangen und habe durch Verschleierung seine Ziele zu erreichen gesucht. Er scheue selbst nicht vor Unwahrheiten zurück und überschütte jeden, der nicht seine Anschauungen teilt, mit Hohn. Nicht vor dem Alter und nicht vor dem Verdienst empfinde er Achtung. Ueberall, auf Kanzel und Katheder, in allen vereinen, in denen Zionisten wirken, suchten sie für den Zionismus Propaganda zu machen. Die Zugend beginne man schon von der Tertia an zu bearbeiten und so den Zionismus in die Häuser hineinzuschmuggeln. Es sei dies die größte Gefahr für den Bestand der Religion, denn die Tendenzen des Zionismus seien religionsfeindlich und ganz dazu angetan, die Bedeutung der jüdischen Religion herabzumindern und dein Abfall Vorschub zu leisten. Der Liberale verein aber, der sich die Erhaltung und Fortentwicklung der jüdischen Religion zur Aufgabe gemacht hat, dürfe diesem Treiben nicht untätig Zusehen. Es gelte, das Kostbarste des Zudentums zu schützen und zu erhalten: Die Religion. Zhr verdanke das Zudentum seinen Bestand,

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