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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 65

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 65 (sequence 21)
Language
German
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o o oo Rundschau — Elberfeld 65 völlig Neuen, sondern als Wiedererwecker der Ideen Moses auftreten läßt, was aber dem Heft emen besonderen wert verleiht, das ist die wirklich volkstümliche Sprache; der Ton der „Volksschrift" ist prachtvoll getroffen, der Stil ist leicht und flüssig, die Darstellung ist packend und hält von Anfang bis zum Ende das Interesse des Lesers wach. Die Persönlichkeit eines jüdischen Propheten in sich aufzunehmen, wird stets eine gewisse Hochstimmung der Seele erzeugen, die dem Aufbau eines besseren Lebens zugewandte Tätigkeit der Propheten ist nur denkbar auf Grund einer optimistisch gerichteten Welt- und Lebensauffassung. Insofern besteht ein gewisser innerer Zusammenhang zwischen dem Ziegler'schen Büchlein und dem zweiten Hefte des Jahrgangs, in dem Scheftelowitz den „Optimismus des Judentums" in seinen vielfachen Verzweigungen zeichnet. Line solche dem Leben und der Lebensbejahung zugewandte Schrift ist eine willkommene Lek^ türe in einer Zeit, in der die Verhältnisse, unter denen die Juden leben, ganz dazu angetan sind, das Lebensgefühl und die innere Hoffnungsfreudigkeit zu dämpfen. Da ist es doppelt notwendig, die optimistische Grundlage des Judentums im Denken der Zeitgenossen festzuhalten, ihnen und dem Heranwachsenden Geschlechts ins Bewußtsein zu heben, „daß der Sinn des Judentums der Glaube an die weltbeherrschende Macht des Guten" ist. Line Fülle des Stoffes ist in dem Heft zusammengetragen, um die lebensfreudige Haltung des Judentums zu schildern, seine Grundauffassung zu zeichnen, daß es sich lohnt, zu arbeiten und zu streben, zu hoffen und zu kämpfen, und daß jeder Kampf, jedes Streben und sogar jedes Leiden den Menschen und die Menschheit seelisch vorwärtsbringt und ihnen adlige Freude schenkt. Die Fülle des Stoffes, der nach der ganzen Anlage der Volksschriften, in gedrängter Kürze zusammengefaßt werden mußte, mag es wohl verursachen, daß in manchen .Partien des Büchleins die Gedanken mehr nebeneinander als ineinander verwoben sich darbieten, aber im Ganzen ist auch hier der volkstümliche Ton getroffen, die Darstellung ist leicht und belastet nirgends den Leser mit Schwierigkeiten des Verständnisses. Ls wäre dringend zu wünschen, daß diese Volksschriften, deren billiger Preis — 80 Pfg. das Heft, %30 Mk. der ganze Jahrgang von 7 Heften — jedem die Anschaffungsmöglichkeit bietet, sich Lingang in die jüdischen Häuser verschafft. In ihrer Art, in gesonderten Abhandlungen, knapp und. nur das Wesentliche hervorhebend, volkstümlich und dabei doch nicht oberflächlich über das Judentum zu orientieren, sind sie gerade das, was gebraucht wird, um die modernen Juden mit Kenntnissen auf dem Gebiete der jüdischen Religion zu versehen und ihr Interesse für das lebendige Judentum wachzurufen. D i e n e m a n n - Ratibor. Rundfdiau. In der Ortsgruppe Elberfeld sprach am Dezember unter reger Anteilnahme der Mitglieder und Freunde unserer Bewegung Herr Rabbiner Dr. N e u m a r k aus Duisburg über das Thema: Zu den Wundererzählungen der Bibel. Der Herr Vortragende ging davon aus, daß in den wnndererzählungen oft ein Hemmnis erblickt wurde, das dem modern gebildeten Menschen den religiösen Auell der Bibel verschließe. Denn Wunder, so meine man, seien Durchbrechungen der Naturgesetze, an die das wissenschaftliche Denken durchaus nicht glauben könne. Doch diese Auffassung des Wunders sei durchaus zu eng gegenüber den biblischen Erzählungen. Die Bibel kenne vielmehr auch Wunder innerhalb der Natur, ja die Natur selbst sei ihr das größte aller Wunder (Schöpfungsgeschichte, Hiob), weil sie am ehesten ein Staunen und Wundern über Gottes walten wecken könne. Solche Seelenstimmung aber sei der eigentliche religiöse Inhalt der biblischen Wundererzählungen. Wo Wunder der eigentliche Gegenstand der Erzählungen sind und nicht bloß (Paradies) poetische Ausschmückung, da werden Ereignisse dargestellt, in denen sich das wunderbare walten Gottes der Erfahrung des Volkes unvergeßlich eingeprägt hat. Nur eine Deutung, die den demutsvollen

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