Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Süchrrschau o o Ueberlieferung durchaus unberechtigten Linwand, daß die Anerkennung der religiösethischen Höhe des alten Babylon eine Herabsetzung der biblischen Offenbarung in sich schließe. Gerade vom apologetischen Standpunkt aus ist diese Anerkennung der wissenschaftlichen Wahrheit einerseits ein Protest gegen die systematische Verunglimpfung des Semitismus vonseiten des (Lhamberlainschen Bassenantisemitismus, andererseits ein geeignetes Mittel, die jüdische Jugend mit Stolz auf ihre semitische Rassenangehörigkeit zu erfüllen. Demgemäß erhebt Iampel in seinen außerordentlich bedeutsamen Schlußkapiteln die Forderung, daß die durch die vergleichende Religionswissenschaft gewonnenen Resultate durch den Religionsunterricht popularisiert werden sollen und verurteilt jene kleingläubige Methode des diplomatischen verschweigens, die die große Gefahr in sich birgt, durch die unausbleiblichen Enttäuschungen die jüdische Jugend dahin zu bringen, daß sie späterhin auch auf das wahrhaft Große und herrliche der Bibel verächtlich schauen zu dürfen glaubt. So kommt Hampel aus wissenschaftlicher Vertiefung in seinem Gegenstand und religiösem Ernst zu einer wahrhaft liberalen Forderung. Daß wir nicht mit allen Ergebnissen des Iampel'schen Buches übereinstimmen, daß wir manchen Hypothesen, insbesondere im III. und IV. Kapitel mit kritischem Zweifel gegenüber stehen, daß wir vor allem der Ansicht sind, Vieles was der Autor als altbabylonischen Einfluß in Anspruch nimmt, sei erst in und nach dem babylonischen Exil vom Judentum übernommen worden, wollen wir nicht verschweigen. Auch darf die allzu saloppe äußere Form, die Unzahl störender Druckfehler, das Fehlen eines ganzen Kapitels von 15 Seiten, und manches andere dahingehörige nicht unerwähnt bleiben. Gerade Bücher, die auf das Prädikat der Wissenschaftlichkeit mit Recht Anspruch erheben, dürfen auch die äußere Exaktheit nicht vermissen lassen. Aber alles dies berührt die innere wissenschaftliche Gediegenheit und Originalität und die aktuelle Bedeutsamkeit des Iampelsches Buches nicht und kann ihm nichts von seinem großen und bleibenden Werte rauben. Volks schriften über die jüdische Nrligion, herausgegeben von Dr. Ziegler-Karlsbad. Verlag I. Kauffmann«Frankfurt a. RI. 2. Jahrgang, j. Heft: Die Propheten Amos und Hosea von Dr. Ziegler- Karlsbad. 54 S. 2. Heft: Der Optimismus des Judentums von Dr. Scheftelowitz-Eöln. S. Der zweite Jahrgang der Volksschriften führt sich trefflich mit einer Studie des Herausgebers über die Propheten Amos und Hosea ein. Plastisch tritt in der Darstellung die Persönlichkeit der Propheten hervor. Man hat allen Grund, dem Verfasser gerade dafür dankbar zu sein. Denn es ist nicht gut, wenn, wie es in vielen Studien über jüdische Geschichte geschieht, alles gar zu sehr auf die Ideen gestellt ist und alle Kraft darauf verwandt wird, die Hoheit der jüdischen Gedanken herauszuarbeiten, es kommt dann dabei der erzieherische Wert, den gerade die vorbildlichen Persönlichkeiten für unsere Persönlichkeitsbildung haben, zu kurz. Ziegler ist es nun gut gelungen, die charakteristische Persönlichkeit dieser zwei Propheten zu schildern. Nach einer knappen, mit sicherer Feder geführten Zeichnung des Zeitbildes, der politischen und religiösen Zustände im alten Israel, bringt er beider Wirken lebendig zur Anschauung. Und zwar zeichnet er Amos als den Propheten, der die Sittlichkeit und soziale Gerechtigkeit als Wesen der Religion predigt und dem die Form des Gottesdienstes gleichgiltig ist, Hosea als den, der die Nachäffung fremder Kultformen bekämpft. Man kann geteilter Meinung sein, ob sich die Themen der predigt unserer beiden Propheten so streng gegeneinander abgrenzen lassen, in Wirklichkeit fließen beide Motive notwendigerweise in einander zusammen; man wird auch mit der Uebersetzung der Texte nicht immer einverstanden sein können, an manchen Stellen überschreitet Ziegler die Grenzen' der stilistischen Freiheit, die dem Uebersetzer gegönnt sein muß. Aber diese Ausstellungen beeinträchtigen den inneren Wert des Büchleins nicht. Ls ist rühmend anzuerkennen, daß der Verfasser sich von den Ausschreitungen der Bibelkritik freigehalten hat und in Uebereinstimmung mit der Tradition die Propheten nicht als Stifter eines