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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 63 (sequence 19)
Language
German
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o o o o Mcherfcharr 63 Bächerfchau. Zm Verlage von Z. Kauffmann in Frankfurt a. AI. ist eine schöne Volksausgabe der neuen Seligmannh'chen Kagada zum Preise von Mk. \,20 für das gut gebundene illustrierte Exemplar erschienen. Diese billige Volksausgabe entspricht einem vielfach geäußerten Wunsche, (vergl. die Besprechung in der freien Jüdischen Lehrerstimme vom \5. April W3, wo es zum Schluß heißt: „Soll das Werk auch den weiteren Schichten der jüdischen Bevölkerung zugänglich gemacht werden, dann müßte der rührige Verlag eine billige Volksausgabe veranstalten. Der Erfolg würde sicherlich nicht ausbleiben;" ferner Dr. Norden im Lib. Zud. vomZuni/Zuli $13: „Soll die Haggadah aber ein Volksbuch werden, so ist eine billige Volksausgabe dringend erforderlich. Blag die vorliegende Ausgabe als Prachtausgabe bestehen bleiben und ihre Verwendung als Schulprämie, als Barmizwoh- und Konfirmationsgeschenk u. dgl. finden: Zur Einführung in die Familie ist eine Ausgabe unentbehrlich, die den Preis der alten Haggadahs nicht oder nur unerheblich überschreitet." _ Jumpet, Dr. Sigmund, Vorgeschichte Israels rmd seiner Religion. Nach der altjüdischen Ueberlieferung und den zeitgenössischen Zuschriften gemeinverständlich dargestellt. Nebst einer Anleitung zur Popularisierung derselben vermittels des Religionsunterrichts. Frankfurt a. M. Z. Kauffmann. 8°. 260 S. Zampel gehört zu den wenigen selbstständigen jüdischen Forschern auf dem Gebiete der Religionswissenschaft. Zn Deutschland ist er wohl der einzige jüdische Vertreter seines Spezialgebietes. Um so freudiger zu begrüßen ist darum die Gabe, die er uns in der vorliegenden ersten zusammenfassenden Darstellung seiner wissenschaftlichen Forschungen dabietet. Ein neues Licht fällt durch sie auf die dunklen Zusammenhänge der israelitischen mit der ursemitischen Kultur. Biblische Erzählungen, Gesetze und Persönlichkeiten werden in neue Beleuchtung gerückt und erfahren teilweise eine überraschend neue Deutung. So z. B. die vielbesprochene Stelle „Weha-Kenaani os boorez", die aus dem Rassengegensatz gegen die hamitischen Kanaanäer erklärt wird (S. 30). Der Plural Elohim wird im Sinne eines Abstraktums (Gottheit) erklärt und als vormosaischer göttlicher Einheitsbegriff nachgewiesen (S. 60 f). Die falsche Uebersetzung von „Elohim" als „Rich- 'ter" an den Stellen 2. Mos. 2\, 6 und 22, 7—8 wird durch ursemitische Belege als haltlose Kombination zurückgewiesen, viele patriarchalische Sitten finden eine äußerst interessante und befriedigende Erklärung. Zn der Erzählung von „Sinear" und der Könige von „Kisch" wird uns die alte biblische Kunde von den „neuentdeckten Sumerern" und ihrer Hauptstadt „Kisch" am Tigris enthüllt. Die altisraelitische Ueberlieferung inbetreff der Rassenbestimmung der alten Völker erweist sich, nach Zamxels Darlegungen, als durchaus zuverlässig. Das wissenschaftliche Hauptresultat der gründlichen Untersuchungen Zampels ist der Nachweis, daß es schon einen ursemitischen Monotheismus gab, und daß somit die rabbinische Ueberlieferung von den Lehrhäusern Sems und Ebers, wenn auch in übertragenem Sinne, auf geschichtlicher Grundlage "beruht. Zn echt wissenschaftlich vorurteilslosem Geiste, der frer ist von jedem engherzigen apologetischen Lhauvinismus, erkennt der als konservativ bekannte Verfasser die Größe und die religiöse Originalität der altbabylonischen Kultur, der Mutter aller Kulturen, an, unter derem unleugbarem religiösen Einfluß auch der Mosaismus stand. Za der Verfasser macht es sich in diesem Buche geradezu zur Aufgabe, die geistigen Berührungspunkte zwischen der Bibel und dem Ursemitismus hervorzuheben, indem er sich den Nachweis der religiös-ethischen Höherentwicklung der Bibel für ein anderes Werk vorbehält. Die naive Vorstellung, die sämtliche mosaischen Religions- und Rechtslehren als völliges Norum hinstellen und von diesem Gesichtspunkte aus alles vor-Mosaische als grobsinnliches Heidentum hinstellen möchte, weist er als wissenschaftlich und religiös unhaltbar zurück und zeigt, daß der wert der biblischen Lehren nicht in ihrer Neuhett und Ursprünglichkeit, sondern in ihrem religiösethischen Gehalt und in ihrer biblischen Sanktton liegen. Mit großer Schärfe wendet er sich gegen den vom Standpunkt der alten

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