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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 62

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 62 (sequence 18)
Language
German
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62 Aus der Jugendbewegung denn die Sprache ist die Seele eines Volkes. Die hebräische Sprache ist aber keineswegs unsere Sprache, sondern nur eine Gebetssprache. Manche behaupten nun, daß die Juden eine Rasse seien. Diese Behauptung ist aber vollständig unhaltbar, denn es gibt, wie die Gelehrten nachgewiesen haben, überhaupt keine reine Rasse mehr. Die heutigen Deutschen sind keineswegs germanischer Rasse, sondern die Germanen haben sich im Laufe der Zeit mit andern Völkerstämmen, wie Romanen, Slaven und Kelten vermischt. Und auch die Juden sind ein Teil des heutigen deutschen Volkes. U)enn wir aber trotzdem, wie die Zionisten, sagen wollten „wir sind ein Volk", dann würden wir ja den Antisemiten geradezu recht geben, denn diese sagen dasselbe, nur mit dem Unterschiede, daß sie noch hinzufügen, wir schädigen das deutsche Volk. Wir lieben unsere Heimat und arbeiten nnt zu ihrem Wohle, auf keinen Fall dürfen wir darum damit übereinstimmen, wenn gesagt wird, daß wir ein Volk seien. Der Zionismus strebt aber nicht nur Falsches an, sondern seine Bestrebungen sind auch unausführbar. Denn das Land in dem die Juden wohnen sollen, ist in den fänden der Türken, und die denken garnicht daran, es sich entreißen zu lassen. Ebensowenig würde jemand der in seiner Heimat eine gesicherte Existenz hat, auswandern und seine Arbeit noch einmal von vorne anfangen. Wir kommen also zu dem Resultat, daß wir den Zionismus verwerfen müssen, weil er falsch und unausführbar ist. Wir dürfen uns nicht absondern, sondern rgüssen mit unseren christlichen Mitbürgern zusammen arbeiten zum Wohle unseres gemeinsamen deutschen Vaterlandes. Das ist zugleich das beste Kampfmittel gegen Leute, die aus fanatischem Haß heraus gegen die Juden auftreten. Auch ist nicht zu übersehen, daß wir, was Antisemitismus anbetrifft, ziemlich übelnehmend find und jedes voreilige Wort gleich tragisch auffassen. Ich glaube auch nicht, daß jeder der einmal das Wort Zude gebraucht, gleich die Absicht hat, den Betreffenden zu kränken, sondern nehme an, . daß dieses Wort sehr oft gebraucht wird, ohne daß sich der Andere viel dabei denkt. Falsch ist es jedenfalls, sich deswegen abzusondern, - Jede Absonderung trägt nur dazu bei, den Antisemiten neue Anhänger zuzuführen. Wir ehemalige Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin haben in der schule gelernt, die edelsten Güter der deutschen Kultur mit den ewigen Wahrheiten des Judentums zu verbinden. Wir Juden sind eine Religionsgemeinschaft, aber kein Volk. Jüdisch-liberaler Jugendvrrein zu Breslau. Am Sonntag, den J(5. Februar veranstalteten wir unser erstes Winter-Vergnügen in den Räumlichkeiten der Hermann- Loge. Dasselbe war sehr gut besucht. Es hatten sich ca. 200 Personen eingefunden. Aus der Reihe der Ehrengäste möchte ich Herrn und Frau Professor Wohlauer, Herrn und Frau Zustizrat Joel, Herrn und Frau Waldstein sowie Herrn Zustizrat Breslauer hervorheben. Rach einer Begrüßungsansprache wechselten Tanz, Tabaret und sonstige Aufführungen miteinander ab. Während des kalten Büffets hielt unser \. Vorsitzender die Tendenzrede. Sodann sprach Herr Professor Wohlauer und forderte die fugend in begeisternden Worten zur Mitarbeit an der liberalen Sache auf. Richt unerwähnt soll bleiben, daß Herr Zustizrat Berger in Königshütte uns ein Tafellied gewidmet hat. Der Morgen graute schön, als die letzten Gäste den Saal verließen. Der Erfolg des Festes war derartig, daß wir heute bereits ^50 Mitglieder zählen. L.

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