Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 61 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3126481-3126546-3126550--1699-3128522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ll Aus der Jugendbewegung 61 es mit den Hunderten von Problemen der Bibelkritik. Wenn der Verfasser des ersten Buches Samuel^9) das deuteronomische Gesetzt) gekannt hätte, hätte er unmöglich sagen U9) I. Sam., VIII, 7; XII, 20. uo) Deut., XVII, 15. können, daß die Wahl eines Königs eine Auflehnung gegen den willen Gottes sei. Hat das Judentum ein Recht, seine viertausendjährige Geschichte fortzusetzen, so darf es Gottes Sache nicht mit Trug vertreten?^) Hiob, XIII, 7. Bus der Jugendbewegung. Gedanken über den Zionismus. Vorbemerkung. Im Jugendklub ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin wurde über „Turnen" gesprochen; anwesende Gäste, Mitglieder des Barkochba, traten für ihren zionistischen Turnverein ein. Als der eine, mein früherer Schüler, sich erfrechte zu sagen: „wenn ich nicht mehr Gebräisch kann, haben meine Lehrer schuld!" wies ich diesem „selbstbewußten" Juden die Tür. Nun wünschten die jungen Leute Aufklärung über den Zionismus, fjerr Seminardirektor Dr. Gutmann hatte im September vorigen Jahres die Freundlichkeit, in einem vorzüglichen Referat: „wir Juden sind eine religiöse, aber keine nationale Gemeinschaft!" den Zionismus von der biblischhistorischen Seite aus zu beleuchten, während ich die Theorie und unausführbare Praxis des Zionismus sowie dessen Schäden für uns in der Gegenwart hervorhob. Auf meine Veranlassung schrieben' dann mehrere junge Leute ihre Gedanken über den Zionismus nieder. Der nun folgende Artikel ist von unserem ^6jährigen früheren vorstandsmitgliede, Herrn Georg Locwy verfaßt. w. Simson. * * -i- Rnser Verein ist durch einen Zufall mit einer jüdisch-nationalen Bestrebung näher bekannt geworden, die wir als Deutsche jüdischen Glaubens nicht gutheißen können. Diese Bestrebung ist der Zionismus. Der Zionismus bezweckt die Wiedervereinigung aller Juden zu einem selbständigen Volke in Palästina, von vielen Seiten ist nun die Frage aufgeworfen worden: Wie kommt es denn, daß die Zionisten so viele Anhänger- Haben, wenn ihre Anschauung eine falsche ist? Erstens haben sie, wie wir gehört haben,' nicht so viele Anhänger, sondern nur f«» aller deutschen Juden sind Zionisten und zweitens sind diese Leute lange nicht alle überzeugte Zionisten, sondern reden zum großen Teil nur nach, was ihnen von andern vorgesagt wurde. Was für einen Grund haben denn die Zionisten, daß sie sich plötzlich danach sehnen, ein selbständiges Volk zu sein? Sie reden immer von der Iudennot; aber das ist für die deutschen Juden kein triftiger Grund; denn mit dem Antisemitismus ist es heutzutage nicht mehr so schlimm, und rechtlos und verachtet sind die Juden auch nicht mehr. Im Mittelalter war es zu verstehen, wenn die Juden sich danach sehnten ein selbständiges Volk zu sein und ein geordnetes' Staatswesen zu besitzen, denn da waren sie verachtet, hatten keine Rechte, und man hängte ihnen zu allem Ueberfluß auch noch alle möglichen Bosheiten und Grausamkeiten an. Wie ist es aber mit der innern, geschichtlichen Berechtigung des Zionismus? Sind wir ein Volk, oder sind wir eine Religionsgemeinschaft? wenn wir ein Volk wären, dann müßten wir doch zum Mindesten eine Sprache haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.