Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Gotthard Arutsch: Aer Glaube an Kobrlspäne o o o o Opfer üben werden." Hermann Adler, der selbst dem Stande der Rohanim angehörte, hoffte demnach entweder, wenn er den Messias erleben sollte, was ihm leider nicht vergönnt roar,104) oder nach der Auferstehung, im Tempel zu Jerusalem zu fungieren. Lin Schauspiel für Götter! Alle die obengenannten „Großen in Israel" barfuß, bloß mit einer Hüftenbinde und mit einem langen Hemde bekleidet, Rinder ausweiden, Viertel auf den Schultern tragen und auf offenem Herde verbrennen zu sehen, was Jedenfalls einen „lieblichen Wohlgeruch" verbreiten wird. Nur sollte man mehr Aufmerksamkeit dem Rate Llia's aus Lublin schenken, der verlangt, daß man über seine Sünden Buch führe, um bei der Wiederherstellung des Tempels zu Jerusalem die nöttgen Sühneoxfer bringen zu können?°°) Der gute Herr- Hat fein Notizbuch nach Hebron mitgenomnren, wo er anfangs des J8. Jahrhunderts im hohen Alter starb, allerdings ohne es verwerten zu können. Die Frage des Oxferkultus ist wieder nur ein Teil der allgemeinen dogmatischen Frage der Auffassung des mesfianifchen Gedankens. Durch die zionistische Bewegung hat dieser Gedanke eine rationalere Auffassung bekommen. Die wunderbare Zurückführung Israels und die Wiederherstellung des Gesetzes mit Linschluß des Gpferdienstes ist dadurch in den Hintergrund getreten; und doch ist gerade diese die Hauptsache. Unsere Zeit verAßt rasch, und so ist die heftige Kontroverse, welche vor fünfzig Jahren über diesen punft entstand, schon vergessen worden. Sie verdient aus allgemein geschichtlichen Gründen wieder aufgefrischt zu werden. Graetz hatte in dem von Leopold Kompert redigierten Jahrbuch (s863) einen Aufsatz unter dem Titel „Die Verjüngung des jüdischen *<*) Er starb 18. Juli 1911. Jad Eliahu, Amsterdam, 1712, Nr. 29. Stammes"*^) veröffentlicht. Der Grundgedanke ist der Nachweis, daß die Prophezeiungen des zweiten Iefaiah von dem Knechte des Herrn nicht auf einen persönlichen Messias, sondern auf das leidende Volk Israel -sich beziehen. Dabei macht er die satirische Bemerkung, daß das Judentum nicht einen blutenden, dornengekrönten Messias lehre. In Wien lebte man damals unter der Herrschaft des Konkordats. Der führende Teil der Bevölkerung war liberal, hingegen hatte die unpopuläre klerikale Partei einen äußerst geschickten literarischen Anwalt in dem p. Sebastian Brunner, der die Kirchenzeitung herausgab, und sich Abraham a Sancta Tlara zum Muster nahm. Mit der diplomatischen Meisterschaft eines Jesuiten — er gehörte allerdings nicht dem Orden an — ging ev ans Werk. Lr machte den Staatsanwalt, einen später bekannt gewordenen klerikalen Politiker, Lduard Lienbacher, auf diesen Aufsatz aufmerksam und verlangte, daß gegen den Autor und Herausgeber die Klage auf Herabwürdigung des Judentums, als einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft, erhoben werde. Damit war zweierlei erreicht. Der unpopuläre Klerikalismus schützte sich gegen den Vorwurf, daß er die Inquisition wieder ins Leben zurückrufen wolle, und die Oeffentlichkeit sollte sehen, daß das Judentum der angreifende Teil sei. Der punkt, auf den es im Beweisverfahren ankam, war, ob das Judentum den Glauben an einen persönlichen Messias, der lächerlich gemacht worden war, als ein wesentliches Dogma anerkenne. Als Sachverständige waren dio Rabbiner, resp. Prediger, Isaak Noa Mannheimer und Lazar Horwitz geladen. Die wichtigste Frage war, wie sich der letztere, welcher der orthodoxen Schule Moses Sofers angehörte und ein Urenkel des Frankfurter Rabbiners, pinchas Horwitz, „des Haphlaa", i°6) Wieder abgedruckt in „Jüdischer Volkskatender", Brünn, 1903.