Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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oo oo Gstthurd Deutsch: Der Glaube an Hobetfpäne 53 das noch im Jahre $0? in Dublin neu aufgelegt wurde. Ebenso ist auch 'in neuerer Zeit das populäre Werk des Italieners Abiad Sar Schalom Basilea, gest. l.7^3, welches demselben Gegenstände eine ausführliche Besprechung widmet, wieder aufgelegt worden.78) Bafileas Gegner, der rationalistische Kabbalist Jakob Emden, s696—\776, einer der größten Gelehrten seiner Zeit, erklärt in seinem populären Gebetbuche die auffällige Bekenntnisformel: „wir sowohl als unsere Väter haben gesündigt," dahin, daß wir die in einer früheren Inkarnation begangenen Sünden bekennen. Sein füngerer Zeitgenosse, der gelehrte Palästinenser Lhajim Joseph David Azulai, \?23—\806, erzählt uns, daß der freigeistige Leon Modena f57s—in seiner Autobiographie bekannt habe, in seiner Jugend nicht an Seelenwanderung geglaubt zu haben, sich aber später zu diesem Glauben bekehrt zu haben, als er ein sterbendes Rind von sechs Monaten „Schema Israel" sprechen hörte.78) Nun ist zwar diese Geschichte in dem einzigen uns erhaltenen Exemplar von Modenas Selbstbiographie nicht enthalten,77) aber wenn auch die Geschichte apokryph ist, so genügt sie als Beweis dafür, daß der gelehrteste Rabbiner der zweiten Hälfte des \&. Jahrhunderts daran geglaubt hat. Sein Zeitgenosse Ezechiel Landau, \7\3—\793, Oberrabbiner von Prag, gleichfalls einer der angesehensten Männer seiner Zeit, gibt den Glauben an Seelenwanderung als Grund dafür an, daß man die Leiche eines vor der Beschneidung verstorbenen Knaben beschneiden müsse.78) Diese Anschauung wird auch in der neuesten Zeit, allerdings von einem extremen Fanatiker, Lsil- *5) Emunas chachamim, Lemberg, 1859. 76) Schern Hagedolim, s. v. Jehnda Aych! Modena. 77) sä. Kahana, Kiew, 1911, S. 8. 78) Neda M-Hehudah, Joreh Deah, II, M. 164. lel Lichtenstein, ^5—f89l, geteilt.79) Liner der Männer, die von dem Hamburger Vorstände aus gewählt wurden, um die Reformen des „Tempels" zu bekämpfen, und den noch vor kurzer Zeit sein Biograph, allerdings gleichzeitig sein Lnkel, als „Geistesheros" bezeichnet,88) Lleazar Löw, \756 bis f832, verdreht nach der Unmanier seiner Zeit, die herrliche Talmudstelle, die sagt: Mensch und Tier müssen sterben, aber Geil dem, der sein Leben gut angewendet hat,87) dahin, daß damit gemeint sei: Geil dem, der so fromm gewesen ist, daß er nach seinem Tode nicht erst durch verschiedene Tierleiber wandern muß, sondern gleich m das Paradies eingehen kann?8) Lin sehr populäres Werk ist das Moralbuch keis joez von Eliezer Papo, der zu Anfang des O. Jahrhunderts in dem fetzt vielgenannten Silistria Rabbiner war. Lr bezeichnet88) den Glauben an die Seelenwanderung als einen Fundamentalartikel des Judentums. Mir will es immer scheinen, daß im Judentum, das keine symbolischen Bücher und kein Kirchenregiment kennt, eine im Volke weit verbreitete Lehre mehr Autorität beanspruchen kann, als eine in Büchern niedergelegte, und wenn man vom Standpunkte des Folklore ausgeht, war gewiß der Glaube an Seelenwanderung verbreitet. Salomon Maimon erzählt in seiner Autobiographie von einem Fisch, der, als er getötet wurde, „weih is mir" gerufen habe?7) Solche Erzählungen kehren oft wieder. A. Lf. bfeymann in seinen trefflichen „Lebenserinnerungen"88) hat die Geschichte, 79) Teschuwos beth Hillel, Szatmar, 1908, S. 49—50. 80) Münz: Rabbi Elasar, genannt Schemen. Rokeach. Trier, 1895. 81) Berachot, 16, a.. sä) Schemen rokeach, Prag, 1812, S. 17. ■ 83) S. v. Gilgul. 87) Salomon Maimons Lebensgeschichte, Berlin, 1792, S. 290. 88) Berlin, 1909, S. 163 und 99.