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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 52

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 52 (sequence 8)
Language
German
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52 Gotthard Deutsch: Der Glaube an Habrlspäne von der hebräischen. Wir berufen uns hier auf die Ausführungen von Wallach („Ueber das Problem der hebräischen Gebetsprache") in Nr. 6 und 7 dieser Zeitschrift, der hebräische Gebete nur gelten lassen will, wenn sie der Kultusbeamte aussxricht, während der Laie in seiner Muttersprache beten soll. Nur der künftige Rabbiner oder Religionslehrer braucht das hebräische zu lernen, und dazu bietet ihm der — ursprünglich für die sich der christlichen Theologie widmenden Schüler eingeführte — wahlfreie hebräische Unterricht auf der Oberstufe des Gymnasiums hinreichend Gelegenheit. Um sich an den in hebräischer Sprache geschriebenen Ge- ^beten zu beteiligen, braucht der Jude nur einigermaßen hebräische Schrift lesen zu können, er empfindet doch deutsch und hat daher von der jedem besseren Gebetbuche beigegebenen Uebersetzung mehr als von dem im besten Falle notdürftig verstandenen, aber nicht empfundenen Urtext. Um den Kindern die nötigste Lesefertigkeit zu vermitteln, kann man ja im vierten Schuljahre einen freiwilligen Kursus einrichten, der jedoch mit dem Religionsunterricht in keiner Weise in Verbindung gebracht werden darf. Grammatikalische Erörterungen sind auch hier selbstverständlich ausgeschlossen. Im Uebrigen werden ja die Religionsschulen nicht gleich sämtlich ihre Tore schließen, sobald man beginnt, den Religionsunterricht in der öffentlichen Schule nach unseren Ideen auszugestalten. Wer sich uns nicht anschließt, wird also immer noch die Möglichkeit haben, seinen Kindern den Unterricht erteilen zu lassen, den er für besser hält. Soviel über den Lehrplan unseres Religionsunterrichtes in der Schule. Was er für Anforderungen an den Lehrer stellt, und wie er eine Ergänzung erfährt an dem von der Schule unabhängig erteilten Konfirmandenunterricht, wird in den nächsten Abschnitten zur .Darstellung kommen. Oer 6Iaube an kiobellpäne. Lin beitrag zu den inneren Kämpfen im Judentum der Gegenmart. Von Gotthard Deutfch-Cincinnati. Zn den vorangegangenen Auseinandersetzungen ist dargelegt worden, daß der Jude der Gegenwart, wenn er auch im Ritual der Synagoge und in der Beobachtung der Speise- und Sabbatgesetze noch so skrupulös ist, doch in seinen geistigen, in das Dogma tief eingreifenden Anschauungen, in seiner kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Praxis von dein, was im achtzehnten Iahrhundert allgemein galt und noch jetzt im Orient und in Osteuropa als orthodox gilt, himmelweit entfernt ist. Die angeführten Beispiele ließen sich leicht ins Unendliche vermehren. Als besonders typisch sei der Glaube an Seelenwanderung erwähnt. Menachem da Recanati, der dem \ö. Jahrhundert an- (Schluss.) gehört, lehrt, daß ein Mann, der an musikalischen Unterhaltungen in Frauengesellschaft teilnimmt, nach seinem Tode in einen Ochsen verwandelt werden wird?-) Lipmann Voller, der berühmte Mischna - Kommentator, \577 bis j[65% spricht in seiner Empfehlung des kabbalistischen Werkes Emek hamelech, Amsterdam, H.6^8, von der Seelenwanderung als einer unbestrittenen Tatsache.^) Sein Zeitgenosse, Menachem Azariah da Fano widmete dem Gegenstände ein eigenes Buch,^) 7?) Kommentar zum Pentateuch, Venedig, 1545, S. 214, b. Güdemaiin: Erziehungswesen, II, 180. 731 Siehe: Horovitz: Frankfurter Rabbinen, II, 43. •4) Benjakvb, S. 90, Nr. 129. Gilgulc neschamoth.

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