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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 51

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 51 (sequence 7)
Language
German
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oo Ar. Fritz Machsnrr: Zur Nrrürfferung des indischen Neiigionsnntrrrichtrs Öl scher lvert noch nicht genügend geschätzt wird. Leider fehlt es zurzeit noch immer an einer für Schulzwecke geeigneten Uebersetzung. Das neunte Schuljahr, die Untersekunda, bringt wie das letzte Jahr der Volksschule einen Abriß^ der weiteren Geschichte der jüdischen Religion, hierdurch erhalten diejenigen Schüler, die die Schule mit dem Einjährigenzeugnis verlassen, einen befriedigenden Abschluß ihrer religiösen Bildung. Aufder Oberstufe der höheren Lehranstalten kann man unfern Religionsunterricht in mehr seminaristischer weise handhaben. Man hat es mit einigermaßen erwachsenen Leuten zu tun, kann auch eine beträchtliche Menge von Fachkenntnissen voraussetzen. So läßt man denn in Gbersekunda zusammenhängende Systeme der jüdischen Ethik und Symbolik erarbeiten, wobei man zugleich Gelegenheit hat, den ganzen Stoff der Unter- und Mittelklassen immanent zu wiederholen und von höheren Gesichtspunkten aus nochmals zu betrachten. Für Unterprima dürfte sich die vergleichende Religionsgeschichte ganz besonders eignen, von einem gebildeten Menschen kann man verlangen, daß er mit den Grundlagen der wichtigsten Religionen bescheidweiß, außerdem aber lernt man seine eigene Religion erst dann ordentlich schätzen, wenn man in der Lage ist, sie mit anderen Religionen zu vergleichen. Dies ist aber gerade in einem Alter erwünscht, in dem die mannigfachsten Eindrücke und Zweifel den jungen Menschen bestürmen. Und noch ein anderer bedeutsamer Vorteil: Die Schüler gewinnen infolge des beständigen vergleichens und prüfens Gewandtheit darin, ihre Religion gegen jedweden Angreifer zu verteidigen, und so wird der Unterricht zu einer regelrechten Schule der Apologetik, die wir in unserer Zeit raffiniertester christlicher Missionstechnik gewiß brauchen können. Zn Oberprima gestalten wir den Unterricht noch etwas freier. Der Lehrer läßt die jungen Leute über neuere Erscheinungen auf religiösem oder religionspolitischem Gebiet referieren, ergänzt ihre Berichte durch Mitteilungen aus der eigenen Erfahrung und leitet eine sachliche geordnete Diskussion über das zur Verhandlung stehende Thema in die Wege. Gaben so die jungen Leute über alle Erscheinungen unseres religiösen Lebens sachlich urteilen gelernt, dann kann sie die Schule getrost ins Leben entlassen. Sie hat dann die Gewißheit, daß sie die ihr anvertraute jüdische Zugend zu Menschen erzogen hat, die ihre Religion gründlich kennen und, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, für sie zu arbeiten Lust und Fähigkeit haben. Natürlich halten wir unfern Lehrplanentwurf nicht für unfehlbar. Er bedeutet nicht mehr, als einen Vorschlag, der nur den einen Anspruch erhebt, dem religiösen Empfinden des modernen Zuden zu entsprechen, ohne sich von der Ueberlieferung loszusagen, er will die Richtlinien angeben, wie man dem Rinde auf Grund der Dichtung vor dem überlieferten, Liebe zum gegenwärtigen positiven Religionsinhalt anerziehen kann. Manchen Leser wird es vielleicht befremden, daß wir in ihm nirgends der hebräischen Sprache gedacht haben. Er sei daran erinnert, daß wir dem plane den Gedanken zugrunde legten, nur solche Stoffe zu verwenden, die gesinnungsbildende Rraft besitzen. Darum gehört die Erlernung einer Sprache nicht in den Religionsunterricht hinein, sie würde das Znteresse nur zersplittern und den Erfolg des Unterrichts in Frage stellen. Ein verbindlicher hebräischer Sprachunterricht würde auch den Geist der Schüler, namentlich der Volksschüler, in ganz unzulässiger weise belasten. Der katholische volksschüler lernt ja auch nicht Latein, obgleich die katholische Liturgie von der lateinischen Sprache ebenso abhängig ist, wie die unsrige

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