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Liberales Judentum · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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50 Ar. Fritz Machsner: Jur Uerdrsirrung des jüdischen Religionsunterrichtes ° ° dargestellt worden. Alle überflüssigen historischen Abschnitte sind, weil religiös unwichtig und zudem von der modernen Grientforschung großenteils als unzuverlässig erwiesen, zu streichen. Vom sechsten Schuljahr an gabelt sich unser Lehrplan in den für die Gberklassen der Volksschule und den der Mittel- und Gberstufe der höheren Lehranstalten. Bettachten wir zunächst den der Volksschule. Im sechsten Schuljahr hat die Volksschule die vornehmlich historischen Bücher der Bibel zu bewälttgen. Aus den dargelegten Gründen sowie infolge des großen Umfanges des Stoffes ist hier Beschränkung auf das Wesentliche mehr als anderswo geboten. Stets suche man auf die religiöse Bedeutung der handelnden Personen hinzuarbeiten. wenn es die Zeit erlaubt, wird man nebenbei einige Abschnitte aus den Apokryphen lesen können. Das siebente Schuljahr der Volksschule hat eine besonders wichtige und schwierige Aufgabe: Die Propheten stehen zur Behandlung. Es muß gezeigt werden, wie in Zeiten politischen Niederganges die religiösen Kräfte der Nation lebendig werden, wie Männer von hoher sittlicher Kraft allen Gefahren trotzend auf eine Läuterung des Glaubens und Handelns hinwirken. Nur dann kann eine Gemeinschaft allen Angriffen widerstehen, wenn sich alle ihre Glieder sittlichen Maßstäben unterordnen. Das ist der große Gedanke, den unsere Jugend aus der Behandlung der Propheten ins Leben mitnshmen soll, und ein tüchtiger Lehrer wird diesen Gedanken durch Bezugnahme auf die Verhältnisse der Gegenwart besonders fruchtbar zu machen wissen. An geeigneter Stelle können auch einige der schönsten Psalmen eingefügt werden. Hat der Schüler so an Beispielen aus der biblischen Geschichte einen Ueberblick über die Lehren unseres Glaubens erhalten, so soll das letzte Schuljahr dazu dienen, ihm die Entwicklung des Judentums in der nachbiblischen Zeit vorzuführen. Kürze ist auch hier am Platze, doch suche man auf einige hervorragende Talmudisten und religiöse Dichter genauer einzugehen. Gegebenenfalls wird man auch mit einigen Worten auf die Gegenwart zu sprechen kommen. Dies dürfte genügen, um dem jüdischen Volksschüler eine zusammenhängende religiöse Bildung zu geben, die ihm den nötigen sittlichen Halt im Lebenskämpfe gewährt, die es ihm ermöglicht, an den religiösen Bestrebungen der Gegenwart erfolgreich mitzuarbeiten. Natürlicherweise kann ihm die Schule nicht sämtliche Erzeugnisse der jüdischen Literatur übermitteln; ihre Aufgabe ist gelöst, wenn es ihr gelungen ist, für die behandelten Gebiete Interesse zu wecken. .Die weitere Fortbildung kann sie dann dem Einzelnen, wie auch besonderen Organisationen überlassen. Was nun den Lehrplan der höheren Schulen betrifft, so deckt sich dieser in den ersten fünf Schuljahren, d. h. bis zur Ouinta ganz mit dem der Volksschulen. In Quarta werden ebenfalls die Bücher der Könige, Samuelis, der Richter behandelt. Als Zukost gebe man einige der schönsten Psalmen und Sprüche. In der ersten Hälfte des siebenten Schuljahres besprechen wir die apokryphischen Schriften, in der zweiten die Propheten, deren Studium auch noch die erste Hälfte des nächsten Jahres ansfüllt. Wir haben sie möglichst weit hinausgeschoben, weil zu ihrem vollen Verständnis eine ganze Reihe kulturgeschichtlicher Begriffe gehört, die sich der Schüler erst im reiferen Alter aneignen kann. Die zweite Hälfte des achten Schuljahres wird dazu benutzt, das Wichtigste aus der talmudischen Literatur, nach Möglichkeit wieder in biographischer Form, zu übermitteln. Gerade der Talmud ist ein Gebiet, dessen erzieheri-

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