Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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oo Ar. Fritz Machsner: Zur Verbesserung des jüdischen Nrligionsunterrichtrs 47 diesen Abenden gilt es nicht nur, einen Rückblick auf wichtige Ereignisse der Vergangenheit zu werfen, sondern auch, an die Fragen der Gegenwart zu denken und an die bsoffnungen, die wir an unsere Zukunft knüpfen. Wohl soll dabei in hervorragender Weise auf die Iugend Rücksicht genommen werden. Aber auch in den Familien, in denen sich nur Erwachsene befinden, hat die Feier des Sederabends ihren Platz, wie uns das Vorbild der fünf Gelehrten zeigt. In allen jüdischen Familien verdient der Sederabend hochgehalten zu werden. In allen jüdischen Kreisen möge er der Erinnerung geweiht sein an unsere Vergangenheit mit ihren Leiden und ihren Freuden, möge er unser» Blick schärfen für die Aufgaben unserer Gegenwart und unsere Kerzen mit Zuversicht und mit vertrauen erfüllen auf eine Zukunft voll Ruhm und Ehre, voll Freude und Glück. Zur Verbesserung des jiidifchen von Dr. phil. f. Wachsner-Berlin. 2. Unterrichtsziel u nd Le h r p l a n. aben wir im vorigen Aufsätze festgestellt, daß wir auf die Gleichberechtigung des jüdischen Religionsunterrichtes in der öffentlichen Schule, sei es Volks- oder höhere Schule, mit dem der christlichen Schüler hinzuarbeiten haben, daß wir uns nur von einem solchen Religionsunterricht Erfolg versprechen, der im engen Anschluß an die übrigen Lehrfächer der Schule erteilt wird, so ist es nunmehr unsre Aufgabe, darzulegen, wie dieser Religionsunterricht innerlich organisiert sein muß, damit er allen Anforderungen gerecht wird, Tie wir an ihn stellen dürfen. Da wird es angebracht sein, erst einmal das Ziel aufzustellen, auf das unser Reli- *) An in. d. Red. Wegen Raummangels können svir erst jetzt die Fortsetzung dieses Artikels bringen, dessen erster Teil bereits in der Julinummer des vorigen Jahrganges erschien. In ihm führte Verfasser aus, daß an dem religiösen Jndifferentismus gerade unter den gebildeten Juden der mangelhafte Religionsunterricht, der die Forderungen der Gegenwart nicht gebührend berücksichtigt, die Hauptschuld trägt. Die Religionsschulen find vom pädagogischen Standpunkte zu verwerfen und nicht geeignet, die Liebe zur Religion unter der Jugend zu verbreiten. Das kann nur ein dem christlichen Religionsunterricht gleichberechtigter jüdischer Religionsunterricht in der öffentlichen Schule. KeligionsunterncKtes?' gionsunterricht hinzuarbeiten hat. Als solches ergibt sich: Das jedem normalen Kinde eigene religiöse Gefühl zu entwickeln, dem Kinde zu zeigen, wie dies sein Gefühl den Ausdruck findet in der Geschichte der jüdischen Religion, und in ihm das Bedürfnis wachzurufen, die Lehren des Judentums in sich ständig zu veredeln und zu betätigen. Erreichen wir dies Ziel bei der Rlehrzahl unserer Schüler, so wird sich alsbald zeigen, wie die religiöse Lebensführung unsre Glaubensgemeinschaft nach innen und außen stärkt, und alle Anfeindungen, denen wir noch heute ausgesetzt sind, werden schwinden. Für die höheren Schulen müssen wir unsere Zielstellung noch etwas erweitern: Den intelligenteren Schülern müssen wir beweisen, daß die jüdische Religion wie jede andere, von den grundlegenden Wahrheiten abgesehen,' nichts Unveränderliches darstellt, sondern daß sie sich der allgemeinen Kultur der Gemeinschaft entsprechend beständig weiterentwickelt, und daß jeder einzelne von uns an dieser Entwickelung nach Kräften mitzuarbeiten verpflichtet ist. Daß ferner die Religion weder mit einer» bloßen Kultus gleichbedeutend ist, noch auch mit. der sittlichen Lebensauffassung, sondern erst ihren