Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Aus der Jugendbewegung man sich der Täuflinge bedient hat, um die Juden zu quälen. Nachdem der Boden durch die Iudengeißel Felix pratensis, der im Jahre 15\8 am Sankt-Peterstage das Christentum angenommen hatte und in in der Folge überallhin biaß und Mißtrauen gegen die Juden säte, vorbereitet worden war, konnten sich die Juden des päpstlichen Landes seit dem sechzehnten Jahrhundert vor Missionsversuchen nicht mehr retten. Zwei getaufte Kreaturen des Papstes Paul IV. zogen auf sein Geheiß in den Gemeinden des Kirchenstaates umher, hielten aufreizende predigten gegen die Juden und wo sie sich nicht bekehrten, quälten sie sie in ärgster Meise. Von diesen beiden, die Sixtus Senensis und Philipp Moro hießen, besaß letzterer die Frechheit im Jahre 1559 am Versöhnungstage (!) mit einem Kreuze in die Synagoge zu Necanate zu dringen, um eine Bekehrungspredigt zu halten. Das Kreuz setzte er in die geöffnete Thoralade! Als er, was man begreiflich finden wird, hinausgeworfen wurde, wollte er feine Rache an allen Juden auslassen und versuchte eine Verfolgung anzuzetteln. Tr erreichte wenigstens, daß auf seine Klage zwei Gemeindemitglieder ergriffen, gebunden und in schamlosester Meise auf offener Straße gegeißelt wurden. Gregor XIII. (H572—(585) war ebenfalls ein großer Judenbekehrer, und auch ihm diente in ergebener Treue ein Täufling. Ts war der auf diesem Gebiete besonders hervorragende marrokanische Jude Josef Zarfathi, der bei seinem (552 in Rom erfolgten Uebertritt den wohlklingenderen Namen Messer Andrea de Monti annahm. Tr galt als besonders scharf, und auf ihn geht es zurück, wenn das Gesetz zur Anhörung von Missionspredigten, von dem einsichtige Christen garnichts erhofften, in aller Strenge durchgeführt wurde. Bei ihm wird besonders hervorgehoben, daß er für seine Bekehrungsxredigten, die seit (582 eine feststehende Einrichtung geworden waren, nichts verlangte. Tine edle, hochherzige und großmütige Seele! Sonst mußten die Juden für dieses herrliche Vergnügen noch Geld bezahlen! Tin päpstliches Breve von (629 verlangte z. B. eine jährliche Pension von (200 Scudi für einen ans Mantua stammenden Taufjuden namens Francesco Leonardo Masserano Barberini, welcher ein Buch gegen das Judentum verfassen wollte. Zwar wurden die Juden von der Hälfte befreit, aber 600 Scudi haben sie lange Zeit tatsächlich gezahlt, damit der Taufjude in aller Bequemlichkeit seine Massen schmieden und vergiften konnte. Tin empörenderes und für eine Gemeinschaft erniedrigerendes Schauspiel dürfte die Meltgeschichte so leicht nicht aufzuweisen haben. ftU5 der Jugendbewegung. Mdisch-Ubrraler Jngendverein, Posen. Am 27. Dezember veranstalteten wir die gewohnte Chanukah-Feier im Hotel Friedrichshof unter sehr reger Beteiligung unserer eigenen Mitglieder und der Mitglieder des hiesigen Hauptvereins, sowie von Gästen und Freunden. In dem ersten Teil, der religiösen Feier, brachte nach dem tiefinnig vorgetragenen Prolog von Frl. Herta Jacobsohn Mberkantor Lilienthal gesangliche Darbietungen, während nach der Ansprache, des Vorsitzenden, Herr Rabbiner Professor Dr. Bloch unter interessanten Ausführungen über die historische, religiöse und moderne Bedeutung des Chanukahfestes das Anzünden der Lichter vornahm. Das gemeinsam gesungene Chanukah- Lied beendete alsdann diesen Teil des Festes. In dem sich nunmehr anschließenden gemütlichen Beisammensein eröffnete den Reigen der Darbietungen Frl. Hedwig Cohn durch wirkungsvoll und innig vor-