Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Ar. Goldmann: Tanfjndentnw nnd Antisemitismus erhörter Art beschränkte. Die Anzahl der damals Getaufterl wird auf mindestens 20 000 angegeben, die der Umgekommenen erreicht nach manchen Quellen die höhe von 150 000! Linhundertundfünfzigtausend gemordete Juden lasten auf dem Gewissen des Täuflings G e r o n i m o da Santa Fe! Einhundertundfünfzigtausend Juden mußten wegen eines Papstes geopfert werden, den das Konzil zu j)isa wegen kirchlicher und bürgerlicher Verbrechen abgesetzt, seiner geistlichen Würde entkleidet und in den Bann getan hatte! Außer diesen Beispielen großer Disputationen seien noch einige Einzelheiten angeführt, welche teils für die Gesinnung der missionierenden Täuflinge, teils auch für die 2lrt, wie sie ihr Geschäft handhabten, charakteristisch sind. Interessant ist es, wenn der Renegat Paulus Burgensis in einem Sendschreiben an einen gewissen Iosua Lorki (vielleicht identisch mit dem oben erwähnten) die Ansicht äußert, jeder Jude müsse gezwungen werden, sich zum Thristentum zu bekehren, und wenn er als Mittel die rohe Faust, den finsteren Kerker sowie die ultima ratio: Folter und Scheiterhaufen preist. Bei solchen Gesinnungen ist es nicht wunderbar, wenn der Missionssport eineil ungeheueren Umfang annahm und charakteristisch ist ein Erlaß Karls V. aus dem Jahre 1368, der auf Klagen von Juden ausdrücklich verbieten mußte, daß die Juden von den Täuflingen im Verein mit Geistlichen in die Kirchen geschleppt, zum Anhören von Bekehrungspredigten gezwungen und so mit Gewalt zum Uebertritt gebracht würden! Als eifriger Proselytenmacher wird A'struc Raimuch aus Fraga (etwa um 1400) bezeichnet, der als Jude eine Säule der Rechtgläubigkeit war und als Christ ullter dem Namen Francesco Gottfleisch unendlichen Schaden angerichtet hat. In Portugal ließ der König Manoel im Jahre 1497 auf Betreiben eines getauften Juden namens Levi b e n S ch e m - T o b , um die Juden zum Uebertritte zu zwingen, alle Lehrhäuser und Synagogen sperren; er verbot ihnen jede gottesdienstliche Versammlung, und jeden Nebertreter des Verbots traf schwere Strafe. Von einem Zeitgenossen wird berichtet, daß Juden wegen der Verletzung dieses unglaublichen Ukas sogar gemartert wurden. Nicht einmal beten wollte sie der Täufling lassen! Auf den Rat dieses grausamen Feindes beschloß Manoel sodann etwas so Entsetzliches, daß man es kaum wiederzugeben vermag. Am Ostersonntag ließ er alle Kinder unter vierzehn Jahren mit Gewalt ihren Eltern entreißen und taufen! Mit Schlägen und Peitschenhieben mußten die Kinder von ihren vor Schmerz rasenden Eltern getrennt werden; tausend von jungen Juden wurden von ihren verzweifelten Vätern und Müttern selber getötet, und auf entsetzliche Szenen, die das Blut in den Adern erstarren machen, konnte der Täufling stolz und zufrieden lächelnd schauen. Leider hat diese Begebenheit keinen Dichter wie Schönherr gefunden, der sie der Welt überlieferte; aber an Grausamkeit und Tragik, an Entsetzlichem und herzzerreißendem sind die Ereignisse, die das heute so gefeierte Hohelied der Glaubensnot, das Drama „Glaube und Heimat" schildert, die besonders die evangelische Welt so rühren und erschüttern, gegen jene Tat des christlichen Königs und seines getauften Helfers ein harmloses Kinderspiel. In bedenklicher Weise wütete der Missionsunfug in Rom und dem sonstigen Gebiete des Kirchenstaates, dessen ganze Struktur und Tendenz es mit sich gebracht hat, daß stets und ständig Eingriffe in das innere religiöse Leben der Juden vorkamen. Der Geschichte dieses Staates seien noch einige Beispiele für die Art entnommen, wie