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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 40

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 40 (sequence 20)
Language
German
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40 Ar. Gsldmann: Taufjudentum und Antisemitismus Testamente sämtliche Dogmen des. Christentums und noch einiges mehr erweisen. Wie überall, wo geistige Ueberlegenheit den Ausschlag gab, war auch hier dem Juden der Sieg beschieden, denn es war ihm nicht schwer in vier Disputationen all den Unsinn zu widerlegen. Aber wohlgemerkt: Nur der Sieg war ihm beschieden, nicht der Erfolg! Johannes zwar mußte sich zurückziehen, aber an seiner Stelle erschien ein jünger des Taufjuden, A b n e r von Bur - gos, und der ging energischer vor. Lr verlangte ebenfalls zu disputieren, und drohte im Weigerungsfälle den Talmud als Quelle christenfeindlicher Aeußerungen zu brandrnarken. Das bedeutete Tod und Verderben, und darum mußte Mose auch mit diesem Feinde sich in den Redestreit einlassen, was über Judenverfolgung und Quälerei nicht abgewandt hat. So ging es eben immer: mochten die Juden auch im Geisteskampfe tausendmal die Sieger sein, der Taufsport und die Bedrückung seitens der Täuflinge blühten lustig fort, wußten sie doch, daß hinter ihnen bessere Waffen standen als die des Geistes: die unwiderstehlichen Beweismittel des kirchlichen Fanatismus, Scheiterhaufen und Schwert! Berühmt durch die Person des jüdischen Führers war auch die Disputation zu T o r t o s a im Jahre W2. Dem Täufling Geronimo da Santa Fe, als Jude Iosua Lorki, stand als Gegner der bekannte Philosoph Josef Albo gegenüber. Neben Albo waren von jüdischer Seite einundzwanzig Gelehrte erschienen, d. h. zur Teilnahme gezwungen worden. In dem Verlaufe des Religionsgesprächs, das sich um die üblichen Punkte drehte, benahm sich der Taufjude sehr häßlich und boshaft, und abgesehen davon, daß er eine das Schamgefühl gröblich verletzende Art der Exegese anwandte, war seine Argumentierung derartig, daß Gr ätz seine Weisheiten kurzerhand als Blödsinn bezeichnet. Der Papst Benedikt, der aus einer Massenbekehrung von Juden und dem dadurch erbrachten Beweise seiner Fähigkeit eine Stärkung seiner schwer erschütterten Autorität erwartete, quälte die Juden mit dieser merkwürdigsten unter allen Disputationen ein volles Jahr. Jedes Mittel wurde angewandt, um den Uebertritt der beteiligten, angesehenen Führer des Judentums, der dann die großen Massen fortreißen sollte, zu erreichen. Im Hintergründe ließ man das drohende Schreckgespenst der Judenverfolgung aufsteigen, der Taufjude drohte indirekt und direkt mit dem Schwerte, der Papst ganz offen mit qualvollem Tode. Inzwischen durchzog der fanatische Dominikaner Vicente Ferrer das Land und taufte zwangsweise und in Massen. In Scharen wurde die auf diese Art Neuchristen gewordenen zur Disputation getrieben, um auf die hartnäckigen Notab eln Eindruck zu machen. Sie aber blieben — und das ist ihr ewiger Ruhm — fest bei ihrem Glauben, so daß den Christen der Sieg im Geisteskampfe nicht beschieden war. In der Praxis ergaben sich als Folgen jene bereits früher erwähnten harten Maßregeln gegen den Talmud, die zu einer unendlichen Katastrophe geführt hätten, wenn nicht Benedikt abgesetzt worden wäre und seine Autorität völlig eingebüßt hätte. Dies er Täufling gehört übrigens zu denen, die ein ganzes Leben mit nichts anderem wie Judenhaß und Iudenbekehrung auszufüllen suchten. Im Bunde mit Vicente Ferrer hat er die traurigen, blutigen Ereignisse der Tage von ^2—WH auf dem Gewissen, diese schaurigen Blätter der spanischen Geschichte, die uns verkünden, wie tausende getauft, wie aus Hunderten von Synagogen Rirchen wurden, wie man das Recht der Juden in un-

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