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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 39

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 39 (sequence 19)
Language
German
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Ar. GoLLmann: Tanfjudrntum und Antisemitismus 3Sfleckten, beider geben uns unsere (Quellen nur über außergewöhnliche, besonders bemerkenswerte Disputationen Aufschluß, aber es dürfte unter den vielen Hunderten, die in Spanien stattgefunden haben, kaum eine zu finden sein, über der nicht der Geist irgend eines Täuflings gewaltet hätte. Der berühmteste und berüchtigste der Renegaten, die mit Juden disputiert haben, ist j)ablo Thristiani gewesen, dessen sonstige Missionstätigkeit zwar der christlichen Kirche nicht den erhofften Zuzug gebracht hatte, der aber trotzdem im Jahre \263 dazu bestimmt wurde, mit dem großen jüdischen Gelehrten Nachmanides die Klinge jn der Redeschlacht zu kreuzen. Der Gegenstand des Religionsgesprächs war fast immer derselbe: Gb Christus ein Mensch oder Gott gewesen, ob der Messias bereits erschienen, ob das Judentum oder das Thristentum der rechte Glaube sei! s)ablo Thristiani hatte in Nachmanides einen vorzüglichen Gegner gefunden, der mit großem Freimut und Geschick, besonders in der Frage des Messias, den Täufling sä absuräuin führte. Tr wies mit einem deutlichen Seitenblick auf die Bedrückung der Juden darauf hin, wie wenig Friede auf Erden herrsche, der doch nach dem Erscheinen des Messias, den Weissagungen der Propheten wie der logischen Ueberlegung gemäß ein ewiger sein müsse! Bezeichnend für die Angst und die Lage der Juden war es aber, daß sie ihren freimütigen Verteidiger baten, er möchte auf hören! Sie wußten sehr wohl, warum! Sachlich hatte Nachmanides gesiegt, und bei jener Gelegenheit fiel das bekannte Wort des Königs Vlayme von Arragonien, er habe niemals eine ungerechte Sache geistreicher verteidigen hören. Aber trotz, dieses Erfolges war praktischer Sieger doch der Täufling, denn er durfte nach wie vor seine Missionstätigkeit ausüben, er durfte selbst in den Synagogen das Thristentum verkünden, durfte die Juden nach Herzenslust beschimpfen, verhöhnen und schelten, und was das allererniedrigendste war, die Juden mußten ihm die B ü ch e r liefern und ihn für seine Tätigkeit besolden! Als nun Nachmanides gar noch eine objektiv? Darstellung der Disputation veröffentlichte,, denunzierte sie der boshafte Täufling, dessen Gelehrsamkeit nicht gerade im bestem Lichte erschien, kurzerhand als eine Lästerung des Thristentums, so daß -auf Betreiben seines ehemaligen Glaubens-- genossen der alte Nachmanides zu zweijähriger Verbannung verurteilt wurde. Seine Schrift aber endete auf dem Scheiterhaufen, wo j)ablo Tbristiani weit lieber ihren Verfasser, den Verletzer seiner Eitelkeit, hätte sterben sehen mögen. Liner der schlimmsten und gefährlichsten der disputierenden Täuflinge war der f333 geborene Johannes von Valladolid, dem nebst einem gleichfalls getauften Genossen vom Könige Don Heinrich die Erlaubnis erteilt worden war, in den Städtm Kastiliens missionierend umherzuziehen und die Juden zu Disputationen zu zwingen. Besonders bemerkenswert war das Religionsgespräch zu Avila im Jahre \375, wo ihm als Gegner der Gelehrte Mose K o h e n de Tordesillas entgegentrat. Dies erging, wie Grätz bemerkt, nur mit großen: Zagen an das gefährliche Geschäft: denn er hatte die christliche Liebe bereits am eigenen Leibe empfunden. Um ihn von der Vortrefflichkeit des Thristentums zu überzeugen, hatte man ihn seiner Habe beraubt und ihn körperlich mißhandelt. Seinen Glauben hatte er zwar gerettet, sonst aber nichts, und er mußte von der Gemeinde Avila Unterstützung annehmen. In der Disputation benahm sich nun Johannes selbst für einen getauften Juden sehr albern, und er wollte aus dem alten

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