Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Ar. Goldwann: Taufzudentum und Antisemitismus wertvoll werden, können sie auch der Zukunft erhalten bleiben. Daher ist es mit Freude zu begrüßen, wenn die Tendenz der liberalen Gestaltung unseres Gottesdienstes, eine Aesthetisierung seiner Inhalte erstrebt. Gesang und Drgel sind wertvolle Mittel, um diesen Umwandlungsprozeß zu beschleunigen. Daher ist es aber auch verständlich, wenn sich der strenggläubige Jude wehrt, diesen Entwicklungsgang mitzumachen. Gr empfindet die „Gefahr", die eine Verschönung des Gottesdienstes mit sich bringt, von seinem Standpunkte aus hat er vollkommen recht, wenn er sich gegen jede „Erleichterung" des Gottesdienstes sträubt. Für ihn besteht ja gerade sein Verdienst in der seelischen Arbeit, der er sich bei den gottesdienstlichen Handlungen unterzieht. Der liberale Jude wird so lange keinen festen Standpunkt gegen ihn gewinnen können, als er diese Tatsachen nicht anerkennt. Es bedeutet einen Mangel an bewußtem Denken, wenn er nicht sieht, wohin der weg geht. Augenblicklich befindet sich unser Gottesdienst im Stadium des Ueberganges. Heute lautet die Parole: „Erwecket mit der Kunst das Interesse an den religiösen Gebräuchen". Aber erst wenn es heißen wird: „Erwecket durch die Kunst das Interesse an ihnen",, und wenn die Tat dieser Ueberzeugung folgt, wird die geschichtliche Entwicklung im Einklang Itehen mit der Einsicht kritischer Erkenntnis. Fürwahr, ein Ziel aufs innigste zu, wünschen. lautzuäentum unä Antisemitismus! Von Dr. felix Goldmann. (Fortsetzung.) Toufjuden als Missionare in der Proms. Eine der wichtigsten Methoden, durch die man im Mittelalter Israel für die Kirche zu gewinnen suchte, stellten die Disputationen dar. Das klassische Land dieser Religionsgespräche war Spanien. Nun darf man freilich nicht glauben, daß es sich bei dieser Art der Missionstätigkeit tatsächlichem Versuche gehandelt habe, die Juden sachlich zu überzeugen; auch hier tritt nichts wie die roheste Gewalt auf, allerdings in etwas verkappter Form. Hinter den anscheinend wissenschaftlich diskutierenden Mönchen stand stets als ultima ratio und durchschlagendstes Argument der Kirche das drohende Schwert des Henkers und der lodernde Scheiterhaufen. Als widerliche Schauspiele der Kulturgeschichte, als die bis zum Gipfel getriebene erbärmliche Heuchelei müssen diese spanischen Disputationen betrachtet werden,, bei denen die Juden g e zwung en wurden,' ihre Religion zu verteidigen, bei denen sie sich sorgfältigst hüten mußten, sich keine, auch nicht die geringste Blöße zu geben, und bei denen doch das traurige Ergebnis von. vornherein feststand. Denn jede Disputation, nach der nicht die Juden Gut und Leben verloren, war eine bewunderte Ausnahme. Da. nun aber trotzdem diese Vrgien der Heuchelei, mit dem Mantel der Gelehrsamkeit und des jüdischen Wissens umkleidet sein mußten, da. ferner sich unter den christlichen Gelehrten, fast niemals Leute fanden, die imstande waren den Talmud auch nur notdürftig zu verstehen,. waren es nur getaufte Juden und immer wieder getaufte Juden, die sich' in diesem, schmutzigen Geschäfte gebrauchen ließen, und die, wie hinzugefügt sei, sich gern die Hände mit diesen verschleierten Morden be--