Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Gstthard Aeutfch: Aer Glaube an Ksbelfpäue 0 0 0 0 wohl er im Allgemeinen gegen Erschwerungen sich ausspricht, die nicht im Talmud begründet sind, verteidigt doch eine Erschwerung in den Speisegesetzen, die sich im Talmud nicht findet, auf Grund des Zohar?3) Die Glossatoren des Schulchan Aruch aus dem V?. Jahrhundert zitieren den Zohar und andere kabbalistische Werke nicht selten als Autorität?*) Für unsere Zwecke ist die Frage 13) Chullin, Kap. 8, Nr. 1. u) Abraham Gombiner, Orach Chajim, 282, 1; Mendel Auerbach, ib. 27, 2. Derselbe erzählt, daß er am Freitag Nachmittag sich des Studiums halachischer Werke enthalte, um sich durch das Studium der Kabbala würdig auf den heiligen Tag vorzubereiten. (Monatsschrist f. .Gesch. u. Miss, des Judt., Bd. 38, S. 557, 1894.) Kontroversen über halachische Fragen zwischen Sabbatai Kohen und David Halevi werden von späteren Autoren auf Grund des Zohar entschieden. S. Samuel Loew, Machazis haschekel, Orach Chajim, 25, 20; Abraham Danziger, Chochmas adam, 171, 12. Elijah Wilna, der Gegner der Chassidim, der empfahl, diese gefährlichen Mystiker zu lynchen, schrieb Kommentare zum Zohar und anderen kabbalistischen Schriften. (Jewish Encyclopedia, s. v.) Sein gleichgesinnter Zeitgenosse Ezechiel Landau, der von den Chassidim sagt, daß sie „aus den Wegen des Herrn straucheln", und das Studium kabbalistischer Werke, ohne es geradezu zu verbieten, doch wiederrät (Resp. Joreh Deah, 93; Orach Chajim, 109), entscheidet doch .gelegentlich auf Grund kabbalistischer Werke, daß man die Leiche eines unbeschnitten verstorbenen Kindes beschneiden solle (Joreh Deah, II, 164) und daß es nicht geradezu verboten sei, bei einem feierlichen Bittgottesdienste in. Regennot eine Torahrolle aus den Friedhof zu bringen, wie es der Zohar empfiehlt (Orach Chajim, 109). Aehnlich entscheidet sein Schüler Eleaz. Fleckeles (Resp., II, S. 10, a), daß eine Frau nicht Kaddisch sagen dürfe, weil nach den Kabbalisten ihre Erscheinung in der Synagoge dem Aufstellen eines Götzenbildes gleich zu achten sei. Der bis zum Jahre. 1842 amtierende Oberrabbiner von London, Salomon Hershell, den die englische jüdische Presse mit anerkennenswerter Generosität zum Doktor promoviert hat, lobt in seiner Empfehlung von Heidenheims Machzor, ben Herausgeber und Uebersetzer, weil er die Kabbalistischen Pijutstücke unübersetzt ließ und „seine Füße davor gehütet hat, auf dem Berge des Herrn in eine Falle zu geraten." Bon den neueren orthodoxen Autoritäten sind besonders in Ordnung, fjat die Geschichtsforschung wirklich bewiesen, daß der Zohar des werk eines Fälschers ist, der etwa \2ty0 schrieb, aber sein Buch als das Werk Rabbi Simon ben Iochais ausgab, welcher 1/00 Jahre vorher gelebt hatte, dann ist es unmoralisch, diesem Werke einen platz im Gottesdienst und seinen lehren eine Autorität in der religiösen Praxis einzuräumen. Diese Frage ist jedoch nur ein kleiner Teil der wichtigeren und weiteren Frage, wie sich der Jude von heute gegenüber der Aui> rität traditioneller Anschauungen stellt, wie schon einmal erwähnt, ist das nicht ein müßiger Dogmenstreit, sondern ein Punkt, der tief in die religiöse Praxis und in den Unterricht eingreift. Einem Berichte des Israelit^3) entnehme ich, daß David bfoffmann die talmudische Legende, das Schaubrot sei nach einer Woche ebenso warm gewesen als zur Zeit, da es auf den Tisch im Lseiligtum gelegt wurde/3) als historische Tatsache ansieht, obwohl selbst die mittelalterlichen Glossatoren des Talmud*?) sich mit der rationalistischen Deutung begnügten, das Brot sei nicht vertrocknet gewesen. Offenbar betrachtet man es noch in deutschen orthodoxen die Italiener zu zitieren, die bis in die letzte Zeit hinein höchst eifrige Bekenner der Kabbala gestellt haben. Als S. D. Luzzatto im Jahre 1852 seine Angriffe auf die Kabbala veröffentlichte, erregte er eine Hochflut von Unwillen. Amadio Nissim schrieb unter dem beleidigenden Titel Anah chesil, Livorno, 1855, Elijah Benamozegh etwas höflicher Taam Leschad, ib. 1863, und der greise Rabbiner von Vercelli, Jsaac Joseph Cingoli, verteidigt noch jetzt mit großem Eifer die Authentizität des Zohars und der Kabbala (Bessillo. Jsraelitico, .1900, S. 419). Er ging sogar soweit, sich gegen Amalgamierung zweier Synagogen mit verschiedenen Riten auszusprechen, weil nach kabbalistischer Lehre für jeden Ritus ein besonderes Fenster im Himmel existiere, durch welches die Gebete vor Gottes Thron gelangen. is) 1912, Nr. 24, S. 4. i6) Hagigah, 26, b. 1T) Tosafot, zur Stelle.