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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 26

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 26 (sequence 6)
Language
German
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26 Felir Makowrr: Makkabäerfest der abgetan sein soll, so müssen wir folgerichtig unser pesach auf christliche Vstern, unser Roschhaschono auf den f. Januar, unfern Versöhnungstag auf den christlichen Buß- und Bettag verlegen. Denn alle diese jüdischen Feste werden nach dem jüdischen Aalender gefeiert. Auch sind alle diese Tage „eingepreßt in die Arbeitszeit". Gewiß sind die Synagogen voller, wenn die jüdischen Festtage mit christlichen Feiertagen zusammenfallen; gewiß würden sämtliche Juden am Ruhetag feiern, wenn der Sabbat auf den bürgerlichen Ruhetag fiele. Aber die Preisgabe des historischen Sabbats und der historischen Festtage wären eine Preisgabe des historischen Judentums. Der Selbsterhaltungstrieb des Christentums hat seine Airchenlehrer veranlaßt, die christlichen Feste, die in den ersten drei bis vier Jahrhunderten zusammen mit den jüdischen gefeiert wurden, auf andere Zeiten zu verlegen. Ursprünglich wurden Vstern und Pfingsten an den vom jüdischen Synhedrj-un in Palästina festgesetzten Tagen von der Christenheit gefeiert; auch der jüdische Sabbat war der Ruhetag der Christenheit. Bis das Aonzil zu Nioäa (325 n. d. g. Z.) die große geschichtliche Scheidung durchführte, den Sonntag als Ruhetag einsetzte und die christlichen Feste so festlegte, daß sie niemals mit den jüdischen sollten Zusammentreffen können. Zn der Begründung heißt es, „es sei der Christen unwürdig, dem Gebrauch der Juden zu folgen, es wäre doch, wahrhaft würdelos, wenn die Juden sich rühmen könnten, wir seien nicht imstande, unsere Feste ohne ihre Religion zu begehen." Trotzdem mußte noch siebzig Jahre später Chrysostomus, der Patriarch von Aonstantinopel, gegen seine Gemeinde wettern, weil sie noch immer die alten jüdischen Festzeiten hielt. Nicht „der vollkommenere Aalender" — der jüdische gebundene Rlondkalender ist wissenschaftlich nicht minder vollkommen als der gregoria- , nische —, sondern die Ulacht der Airche stehd in dieser Frage dem Judentum gegenüber. Soll sich, darf sich das Judentum dieser Ulacht beugen? Würde das in einem katholischen Staate der Protestantismus, in einem protestantischen der Aatholizismus tun? Als im Jahre f8?0 auf der Rabbinerversammlung zu Philadelphia die Frage dev Verlegung des Sabbats auf den Sonntag diskutiert wurde, schrieb Abraham Geiger in einer. Besprechung dieser Versammlung das beherzigenswerteste, was über diese Frage — sei es Verlegung des Sabbats, sei es Verlegung von Festen — gesagt werden kann: „Die Frage ist, ob dem Christentum die Beherrschung aller Lebensverhältnisse als eine berechtigte zuerkannt werden soll. Eine Verlegung . . . ist die Unterwerfung unter das Christentum, die Anerkennung von der Berechtigung seiner allgemeinen Herrschaft. Und diese Anerkennung muß das Judentum umsomehr versagen, je mehr es seiner umfassenden Mission inne wird . . . Ls ringt um volle Gleichberechtigung, nicht der Juden, sondern ihrer Religion, es ringt um welthistorische Geltung. Der Aonflikt ist daher die Frage: darf das Christentum allen Bewohnern seine Feiertage auferlegen, oder hat das Judentum das Recht, die seinigen gleichmäßig zur Geltung zu bringen? Und hier kann, hier darf es keine Nachgiebigkeit geben." —

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