Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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o o oo 25 FetiX Makower: Makkakäerfest „Göttern Griechenlands" mag man ruhig auch an ihnen als an schönen poetischen Gebilden seine Freude haben. Gin Jude und selbst ein jüdisches Rind wird jene Dichtungen nicht für Wahrheit halten in einem Zeitalter, in dem auch der größere Teil der Gebildeten unter den Christen sie als Dichtungen erkannt hat und sie offen so bezeichnet. Man feiere den Makkabäersieg, verteile Geschenke, zünde Lichter an und dichte hierauf bezügliche schöne Verse zu alten jüdischen Gesängen und zu christlichen Weihnachtsmelodien! Aber man gehe noch einen schritt weiter und feiere das Makkabäerfest nicht am 2% Rislew, sondern am 2% Dezember! Nachbemerkung der Redaktion. Unsere Ubonatsschrift soll nach der Intention ihrer Begründer ein freier Sprechsaal für alle reli- -giösen Angelegenheiten des liberalen Judentums sein. Daraus geht schon hervor, daß die Vereinigung für das liberale Judentum und die Redaktion nicht die Verantwortung für alle Meinungen und Vorschläge übernehmen können, die in diesen Blättern geäußert werden. In der Regel vermeidet es die Redaktion, ihre abweichende Meinung besonders hervorzuheben und begnügt sich mit dem allgemeinen, jeder Nummer vorausgeschickten diesbezüglichen Hinweis. Gegenüber dem vorstehenden Artikel aber halten wir uns für verpflichtet, unsre prinzipiell abweichende Ansicht mit starkem Nachdruck hervorzuheben und in möglichster Rürze zu begründen. Ohne uns auf nebensächliches einzulassen, wollen wir auf den Rern der Frage eingehen. Herr Iustizrat Makower fragt: Ist es zweckmäßig, die Lhanukafeier auf den 2\. Rislew festzulegen? Was heißt denn aber zweckmäßig, vom Standpunkt des religiösen Judentums aus? Unzweifelhaft alles, was zur Selb st er Haltung des religiösen Judentums in unserer Zeit beiträgt. Je weniger das liberale Judentum etwas wissen will von nationaler, kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Absonderung, um so mehr muß es sich gegen jede religiöse Assimilation mit der leidenschaftlichen Rraft des Selbsterhaltungstriebes wehren. Nun meint Herr Iustizrat Makower, daß Weihnachten kein religiöses, sondern ein ursprünglich germanisches Volksfest sei. Aber was es ursprünglich' war, an solchen „bloßen Geschichtserinnerungen mögen Gelehrte Genugtuung empfinden." Heute ist Weihnachten in der Art seiner Feier und der Wucht seines Ginflusses geradezu das religiöse Fest des Christentums geworden, an welchem sein Wesen und sein Ursprung am charakteristischsten in Grscheinung tritt. Nur als religiöses Fest wird es in Rirchen und Schulen, in Familien und Vereinen gefeiert. Christliche Lieder und Erinnerungen klingen am Weihnachtsabend durch die Seele der Rleinen und Großen. Das erkennt Herr Iustizrat Makower selbst an. Aber er hält den Vorteil, dem Judentum eine religiöse Feier zu geben, für größer, als den Nachteil. Gr macht seinen Vorschlag, um dem Judentum den religiösen Lrtrag des Festes, das am 2% Dezember gefeiert wird, zuzuführen. Gr will Chanuka, das in vielen jüdischen Häusern nicht gefeiert wird, dadurch für diese Häuser retten oder in ihnen einführen, daß er es auf einen Tag verlegt wissen will, an dem diese Rreise bisher Weihnachten gefeiert haben. Gr redet also der Verlegung des Chanukafestes auf den 2% Dezember aus religiösen Motiven das Wort. Allein wir sagen darauf mit Nathan: „Wenn an das Gute, das ich zu tun vermeine, gar zu nah was gar zu Schlimmes grenzt, so tu' ich lieber das Güte nicht; w!eil wir das Schlimme zwar so ziemlich zuverlässig kennen, aber bei weitem nicht das Gute." Das Schlimme ist: die religiöse Assi milierung. Wenn der jüdische Ralen-