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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 24

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Frli-e Maksrver: Makkabäer fest o o (2. Mos. 20,1«, 23,12, 5. Mos. 5n) und am Fest der ungesäuerten Brote sich des Sauerteigs zu enthalten (2. Mos. s2ig), sondern auch den Versöhnungstag durch Kasteiung und Enthaltung von Arbeit mitzubegehen (3. Mos. s6,2g)! Nun hat allerdings jenes alte an die Sonnenwende anknüpfende Volksfest später sich mit christlichen Legenden verbunden. Jesu Geburt, die man im 3. und zum Teil noch im 4- Jahrhundert am 6. Januar gefeiert hatte, wurde seit dem 4- Jahrhundert allmählich auf den 25. Dezember verlegt und die Geburtsfeier so mit dem alten Volksfest verknüpft. Jene alten christlichen Geistlichen waren eben praktische Leute und sahen vor allem auf die Wirkung, die sie mit der Feier erreichen wollten. Und diese Wirkung erreichten sie besser, wenn sie etwaige gelehrte Bedenken über den genauen Tag der Geburt zurückschoben. Sollte es aus gleichem Grunde nicht wirksamer sein, auch den Makkabäersieg am Tage des allgenreinen Volksfestes, der gleichfalls ein „vierundzwanzigster" Monatstag ist, zu feiern, statt danrit an unbekannte Tage dem Monde nachzuwandern? „Das können wir nicht," erwidern die Vertreter der herrschenden Meinung, „das Weihnachtsfest so, wie es sich heute herausgebildet hat, ist ein christliches Fest; davon müssen wir die Juden fernhalten!" Ist es wirklich ein christliches Fest? Zahlreichen Weihnachtsfeiern in jüdischen Häusern hat Verfasser beigewohnt, ohne christliche Zutaten zu bemerken. Auch in einem Waisenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde bestand jahrelang eine Feier am 24. Dezember, ohne daß je irgendwelche praktische Schwierigkeiten hierbei erwachsen wären. Wenn manche meinen, eine Weihnachtsfeier ohne christlichen Beigeschmack sei unmöglich, so liegt dies wohl nur daran, daß die Betreffenden einer anderen als einer von Christen veranstalteten Weihnachtsfeier selten oder nie beigewohnt haben. Allerdings sagen die Christen in der Regel, Weihnächten sei ein christliches Fest. Sind denn aber wir Juden gezwungen, uns alle fälschen Behauptungen unserer Religionsgegner anzueignen? Die Wahrheit ist doch nur, daß Weihnachten ein altes vorchristliches Volksfest ist, das die Christen für ihre Zwecke mit ihren Legenden ausgeschmück't haben, Haben sie dadurch ein Monopol auf jenes Fest erworben? Warum sollen nun nicht auch die Inden kommen dürfen, dasselbe Volksfest zu feiern und an diese jüdischen Feiern jüdische Gedankengänge und Beziehungen anzuknüpfen? Nun besteht allerdings eine Schwierigkeit, bezüglich deren eine Verschiedenheit der Ansichten möglich ist: Feiern die Juden ihr Fest am gleichen Tag wie die Christen, so besteht die Gefahr, daß die strenge Fernhaltung christlicher Beimengungen von den jüdischen Festfeiern sich schwer allgemein durchführbar erweisen möchte. Die Frage spitzt sich dann darauf zu: Soll man gegenüber den sonstigen offenbaren vorteilen diese Gefahr in den Kauf nehmen und die Anstrengungen nur darauf richten, daß sie abgewendet wird, oder soll man, nur um dieser möglichen Gefahr zu entgehen, von vornherein jeden Kampf um eine eigene Festesfeier am einzigen hierfür aussichtsreichen Tage aufgeben und resigniert in eine neue Sackgasse gehen, aus der kein Weg in die Zukunft führt? Cs ist in einem besonderen Anwendungsfall die alte Frage, ob Kampf im offenen Felde oder Absonderung in einen Winkel .hinter hohe Mauern. Man fürchte sich nicht so sehr vor den heidnischen und den christlichen Weihnachtslegenden! Selbst wenn es nicht durchführbar sich zeigen sollte, sie in jedem Fall völlig fernzuhalten, werden sie in heutiger Zeit keinen Schaden mehr anrichten. Wie an den

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