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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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o o o o FeliL Makorvrr: Makkabäerfest 23 tertumsforfchung, sondern um Neuschaffung einer Einrichtung, die für Gegenwart und Zukunft brauchbar sein soll." Daß es sich in der Tat um eine Neuschöpfung handelt, kann nicht bestritten werden. Geschenke und Feiern, wie sie neuerdings für den 2% Kislew in Uebung kommen, waren vor noch nicht langer Zeit unbekannt. Die neue Feier ist lediglich eine Nachahmung des weihnachtsfestes und seiner Gebräuche. Nur weil man sich scheut, die Feier am 2% Dezember abzuhalten, sucht man die Anknüpfung an den 2% Kislew und macht aus dem 2H. Kislew etwas, was er früher nicht war. Unklug ist, für den Wettbewerb sich eine Gestaltung zu wählen und sich darauf festzulegen, bei der man von vornherein mit Sicherheit voraussehen kann, daß man bei diesem Wettbewerb auf die Dauer unterliegen m u ß. Das aber ist der Fall bei dem Wettbewerb zwischen 2% Kiste«? und 2% Dezember. Der 2H. Dezember ist ein fester Tag des gebräuchlichen Kalenders, und jedermann kennt ihn; der 2% Kislew schwankt innerhalb weiter Grenzen im gebräuchlichen Kalender herum, und auch unter Juden bleibt in weitesten Kreisen unbekannt, auf welchen Tag in dem betreffenden Jahr der 2^. Kislew trifft. Vervollkommnete wissenschaftliche Methoden sind stärker als Religionen und Völker; nicht die vollkommnere Methode stirbt, sondern die Gemeinschaft, die sich ihr dauernd verschließt. Der heidnische julianische Kalender Hat die Welt erobert, dem gregorianischen Haben trotz seiner römischkatholischen Herkunft, nach langem Zögern auch die protestantischen Völker sich unterworfen und werden schließlich auch die griechisch-katholischen sich unterwerfen müssen. Eine Festsetzung nach dem Mondkalender hat keine Hoffnung auf dauernden Bestand gegenüber einer damit in Wettbewerb tretenden Festsetzung nach dem Sonnenkalender. Der Abend des 2% Dezember steht am Beginn einer Reihe von staatlichen Feiertagen, der 2% Kislew dagegen ist in der Regel eingepreßt in die Arbeitszeit. Wie aber soll außerhalb der Internate oder besonderen Veranstaltungen zugunsten armer Kinder eine Feier in größerem Umfang zu stände kommen, wenn die Beteiligten nicht arbeitsfrei sind? Die Religion, will sie Einfluß gewinnen, muß zum Volksfest gehen und es mit ihrem Gehalt erfüllen; der umgekehrte weg, daß ein bereits vorhandenes Volksfest sich einer zu anderer Zeit abgehaltenen Religionsfeier angliedert, ist fast nie gegangen worden. Das alte Volksfest, das in der heutigen Weihnachtsfeier sich fortsetzt, knüpft seit ältester Zeit an die Stellung der Sonne und nicht an die des Mondes an. Wenn dann nach seiner kalendermäßigen Festlegung selbst die Tatsache, daß die Zeit der Wintersonnenwende in den Jahrhunderten schwankt, und z. B. jetzt mehrere Tage nach dem 2% Dezember fällt, das Volksfest nicht zum Wandern gebracht hat, so ist die Hoffnung, daß es nun gar dein Mond folgen werde, gewiß rächt zu hegen. Das Volksfest des 2% Dezember wird daher bestehen bleiben, selbst wenn eine jüdische Feier des 24. Kislew daneben tritt. Somit auch der Wettbewerb zwischen beiden Feiern. Nicht nur als Wettbewerb zwischen Thristen und Juden, sondern auch als Wettbewerb beider Feiern innerhalb der jüdischen Bevölkerurrg. Denn nur die Wiederherstellung des Ghetto würde hindern können, daß die Wellen des allgemeinen Volksfestes auch an die Kerzen des jüdischen Bevölkerungsteils schlagen, war es doch auch den unter Juden irr Palästina ansässigen Nichtjuden geboten, nicht rmr am allgemeinen (damals jüdischen) wochenfeierlag zu ruhen

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