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Liberales Judentum · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 16

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Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Are Gemeinde Nürnberg und über den Manager des Wahlkampfes auforthodox-zionistischer Seite entrüstet sind? Daß sie sehr bedauern, aus ihrer Ruhe aufgestört worden zu sein und nicht auf den wohlmeinenden Rat einzelner Landsleute gehört zu "haben, die von einer Beteiligung an der Wahl dringend abrieten! Muß man wirklich den Herren Zionisten die Frage vorlegen, was wohl in Krakau oder Lemberg, in Wilna oder Warschau geschehen würde, wenn deutsche liberale Juden eine orthodoxe Gemeindeleitung niederstimmen würden? Der Verfasser dieses Aufsatzes hat sich diese Frage von einem hiesigen Galizier beantworten lassen und die angenehme Aufklärung erhalten, daß man in einem solchen Falle sich nicht mit papierenen Maßregeln begnügen, sondern sich in viel drastischerer weise gegen solche Vergewaltigung wehren würde! Die Zionisten können auf ihr Werk..stolz sein. Sie haben — zur höheren Ehre ihrer Propaganda — wieder einmal der jüdischen Sache und dem jüdischen Namen in breitester Öffentlichkeit unermeßlichen Schaden zugefügt. Ihro politischen Geschäfte gehen ja um so besser, je schlechter es den europäischen Juden geht. Jede neue Not des Judentums bedeutet für sie eine Etappe auf dem Wege zur Erreichung ihrer letzten Ziele. Aber den deutschen Juden, soweit sie von zionistischem Parteifanatismus noch nicht ganz verblendet sind, werden vielleicht allmählich die Augen darüber aufgehen, wie freventlich der Zionismus immer wieder die jüdischen Interessen schädigt. Die Oemeinäe Nürnberg. ie Kültusgemeinde Nürnberg bietet mit ihren Institutionen das erfreuliche Bild einer von liberalem Geist erfüllten Religionsgemeinschaft. Da nach der mittelalterlichen Austreibung im Jahre ^99 erst seit 185\ wieder Juden sich in Nürnberg ansiedeln durften, ist sie eine der jüngsten jüdischen Gemeinden in Deutschland; eben darum konnte sie aber gleich von Anfang an ihren Einrichtungen einen neuzeitlichen Charakter geben und sie fortlaufend in modernem Sinne weiter ausbauen. Eine geistig bedeutsame Gemeindeverwaltung, die bald die Führung der Juden in Bauern überhaupt übernahm, und liberal gesinnte Rabbiner, die als Geistliche dorthin berufen wurden, setzten in ungetrübtem harmonischem Zusammenarbeiten ihre Kraft und ihren Stolz darein, alle Einrichtungen des Kultus und der Lsilfstäligkeit zu zeitgemäßen und möglichst mustergiltigen zu gestalten. Der Gottesdienst erhielt von vornherein in. der neuerbauten . Synagoge eine moderne Prägung. Dr. Levin, der erste Nürnberger Rabbiner, jetzt an der Reformgemeinde in Berlin, schuf das Gebetbuch in außerordentlich geschmackvoller Form, behutsam und glücklich das Alte mit dem Neuen verbindend. Lewanidowsky erhielt den Auftrag, die Gesänge für den Gottesdienst zu schreiben und löste ihn bekanntlich meisterhaft. Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit als notwendig herausstellten, wurden nicht unterdrückt, sondern fanden in der von Rabbiner Dr. Ziemlich veranstalteten zweiten Gebetbuchausgabe ihre Berücksichtigung. Unter dem jetzigen Rabbiner, Dr. Freudenthal, sind wiederum vielfache Einrichtungen zur Hebung und Fortentwicklung des Gottesdienstes getroffen worden. Im Anschluß an die hebräische Thoravorlesung wurde eine deutsche eingerichtet: deutsche Gemeindelieder vor der predigt und zum Schluß des Gottesdienstes, Ansprachen an die Barmizwahknaben, Überreichung von Bibeln an dieselben, Liturgie für die Soldatenvereinigungen, gleichmäßigere Gottesdienstzeiten und dergleichen mehr wurden eingeführt. Augenblicklich wird beabsichtigt, einen zweiten Freitagabend-Gottesdienst nach Geschäftsschluß einzurichten, sowie den bereits an den höchsten Festtagen infolge des Raummangels in der Synagoge

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