Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 6 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o c» Zur Abwehr! Erwiderung des Rechtsanwalts Ar. Saut 15 Herkunft aus dem Lande des fünften Armeekorps und gar aus — pinne anzuhängen, laßt ja auf gewisse freundliche Absichten des Verfassers schließen, muß aber gänzlich fehlschlagen. Derjenige, dem der feine Seitenhieb offenbar gilt, — der Verfasser dieser Zeilen — ist nicht in pinne geboren, sondern hat im schönen pommerlande das Licht der Welt erblickt. Auf besonderen Wunsch steht seine Geburtsurkunde dem Artikelschreiber der „jüdischen Rundschau" zur Verfügung. Uebrigens können wir Dr. Gustav Witkowsky über eins beruhigen: wer die Lhassidim noch nicht kennt, der kann seine Studien darüber in Duisburg mit weit besserem Erfolge machen als in pinne, wo es höchst wahrscheinlich nicht einen einzigen Lhassid gibt! Herr Dr. G. Witkowsky scheint sich einzubilden, daß in pinne sämtliche männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde im Kaftan, die weiblichen mit Scheitel herumlaufen, und daß in der Synagoge der guten Gemeinde zu pinne der offizielle Gottesdienst nach chassidäischem Ritus stattfindet! Er hat anscheinend nur eine ziemlich schemenhafte Vorstellung von jüdischem Leben und Wesen — in pinne und auch — anderswo! — Und nun zum Schluß noch eine köstliche probe zionistischer Wahrheitsliebe und Objektivität. Zn Nummer ^7/^8 der „Jüdischen Rundschau" wird abermals über Duisburg — nicht mehr so lang, aber darum nicht minder gepfeffert — gesprochen. Man druckt aus dem „Zewish Ehronicle" ohne ein Wort der Kritik, einen Bericht ab, wonach der Staatsanwalt dem „Führer der Liberalen" (?) einen „Brief" geschrieben und darin mitgeteilt habe, „daß sie keinen Schimmer von Recht hätten, ihre Glaubensgenossen eines solchen Verbrechens zu zeihen, und daß ein solches Vorgehen kein gutes Licht auf die Sache werfe, die sie vertreten, insbesondere, daß sie von den galizischen Juden, um sie zu diskreditieren, gesagt hätten, daß sie gegenüber den deutschen Juden „minderwertig" seien, und daß sie zur Sekte der Lhassidim gehörten." (!) Das ist von der ersten bis zur letzten Silbe ftei erfunden. Wer die deutschen Rechtseinrichtungen kennt, der weiß auch, daß unsere Staatsanwälte etwas anderes zu tun haben, als sich gegenüber denjenigen, die Anzeigen erstatten, als Erzieher und Moralprediger zu betätigen. Was hier dem Staatsanwalt in die Feder gedichtet ist, hätte er auch schon deswegen nicht schreiben können, weil in dem Protest von Minderwertigkeit der galizischen Zuden keine Rede ist. Es wird ja noch feftzustellen sein, von wem die unwahren Berichte aus Duisburg stammen, oder wer sie in solcher weise zu verdrehen weiß. Einstweilen, sei aber darauf hingewiesen, daß auch die Herren Zionisten die Ausländer abschütteln, wenn es ihnen paßt, d. h., wenn sie nicht mit ihnen stimmen. Zn Dessau haben die „Ausländer" dieses Verbrechen begangen, und die Folge ist, daß die Zionisten im Handumdrehen aus ihrer Minderheit von gegen 56 Stimmen eine Mehrheit machen, da (0 „Ausländer" für die Liberalen stimmten, und da „die Stimmen» der Gemeindebeamten nicht ins Gewicht fallen", (vgl. „Züd. Rundschau" Nr. ^8, S. 5(5.) Eine Rechentechnik mit doppeltem Boden: Zn Duisburg werden die Liberalen verhöhnt, weil sie wahrheitsgemäß geltend machen, sie würden,' wenn die galizischen Stimmen nicht abgegeben worden wären, die Mehrheit gehabt haben — und in Dessau tun die Zionisten genau dasselbe. 8i dno faciunt idem non est idem! Bedarf es noch der besonderen Versicherung, daß die Galizier in Duisburg selbst — und nicht etwa seit heute und gestern — keineswegs über die liberalen protestler, wohl aber über ihr „geistiges Oberhaupt"