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Liberales Judentum · 1914-01-01 · Heft 1 (Januar 1914) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 1 (Januar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 Zur Abwehr! Erwiderung des Rechtsanwalts Ar. Saul vor allem daran liegen, zu zeigen, daß die zu dem unlauteren Wahlmanöver mißbrauchten Personen gar kein Interesse an dem Ausfall der Wahl hatten, da sie am ganzen Gemeindeleben innerhalb der Kultusgemeinde sowie an deren Gemeindeeinrichtungen garnicht teilnehmen, vielmehr ihre eigenen religiösen und rituellen Einrichtungen haben. Das ergibt sich aus dem Zusammenhang sonnenklar, und kann einem aufmerksamen Leser nicht entgehen. Der Artikelschreiber der „Jüdischen Rundschau" macht dann den Unterzeichnern des Protestes einen Hauptvorwurf daraus, daß sie von einer „Sekte" sprechen und diese Sekte gar als ketzerisch bezeichnen. Da ist ihm nun ein kleines Mißgeschick widerfahren; denn beide Ausdrücke werden in Bezug auf die Thassidim von keinem Geringeren als Professor Graetz gebraucht. Graetz sagt in Band XI seiner „Geschichte der Juden" von den Lhassidäern u. a.: „Die neue Sekte, eine Tochter der Finsternis, ist im Dunkel geboren und wirkt auch heute noch auf dunklen wegen fort." (S. 9%) Kein Geringerer als der Gaon Rabbi Elia Wilna, die größte Leuchte innerhalb der polnischen und litauischen Iudenschaft im \8. Jahrhundert, bekämpfte den Lhassidismus mit fast fanatischem Ungestüm und schleuderte den Bannstrahl gegen seine Anhänger und nannte sie Ketzer (a. a. D. S. Ui). Das ist die Wahrheit über die Thassidim, richtiger: über den chassidäischen Ritus, von dem allein in der Eingabe die Rede ist. Und deswegen das Gezeter? Deswegen die parallele mit pranaitis und Sikorski und den anderen ritualmordwahnsinnigen „Gelehrten" und „Gutachtern?" wollen die Zionisten etwa auch Professor Graetz und Rabbi Elia Wilna Gaon mit pranaitis und Sikorski in Beziehung bringen? Darf man denn über die Thassidim die historische und religionswissenschaftlich begründete Wahrheit nicht mehr sagen? Sind wir in Deutschland schon so weit, daß liberale deutsche Juden (— auch Posen und Pinne liegen in Deutschland, verehrter Herr Dr. Witkowsky, und sie gehören schon seit \20 Jahren zu dem deutschen Staate Preußen! —) sich jeden Schimpf gefallen lassen müssen, daß aber Thassidim und überhaupt alles, was mit den Zionisten verbündet ist, unverletzlich, auch der sachlichsten Kritik entzogen ist? — Und hat Herr Dr. Witkowskv denn nicht wenigstens soviel wahrheits- und Gerechtigkeitssinn, um — zur Vermeidung von Mißverständnissen — ausdrücklich zu betonen, daß der Duisburger Wahlprotest etwa ein Jahr (!) vor dem Beginn der Verhandlungen im Beilisprozeß verfaßt worden ist, zu einer Zeit, als kein Mensch daran dachte, was die Herren Wipper, Sikorski und pranaitis im Beilisprozeß sagen würden?! Dr. Witkowsky spart in seinem Artikel mit Entrüstung nicht. Nun denn: nicht nur wir, die unmittelbar Betroffenen — nein, mit uns jeder anständige Jude, ja, jeder anständige Mensch kann nur Entrüstung empfinden gegenüber dem unwürdigen Beginnen, die Verfasser und Unterzeichner des Duisburger Wahlprotestes in einem Atem mit Wipper, pranaitis und Sikorski zu nennen, sie mit jenen Ritualmordpredigern in eine — sei es auch noch so lockere — geistige Beziehung zu bringen!. Dr. Witkowskv spricht von einem „Rechtsanwalt aus Pinne", der doch „wissen müsse, was Thassidim sind." Sollte man nicht von jemand, der lokale Verhältnisse behandeln will, verlangen können, daß er sie auch genau kennt? In Duisburg gibt es keinen Rechtsanwalt, der aus Pinne stammt. Der köstliche Versuch, dem Verfasser des Protestes die in den Augen mancher minder Urteilsfähiger einigermaßen fatale

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