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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 286

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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Rundschau: Bielefeld 286 düng mit dem liberalen Judentum betonte der nächste Diskussionsredner, Herr Professor Autnewsk? mit besonderem Nachdruck. — Herr Dt. T entl er begrüßte die Jugendorganisation, deren stille, rastlose Arbeit im Dienste einer Verjüngung des Judentums er rühmend anerkannte und der Förderung aller bewußten Juden lebhaft empfahl. — Nach einigen herzlichen Worten, die Herr valk an die liberale Jugend richtete, schilderte Herr Dr. Rieger ihre bisherige Tätigkeit. Gerade in Hamburg, der Geburtsstätte des liberalen Judentums, seien die Ideen des Liberalismus heimatberechtigt. — Jung und alt müsse aber zur Verteidigung des liberalen Judentums gegen alle reaktionären Versuche, vor allem im Lager des jüdischen Liberalismus selbst, bereit sein. — Nach einem kurzen Schlußwort des Herrn Direktor Gombrich schloß der Vorsitzende die Versammlung mit Dank an die Diskussionsredner und alle Erschienene. — Rundfdiau. Bielefeld. Am l9- Nov. fand hier eine Versammlung der Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum statt, die von 500 Personen besucht war. Der Redner des Abends war Herr Rabbiner Dr. Norden- Elberfeld, der folgendes ausführte: Seit Jahren und Jahrzehnten wird das Judentum in Deutschland von einem schweren Gegner bedrängt. Der Gegner ist nicht etwa das Christentum; die Zeit, wo man Christentum und moderne Weltanschauung einerseits, Judentum und überwundene Weltanschauung andererseits einander gleichstellte, ist endgültig vorüber, Taufen aus Ueberzeugung sind heutzutage nahezu ausgeschlossen. Unser Gegner ist vielmehr der Indifferentismus, die gefährliche Gleichgültigkeit großer Areise gegen alles, was mit Religion zusammenhängt. Den Juden, einst „das Volk der Religion" genannt, wird heute vielfach Religionslosigkeit vorgeworfen. Diese betrübende Erscheinung ist auf zwei Ursachen zurückzuführen : Zunächst ist da ein ungesunder Heißhunger nach Lebensgenuß, der uns Juden nach Jahrhunderte langer Anechtschaft ergriffen hat. Dazu kommt aber noch ein Zweites: Unsere religiösen Führer haben beim Eindringen der neuzeitlichen Aultur in ihre Reihen die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Sie wollten die Menge im mittelalterlichen Autoritätsglauben festhalten und brandmarkten alle diejenigen, die sich nicht bedingungslos unter das Joch des Religionsgesetzes beugen und die überlieferten Glaubensvorstellungen sich zu eigen machen wollten, als Abtrünnige und Religionsverächter. Die Folge war, daß viele, die freiheitlichen Anschauungen huldigten und deswegen zu Juden zweiten Grades gestempelt wurden, sich dem Glauben entfremdeten und gegen alle religiösen Interessen gleichgültig wurden. Hier ist der s)unkt, wo unsere religiösliberale Bewegung eingesetzt hat. Die Orthodoxie, die nach wie vor im Autoritätsglauben verharrt und sich dem Entwicklungsgedanken verschließt, ist außerstande, die abseits Stehenden für das Judentum zu erhalten und ihr religiöses Interesse neu zu beleben. Das ist vielmehr die Aufgabe der liberalen Richtung. Dieser ihrer Aufgabe aber kann sie nur gerecht werden, wenn der geeinten Orthodoxie ein ebenso geeinter Liberalismus entgegentritt. So lange nur die Orthodoxie geeint dastand, die liberalen Aräfte aber zersplittert waren, hat erstere ihre Macht dazu ausgenützt, die freie Aussprache über unsere brennendsten religiösen Fragen zu verhindern. In allen „neutralen" Vereinigungen, den Rabbinerverbänden, den Logen, den Literaturvereinen wurde die Erörterung religiöser Fragen grundsätzlich ausgeschlossen. Die Orthodoxie hat ferner als selbstverständlichen und unumstößlichen Grundsatz hingestellt, daß in allen Gemeinden, wie groß auch, immer der Prozentsatz der Nicht - Orthodoxen sein mag, sich die Gemeindeeinrichtungen (Gottesdienst, Ritus, Religionsunterricht) auf der orthodoxen Linie bewegen. Es war die höchste Zeit, daß die liberale Bewegung ejnsetzte, um solcher Vergewaltigung einen Damm entgegenzusetzen. Es gilt, dem Liberalismus die Gleichberechtigung mit der Orthodoxie zu erkämpfen und so alle Juden die der orthodoxen Richtung nicht huldigen, mit neuer Freude am Judentum zu erfüllen. Dem neu erstarkenden Liberalismus hat sich nun die „Freie jüdische Vereinigung"

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