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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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280 Nr. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Nichtlinien und MM Frieden gung der liberalen Juden Deutschlands noch als Judentum lebendig ist; 2. die Anerkennung, daß der liberale Jude auf Grund dieses noch in ihm lebendigen Judentums berechtigt ist, sich als Jude zu fühlen. Auch der orthodoxe Jude, wenn er nur dem liberalen Juden die Zugehörigkeit zum Judentum zugesteht, kann die Richtlinien als einfache Bestätigung von Tatsachen unterschreiben, ebenso gut, wie der liberale Jude dem Herrn Dr. wohlgemuth dessen Zugehörigkeit zur Orthodoxie bestätigen kann. Ja, selbst der „Separatist" kann die Richtlinien im Sinne von Nr. J, als Anerkennung der empirischen Tatsache, unterschreiben, nur im Sinn von Nr. 2 müßte er seine Unterschrift versagen. wenn man das ein „Prinzip" nennen will; in Gottes Namen; die „Richtlinien" verzichten auf die Lhre, Prinzipienreiterei zu treiben. Die Richtlinien sind mehr eine psychologische, als eine theologische Arbeit, nur konnte diese Arbeit, die ausschließlich theologisches und religiöses Rßaterial behandelt, nicht gut von andern, als von Rabbinern in die Hand genommen werden; im Anfang ist sie übrigens in der Tat von Laien in die Hand genommen worden. Die „Richtlinien" enthalten nichts Neues, sondern nur das, was seit Jahrzehnten als Anschauungen der liberalen Juden allgemein bekannt war, in eine gewisse kurze Form gebracht. Dieser Charakter der „Richtlinien" wird von Dr. Seligmann in seinem Generalreferat (S. 1,8, von wohlgemuth S. 4 zitiert) nachdrücklich hervorgehoben. Dr. Seligmann sagt: „Aber das Schisma ... so viel daran wahr ist, besteht es heute schon nach zwei Seiten. Die separatistische Orthodoxie erklärt sich heute schon und seit S. R. Hirsch als das katholische Judentum, und am liebsten wäre ihr die vollkommene Separation. Nach der anderen Seite besteht in der Tat eine unwesentliche dogmatische- Verschiedenheit und eine Verschiedenheit in der Lebensführung zwischen uns und der Orthodoxie. Diese Verschiedenheit hak aber nicht auf die Richtlinien gewartet, um zu existieren. Unsere Richtlinien sprechen nur das aus, was in Wirklichkeit ist. Sie schaffen nichts Neues. Ist das Aus sprechen der Wahrheit so gefährlich? wiegt das Aus sprechen der Tatsache schwereralsdieTatsacheselbst?" — Cs ist demnach einfach objektiv nicht wjahr, was Herr Dr. wohlgemuth S.- 6seiner Broschüre sagt: „Daß es sich hier um nicht mehr und nicht weniger handelt, alsum die j?roklamierung efnes völlig neuen Glaubens, daßhiernichtnur eine neue Sekte begründet wird, sondern daß eine Gruppe sich vom Judentum loslöst, die zu ihm in einen viel schärferen Gegensatz, tritt, als zu ihrer Zeit die Samaritaner, Judenchristen und die Karäc r." So viel Worte, so viel objektive Unwahrheit. Die Richtlinien haben gar nichts Neuesgeschaffen. Das liberale Judentum ist schon über ein Jahrhundert alt. Und nicht nur das liberale Judentum ist nichts Neues, sondern auch die Erklärung der Separatisten: Der Liberalismus sei keine Richtung im Judentums, sondern ein schärferer Gegensatz zu ihm als Samaritaner ic. ist so alt, wie der Separatismus und hat nicht auf die Richtlinien gewartet. Das ist. alles Scheinmanöver wenn man den Richtlinien die Bedeutung eines funkelnagelneuen Katechismus beizu-t legen sucht. Doppelt falsch ist es, wenn Herr Dr. wohlgemuth S. 6 sagt: „Des Ferneren ist nicht zu bezweifeln, daß dieStiftung, dieser neuen Religion mit der Aufstel-

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