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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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"278 Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Nichtlinien und?um Frieden gemcinschaft betrachtet werden, die nach Prinzipien ihr Leben regelt"! Er sagt nicht: „ist eine Religionsgemeinschaft, die nicht nach Prinzipien" ic. — damit wäre das liberale Judentum als eine Religionsgemeinschaft anerkannt! Das ist vermieden durch die Fassung: „nicht als eine Religionsgemeinschaft" ic. Rein, Herr Dr. Mohlgemuth ist Herr seines Ausdruckes, und er kennt den Unterschied zwischen „kein Prinzip das in der heiligen Schrift steht" und „keine Prinzipien". Dann weiß er keinen objektiven Unterschied zwischen „ewig Göttlichem" und „zeitlich Bedingten!" und meint, daß „die Herren selbst darauf Anspruch machen, zu entscheiden, was „ewig Göttliches ist" (S. HH). Mein Gott, der Unterschied ist doch jedem Rinde klar! „Ewig" heißt zu jeder Zeit, und „zeitlich bedingt" heißt, nur zu manchen Zeilen und unter gewissen Umständen. „Du sollst lieben deinen Nebenmenschen, wie dich fielbst", das ist ewig, das gilt i m m e r. „Am Sabbattage zwei fehlerlose einjährige Dämmer", das galt nur so lange der Tempel stand. Ist das „objektiv", oder „der Herren eigener Geist"? versteht Herr Dr. Mohlgemuth wirklich nicht, oder will er nicht verstehen? Mder ist es das Vorurteil, das ihn das Einfachste nicht verstehen läßt? — Mit solchen Begriffsverwechslungen und Verdunkelungen der einfachsten Dinge ist er endlich dahingekommen, uns seine „Prinzipien" zu spezialisieren: I. entweder Verwerfung des gesamten Religionsgesetzes, oder Annahme des ganzen Religionsgesetzes, H. entweder die liberalen Juden, oder die liberalen Rabbiner als entscheidende Instanz über das religiös Normative. Es ist unbegreiflich, wie ein Mann, wie Dr. Mohlgemuth mit so viel Behagen leeres Stroh dreschen kann! Zu I: wer soll „verwerfen" oder „annehmen"? Die Gemeinden? Die Rabbiner? Und wenn die einen „annehmen" und andere „verwerfen"? Mie kann man lnur solche Torheiten als „Prinzipien" zur Diskussion stellen? Zu II: Der zweite Fall, daß die Rabbiner über das Normative entscheiden, kann nur von weltfremden Theoretikern ins Auge gefaßt werden. Mas fragt die Tyrannei des Lebens nach der Entscheidung der Rabbiner? Das war der Traum der Reformer im vorigen Jahrhundert. Mir haben von der Geschichte gelernt, wir wollen ihre Erfahrungen beherzigen. Mir wollen keine „Reformer" sein, nicht „reformieren" wollen wir, nichts verändern, wir wollen nur das Bestehende zu erhalten suchen. Und so kommen wir Zur Wahrheit über die Nichtlinien. Hören wir, was Herr Dr. Mohlgemuth darüber sagt: „Es konnte festgestellt werden, was bei den liberalen Juden heutzutage an religiösen Bräuchen noch in Uebung ist, und das, was von der Majorität noch „gehalten" wird, als normativ bezeichnet werden. „Mas erloschen ist, lassen wir ruhen, was noch glimmt, bewahren wir und suchen wir neu zu beleben"." Mie das hier steht, hat es gar keinen Sinn für uns. „Mas von der Majorität „gehalten" wird," soll normativ sein: und wenn nun die „Minorität" sagt: In der Religion gibt es keine Majorisierung? Und dann: „gehalten" — ist Religion, ist Judentum ausschließlich ein „Halten"? Und wie erfährt man eventuell das Plebiszit der Majorität? Soll man die beliebten „Rundfragen" an alle Glaubensgenossen versenden und die Antworten verwerten? Mer soll die „Rundfragen" redigieren? Und wie sollen wir die 90a/o bewerten, die sicher nicht antworten werden? Ach, das ist alles so buchstabenmäßig, so zahlenmäßig, so buchreligiös, so

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