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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 276

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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276 Mr. Goldschrnidt: Zur Wahrheit «der die Nichtlinien und zum Frieden Theologie sich anschickt, die ganze Grundlage dieser religionsgeschichtlichen 'Auffassung, die Lvellhausensche Theorie, die sie ein Menschenalter beherrschte, zu stürzen, errichtet das liberale Judentum seinen stolzen Neubau auf diesem sinkenden Fundament." Ja, wirklich, eine „Ironie des Schicksals"! Um das beim Gegner zu konstatieren, muß man wenigstens 'seiner Logik sicher sein; sonst kann man „in die Grube fallen, die man dem Gegner gegraben. — Herr Dr. lvohlgemuth ist überhaupt in seiner Seligkeit, das liberale Judentum unter die Haube des Liberalen Christentums gebracht zu haben, noch einmal das Opfer einer schlimjmen Begriffsverwechslunng geworden. In der Ivellhausen'schen „Lntwicklungsgeschichte" spielt die geschichtliche . schass der „prophetischen Religion" eine große Rolle. Diese Phase entspricht ungefähr dem, was das liberale Lhristen 1 um als Quintessenz aller Religion betrachtet. Dieser Ausdruck: „prophetische Religion" kommt nun wB)er in den Richtlinien, noch im General- Referat des Herrn Dr. Seligmann vor. Herr Dr. lvohlgemuth zittert aber von S. 30— den Ausdruck „prophetische Religion" immer mjt Anführungszeichen nicht weniger als elfmal. Sollte er elfmal zitieren, was er gar nicht gelesen? Das traue ich ihm nicht zu. Er hat in der Tat etwas gelesen, ivas er mit der entwicklungsgeschichtlichen „prophetischen Religion" eben verwechselt hat. Ihm kann dabei nur die Stelle in Dr. Seligmanns Referat S. 26 vorgeschwebt haben, die er S. 44 zittert, und welche lautet: „U)ir machen nicht . . . einen Einschnitt zwischen Bibel und Talmud und erklären die Bibel für göttlich und den Talmud für menschlich, wohl aber ist uns insbesondere die prophetische Offenbarung der Bibel, eben weil in ihr das Religiös-Ethische, das Universalistische, das ewig 'Göttliche zu einem bisher unerreichten und nach unserer religiösen Ueberzeugung unerreichbaren klassischen Ausdruck gelangt, maßgebende religiöse Autorität." Diese „prophetische Offenbarung d e r .B i b e l" hat natürlich mit der entwicklungSgeschichtlichn Phase der „prophettschen Religion", die gerade Dr. Seligmann ausdrücklich ablehnt, gar nichts zu schaffen, aber für Herrn Dr. Lvohlgemuth genügte das, um die „prophetische Religion" elfmal mit Anführungszeichen dem liberalen Judentum in die Schuhe zu schieben. Das sollte eigentlich nicht Vorkommen. Aber . . . irren ist menschlich. U>as kann der Mensch für . . . Verwechslungen? — Nein, mit dem „liberalen Christentum" ist es nichts! Jeder Paragraph der „Richtlinien" ist ein Protest gegen das „liberale Christentum", das „liberale Judentum" will die Juden im Judentum erhalten, während das „liberale Christentum" die gefährlichste Verführung zur Taufe ift. Das „liberale Christentum" hat nur einen Konkurrenten, der noch eine größere verfühführung der Bekenner des Judentums zur Taufe entfaltet, und dieser Konkurrent — diese schwere Anklage sei hier offen ausgesprochen — ist kein anderer als.der Separatismus in unser er Orthodoxie. Unser Separatismus führt dieselbe Sprache, wie das liberale Christentum, um die Bekenner des Judentums zur Taufe zu verführen. Auch unsere Separatisten verkünden es mit Siegesfanfaren: Zwischen liberalen Christen und liberalen Juden ist gar kein Unterschied, also könnt Ihr,, liberalen Juden, Euch gleich taufen lassen! Das sagt genau so das liberale Christentum in seiner christlichen Missionstättgkeit. Die Vereinigung für das „liberale Judentum" erblickt ihre höchste Aufgabe grade in dem Nachweis und der Erhaltung des abgrundtiefen Unterschiedes zwischen dem „liberalen

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