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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 275

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
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Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über dir Richtlinien »nd zum Frieden 275 Mit der Kritikdes Eserrn Dr. wohlgemuth wollen wir uns ganz sachlich auseinandersetzen und das Subjektive ganz aus dem Spiel lassen. — Im Einzelnen hat Eierr Dr. Scligrnann mit Ejerrrt Dr. Wohlgemuth schon gründliche „Abrechnung" gehalten. Ich möchte mich darum, Ejerrrt Dr. wohlgemuth gegenüber, so verlockend es auch ist, und so viele Schwächen seine so böswillige Kritik der Richtlinien auch bietet, gar nicht auf Einzelheiten einlassen. Dieser weg wäre zu lang, und da für mich der Kampf rächt .Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck: die Herbeiführung einer verständigung ist, so gehe ich am liebsten den kürzesten weg. Rur in großen Zügen soll die Grundlosigkeit der Dr. wohlgemuth'scheu Kritik ^unserer Richtlinien dargelegt werden. Der schlimmste Stoß, den Herr Dr. Wohlgemuth den Richtlinien versetzen wollte, ist die An- .klagc: „Das liberale Judentum steht, was seine religiöse Cehren anbetrifft, dein liberalen Christentum näher, als dem geschichtlichen Judentum." ckserrn Dr. Wohlgemuth ist da eine böse v e r - Wechslung der Begriffe passiert; er verwechselt nämlich den Begriff der „Entwicklung" mit dem der „Eickwicklungsgeschichte". „Entwicklungsgeschichte" ist der technische Ausdruck für das Prinzip der Küenen — Wellhausen — Stade'schon Schule, auf welcher das „liberale Christentum" sich aufbaut. Diese Schule nimmt für Entstehung und Geschichte der Israelitischen Religion als notwendige Stadien aller Relilgionsbildung an: Stammes - Religion, National-Religion, prophetische Religion, Ge-< setzesreligion und Erlösungsreligion. von „Entwicklungsgeschichte" steht in den Richtlinien kein Wort, vielmehr steht nur in Abschnitt V: „Das liberale Judentum steht deshalb auf dem Standpunkt der Anerkennung einer „fortschreitenden Entwicklung". „Entlrpicklung" und „Entwicklungsgeschichte" sind ganz verschiedene Begriffe. Man kann der igrößte Gegner der „entwicklungsgeschichtliche n" Theorie und Schule sein, 'und doch eine „fortschreitende Entwicklung" anerkennen. Delitzsch und Gunkel und alle Vertreter des „panbabylonismus", der die Graf-Wellhausen'fche „Entwicklungsgeschichte", wie Herr Dr. wohlgemuth S. 31 sehr wohl weiß, ins Wanken gebracht hat, würden sich schönstens bedanken, wenn man ihnen die Rückständigkeit Zutrauen sollte, daß sie keine „E n tw i ck l u n g" anerkennen. wer diese beiden Begriffe nicht unterscheiden kann, der sollte überhaupt nicht mitsprechen. Auf dieser kaum glaublichen Verwechslung beruht es, wenn Herr Dr. wohlgemuth S. 28 sagt: „Dieser theoretische Teil belehrt uns in Nr. IV—VII über die Auffassung des liberalen Judentums von den Quellen der jüdischen Religion, von ihrer „entwicklungsgeschichtlichen" Entstehung." Die Anführungszeichen bei „entwicklungsgeschichtlichen" macht Herr Dr. Wohlgemuth. Als ich das las, faßte ich mich an den Kopf: sollte ich das unterschrieben haben? Steht das in den „Richtlinien"? Ich bin doch entschiedener 'Gegner der „entwicklungsg!eschichtlichen" Entstehung des Judentums! Endlich überzeugte ich mich, daß Herr Dr. wohlgemuth da etwas , in die Richtlinien hineingelesen hat, was nicht drin steht; daß er für „Entwicklung^ eben „Entwicklungsgeschichte" gelesen hat. Man genieße nun die ganze „Ironie des Schicksals" — der Ausdruck „Schicksal" befremdet im orthodoxen Munde! — die in folgenden Sätzen des Herrn Dr. wohlgemuth liegt (S. 31): „Nur kurz fei auf eine eigene Ironie des S chfi ck s a l s verwiesen. In dem Augenblicke, da die liberal-christlicho

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