Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 274

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3126481-3126558-3126570--1615-3128435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

274 Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Nichtlinien nnd Mm Frieden treffen. Gewiß! Aber diese „vermögensrechtlichen Maßregeln" sind doch in unserem Fall eine Gesetzesaufhebung. Mer da verbietet, den Zehnten den Leviten zu geben, hebt direkt das Gesetz auf, welches gebietet, den Zehnten dem Levi zu geben. Also hat Dr. Seligmanns Beurteilung die Tcnfachen für sich, während Ihre Beurteilung, Herr Oberlehrer, ganz genau wie beim Banne des Rabbenu Gerschom, die Tatsachen gegen sich hat. Natürlich nehmen Sie die günstige Gelegenheit wahr, der Reform noch schnell einen Fußtritt zu versetzen. „Da die Männer der großen Synode nun nicht ä la Reform die Geb etsformel zu ändern sich befugt hielten, so mußte das Gebet wegfallen" — sagen Sie, Herr Oberlehrer. Hier haben Sie aber wieder einen Schnitzer gemacht. Sie verwechseln Iochanan, den Hohenpriester, also wohl Johann Hyrkan, mit den Männern der großen Synode. Das Zehnt-Gebet haben nicht diese, sondern Iochanan der Hohepriester abgeschafft, wahrscheinlich ist Ihnen die Freude über den der Reform versetzten Fußtritt zu Kopfe gestiegen. Dabei hat in diesem Falle die Reform wirklich nicht Ihren Fußtritt verdient. Hier handelt es sich, wie Seligmann ausdrücklich hervorhebt, um ein von der Thora wörtlich vorgeschriebenes Gebet. Tin solches Gebet ist nur noch das Schema Iisroel. wo hat aber die Reform das Schema-Gebet je geändert? Hier haben Sie wieder eine falsche Anklage erhoben! Zugleich haben Sie aber einen Grundsatz ausgesprochen, der die äußerste Reforni des Gebetes gutheißt. Sie sagen: „Dadurch war aber die biblische Formel des Dankgebetesnichtmehr buchstäblich wahr ... so mußte das Gebetweg fallen." wir danken Ihnen, Herr Oberlehrer, im Namen der Reform, daß auch Sie es gutheißen, daß alle Gebete, die nicht mehr buchstäblich wahr sind, fallen müssen, weil geboten ist: „von einem Worte der Lüge halte dich fern". wir werden uns auf Herrn Oberlehrer Dr. Tarlebach berufen, wenn wir aus dem Gebetbuch alles das beseitigen werden, was nicht mehr „buchstäblich w a h r" ist. Hier haben Sie wider willen das höchste Reformprinzix sanktioniert. „Der böse Engel hat gegen seinen willen „Amen" gesagt", rnalach ra beal Korcho jaaue ornou.*) Herr Ar.Mrchlgemuttl und dir „Nichtlinien". Keneged arboo bonim dibro thoro eehod chochom weeehod roscho. „Viererlei Kritiker des religiösen Standpunktes gibt es: der eine ist ein Weiser, ein chochom, der andere ist ein böswilliger, ein rosebo" rc. — Dem chochom soll man mit Ernst und würde, auf seine Fragen eingehend, antworten, - dem ro8cbo soll man „die Zähne stumpf machen" (hakhe esz sehinow) Tine traurige Arbeit! Nicht nur für den Vater seinem Rinde gegenüber, sondern auch für den Bruder, der die Devise hat: „Meine Brüder suche ich". Aber was will man machen? Der König Salomo sagt zwar einmal: „Antworte dem Toren nicht nach seiner Torheit, sonst wirft du ihm gleichgestellt"; gleich darauf aber sagt er: „Antworte dem Toren nach seiner Torheit, sonst dünkt er sich weise in seinen Augen!" (Sprüche 26, 4 und 5.) Die Kritik des Herrn Dr. wohlgemuth an den Richtlinien ist zwar nicht ganz frei von Rifchus. Tr ist aber ein „Chochom“, ein „Fachmann". Tr hat jedenfalls durch seine Stellung als Lehrer des Rabbiner-Seminars den Beruf zum Kritiker. *) Sinnt. In einem demnächst erscheinenden Separatabdruck der Artikelserie: „Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum Frieden" wird die Unwissenschaftlich keit und Unhaltbarkeit der Carlebachschen Angriffe eingehender als in dieser Zeitschrift möglich ist, im Einz elnen nach gewiesen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.