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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 271

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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Ar. Gsldschrnidt: Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum Frieden 271 gepreßt wird. Nicht zwar die besondere Dialektik jener Geschichtsphilosophie, wohl aber das Grundmotiv der absoluten Stetigkeit der geschichtlichen Entwicklung haben die Schüler von dem Lehrer übernommen. „So mußte auch .. zu Tage treten .. :.., daß der Weg, den die einzigartig dastehende Entwicklung der Religion Israels zurückgelegt hat, trotz aller scheinbaren Umwege und Zickzackzüge doch im letzten Grunde folgerichtig, notwendig2"), weise und sieghaft in die Höhe führt und . . . den Ausblick auf die Vol- Unbung21) in dem Evangelium Jesu Lhristi eröffnet", heißt es bei Budde.-) Noch deutlicher tritt der von uns kritisierte Leitgedanke jener Geschichtsmythologie an einer zweiten Stelle derselben, Vorrede zu Tage: „Die Hauptsache war und blieb nur der große Zusammenhang, die Darlegung der Stetigkeit und Folgerichtigkeit des 20) Von mir gesperrt. 21) Von mir gesperrt. Fortschrittes in Gottes Offenbarung."^) Solche Aussprüche zeigen uns, wie die besprochene Auffassung vom Gang der Geschichte in den Dienst der Vorstufenanschauung getreten ist und diese auf eine theoretische Basis gestellt hat; wie sie gleichzeitig aber auch deren metaphysische Herkunft und wissenschaftliche Unbrauchbarkeit ins Helle Licht rückt. So erhebt Hermann Tohen mit vollem Recht die Anklage: „Das eben ist das gemeinsame Vorurteil, welches alle Kreise der christlichen Bildung verbindet: daß sie nicht darüber hinwegkommen können, das Judentum für ein Rudiment des Atavismus zu halten. So bleibt für diese theologische Geschichtsansicht das Judentum nichts anderes, als eine Vorstufe des Christentums.^) 22/23) In der Vorrede der ersten Auflage feiner „Religion des Volkes Israel bis zur Verbannung" 1900. 24) „Religion und Sittlichkeit" 1907. Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum frieden. üon Dr. J. Goldkhmidt-Offenbach a. M. „Wissenschaft" des Herrn Oberlehrer Ar. Carlebach. IV. In der Einleitung seines Artikels erläutert Herr Oberlehrer Dr. Larlebach seine Theorie der „Zuverlässigkeit": „was heißt Zuverlässigkeit jn einer wissenschaftlichen Kritik? Kann denn der Mensch aus seiner Haut heraus? Kann der Denker die Schranken seines Ich je verleugnen und ihre Spur aus seinem Schaffen entfernen? Längst sind wir über den Irrtum einer voraussetzungslosen Wissenschaft heraus (hinaus!); ebenso zeigt die Geschichte fast aller Wissenschaften, daß ihre größten Meister bewußt und unbewußt für große Tendenzen und Ziele gearbeitet haben, die sie immerfort (?) (äcblutz.) zu Einseitigkeiten (!) und Trugschlüssen (!) verleiteten. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen wahrer und falscher Wissenschaft. Denn diese gliedert sich in zweierlei: \. in die Aufführung und Beschreibung von Tatsachen, 2. in ihre Beurteilung, in die Schlußfolgerung, die man daraus zieht". Der Anspruch der „Zuverlässigkeit" kann also bei der „Beurteilung" der Tatsachen nicht erhoben werden. Alle „Beurteilung" ist subjektiv, relativ; in der Beurteilung der Tatsachen darf niemand dem andern den Vorwurf der „Unzuverlässigkeit" machen, darin muß jeder der abweichenden Ansicht dieselbe Berechtigung zugestehen, wie der eigenen. Angesichts der, jed er Gerechtigkeit spottenden, Polemik des Herrn Ober-

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