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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 269

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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Eugen Lewin: Nie Neligion Israels im Lichte der Christologie 269 genen Gnadengabe auf ihn geweissagt."") Er selber also, der Gott Christus, der die Welt ins Dasein gerufen hat,") ist es, der fich durch die Propheten ankündigt, wenn Moses — „ein anderer Prophet"") — ein Land voll Milch und Honig verheißt, so ist diese Verheißung als ein „Gleichnis für den Herrn"") zu verstehen. Aber nicht nur die Weissagungen der Propheten, sondern der Rultus und das ganze Gesetz des Judentums vor allem soll mit der Beziehung auf den Messias parabolisch gedeutet werden. / So nahm Ab'raham die Beschneidung an seinem Sohne „im geistigen Vorausblick auf Jesus" vor, und in der Opferung Isaaks wird das Schicksal des Christus vorgebildet.14) Hier haben wir nun den Hauptbegriff des Barnabasbriefes, während in den Weissagungen der Propheten sinnbildlich aus den Christus hingewiesen wird, enthüllen sich die heiligen Handlungen, von denen im alten Testament berichtet wird — die Beschneidung, die Opferung Isaaks — und die gesamten Rultvorschriften des mosaischen Gesetzes der tieferen Erkenntnis des Christentums als Typus für Jesus. Heinrich Veil, der Uebersetzer des Briefes in der von Hennecke veranstalteten Ausgabe der neutestamentlichen Apokryphen übersetzt diesen Ausdruck zutreffend mit: vorgebildet sein. So ist Christus in den Speisoverboten vorgebildet; er ist vorgebildet in den Riten des Versöhnungstages. Typus bedeutet sonach die geheimnisvoll verhüllte Offenbarung Christi im alten Testament. Der Fluch, der auf dem Judentum lastet, das sich nicht zu Christus bekehrt hat, sondern nach wie vor am 'Gesetze festhält, besteht nun eben darin, daß lc) Patrum Apostolicorum opera, Lipsiae 1906 <editio minor). Zur obigen Übersetzung siehe: Neutestamentliche Apokryphen (Hennecke) 1904. ") V, 10. ") VI, 8. 1S) YI, 10. ") VII, 3. sich ihm dies Geheimnis nicht enthüllt hat. Das Gesetz steht in der innersten Beziehung zu Christus. Er selbst ist — Ln gewissem Sinne — das Gesetz. Ls genügt nicht, zu sagen, daß das Gesetz die Form ist, in der er sich offenbart hat, bevor er sich in einen Menschen verwandelte. Vielmehr ist das Gesetz, d. i. das Judentum seine vormenschliche Gestalt, an der die Züge der menschlichen Gestalt organisch vorgebildet sind, wie an dem Fötus die Formen des zum Licht geborenen Rindes. Das Judentum ist demnach die Verkleidung Christi; es ist eine Metamorphose Christi, die seiner Menschwerdung vorhergeht und auf sie hinweist. Diesen Sinn glauben wir dem Begriffe des Typus geben zu müssen. Diese ganze vorstellungsweise gehört aber dem Reich des Mythos an, sowie auch Christus selbst in allem die Züge einer mythischen Gestalt ttägt. Als eine Methamorxhose dieser Gotthett stellt sich ihr die Religion Israels dar. Der echte Begriff der Geschichte in dem Sinne, wie ihn die wissenschaftliche Erkenntnis bestimmt, setzt sich zu dieser mythologischen Metaphysik in Gegensatz. Damit der Gedanke überhaupt möglich werde, daß in der Erscheinung Christi die im Judentum begonnene, auf ihn angelegte Offenbarung sich vollende, und also sich 'selbst in dieser Erscheinung, als ihrem höchsten Ziele aufhebe, muß Christus als vollendet, als absolut, als übermenschlich und den Gesetzen der Zeitlichkeit entzogen, kurz als Gott selbst erfaßt werden. Bereits der Apostel Paulus hat m. E. von Anfang an den Christus nicht anders verstanden. Hiernach ist dieser Christus eine Gestalt des Mythos und ein Gedanke der Methaphysik. Die Objekte der Wissenschaft der Geschichte aber sind zeitlich bedingte und begrenzte, also unvollkommene Erscheinungen, Venen als solchen nicht die Fähigkeit zukommt, sich 'in irgend einer geschichtlichen Entwicklung zu verwirklichen

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