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Liberales Judentum · 1913-12-01 · Heft 12 (Dezember 1913) · p. Seite 267

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 12 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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Eugen Fervin: Die Ueligion Israels im Fichte der ChriKologir 267 das Thema, das das gesamte Thristentum bis auf den heutigen Tag seiner Auffassung von der israelitischen Religion zu Grunde legt. Bis zu dem Zeitpunkte, da die wissenschaftliche Forschung des liberalen Protestantismus auf den plan tritt, handelt es sich dabei nicht um den geschichtlichen Jesus, sondern um den mythischen Thristus. Und in der Rkesfianität dieses Thristus begründete die ältere Dogmatik des Thristentums, auch diejenige des orthodoxen Protestantismus, die Abhängigkeit des alten Testamentes vom neuen und damit die innere Einheit beider. Die Thristologie also ist es, die diese Konstruktion ermöglicht. U)enn wir oben sagten, daß bereits die neutestamentlichen Schriftsteller, denen die späteren Dogmatiker des Thristentums hierin folgten, das Judentum als die Porstufe zum Thristentum, zu Thristus auffaßten, so ist, wie sich im folgenden zeigen wird, damit noch nicht das wesentliche dieser Dogmatik zur Bestimmung gebracht. Es ist sicher lehrreich und nicht bedeutungslos, der Spur nachzugehen, welche zu dem Ursprung der Vorstellung von dem Judentum als Vorstufe führt. In jener Dogmatik ist nun vor allem der Gedanke der „Erfüllung", dessen mythischer Urgrund noch durchschimmert, vollkommen ungeschichtlich und vom Standpunkte wissenschaftlicher Erkenntnis aus unhaltbar. Er besagt, daß die Zeiten der Vergangenheit durch das Erscheinen Lhristi abgeschlossen und vollendet sind. Die Vergangenheit ist in Thristus ganz und gar enthalten, von ihm völlig absorbiert; sie hat sich in einem mythologisch-metaphysischen Prozesse bis zu 'ihm hin entwickelt und da, wo er wirklich wurde, ist sie selbst ganz und gar in ihn eingegangen und daher selber nicht mehr wirklich. Sie hat sich völlig in ihn.verwandelt. Thristus ist hiernach eine göttliche Idee, ein göttlicher Heilsplan, und die Offenbarungen, die dem vorchristlichen Judentum zu Teil geworden find, sind Stufen der Verwirklichung dieses planes. Dadurch, daß das Judentum als die dem göttlichen willen gemäße Verwirklichung des Thristus aufgefaßt wird, ist es für diese Betrachtung zu einem hypostasierten Begriff geworden. So wird für Paulus das Judentum durch das Gesetz repräsentiert, diesen „Erzieher auf Thristus hin", dessen ganze Verwerflichkeit eben darin besteht, daß es noch nach dem Erscheinen Thristi aufrecht erhalten wird, während es doch nur in der vorchristlichen Weltepoche, als Vorbereitung dieses Erscheinens seine Berechtigung hatte und nun dadurch hinfällig und gegenstandslos geworden ist. Der oben erwähnte Brief des Barnabas, der zeit- und gegendenweise zu den kanonischen Büchern des neuen Testamentes gerechnet wurde, begründet jene von Paulus geforderte Beseitigung des Gesetzes gerade in dessen allegorischer Beziehung auf den/Thristus. Ls ist also das hypostasierte Judentum nichts anderes als eine Abfolge von Offenbarungen, in denen sich Thristus symbolisiert. Die Realität des Judentums besteht für diese Dogmatik lediglich in der Realität Thristi, außerhalb welcher das Judentum nichts ist. Die Vergangenheit, d. i. das Judentum wurde' in dasjenige, was sich aus ihm entfaltete und worauf es a priori angelegt war, d. i. Thristus der Messias, aufgehoben. Dessen Wirklichkeit bedeutete die Vernichtung derjenigen Wirklichkeit, aus der er hervorging. Der alte Bund ist, wie der Titel des Hengstenbergischen Buches besagt, nichts als die Bewegung auf Thristus hin; in dem Augenblick, da Thristus selbst in die Welt tritt, ist jene Bewegung in ihm zu Ende gekommen und als solche nicht mehr vorhanden. Dies ist der geradlinige weg der göttlichen Vorsehung, wie ihn die christliche Dogmatik konstruiert hat. Um alles andere, als um eine geschichtliche Erkenntnis handelt es sich

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