Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Jugendbewegung 261 ratisten; das „jüdische Herz" bewährt sich bei diesen auch dem Tiere gegenüber: aber gegen den liberalen Juden gibt es bei unseren Separatisten keine Menschlichkeit. Einem liberalen Rabbiner die Ehre abschneiden; ihn des Liebäugelns mit dem (Lhristentum und aller möglichen religiösen Todsünden verdächtigen; ihn bei der Regierung als Revolutionär denunzieren; ihn lächerlich machen, ihn durch Verärgerung seiner Berufs- und Lebensfreudigkeit berauben, — das ist für unsere Separatisten die größte Mizwo, das größte Verdienst; dafür erwartet er vom lieben Gott die reichste Belohnung im Diesseits und einen Ehrenplatz im Jenseits. Sagt doch Herr Oberlehrer Dr. Larlebach selbst zu seiner. Entschuldigung : „Diese Nachsichtigkeit und Friedensliebe ist zu allen Zeiten das Rennzeichen der nicht von Gott gesandten, der falschen Propheten gewesen . . . Wer im Namen Gottes auftritt war immer unnachgiebig in seiner Forderung ... Wer die hohe Verantwortung vor Gott und Israel im Herzen trägt, der muß in den Forderunge,x der Religion ohne Ronzi lianz, ohne Entgegenkommen sein. Gott sei es gedankt, daß wir noch Rabbiner haben ... die keine Rücksicht und keine Menschenfurcht besticht, an deren Feuer wir uns wärmen, vor deren Roh len wir uns hüten müssen." Das ist die Sprache eines Großinquisitors, wie Seligmann es mit Recht bezeichnet. Das ist die unglaubliche Gesinnung, die unsere Separatisten hegen und züchten. Das ist die Gesinnung, aus welcher heraus Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach seine aller Gerechtigkeit, aller Liebe, Hohn sprechende Polemik gegen Dr. Seligmann führt, die Gesinnung, aus welcher heraus der „Israelit" solchem Pamphlet seine Spalten so bereitwillig öffnet. Unsere nichtseparatistische "Orthodoxie hat, ich weiß es, diese Artikel mit Unbehagen gelesen; aber die Pfuirufe der Bessergesinnten, die in dem liberalen Juden noch immer den Menschen geachtet wissen wollen, sollten doch mehr an die Öffentlichkeit treten, damit die separatistischen j)amphletisten sich keiner Täuschung darüber hingeben, wie die nicht fanatische Orthodoxie, die, Gott sei dank, in Deutschland noch ''die überwältigende Mehrheit ausmacht, über ein Judentum denkt, das dem liberalen Juden alle Menschenrechte abspricht. Ein Verdienst muß man den Artikeln des Herrn Oberlehrer Dr. Tarlebach zuerkennen: sie sind als Symptom gar nicht hoch genug einzuschätzen. Man erfährt doch aus ihnen, welche Gesinnung gegen den liberalen Glaubensbruder der Separatismus für verdienstvoll hält. Sie geben uns ein klares Bild von dieser Rrankheit, und sie zeigen, welche sittlich-religiöse Entartung in einem Teile unserer Glaubensbrüder überwunden werden muß. Das ist eine der großen Aufgaben des Judentums der Gegenwart, deren klare Erkenntnis wir keinem mehr als unserem Herrn Oberlehrer Dr. (Larlebach verdanken. (Schluß folgt.) Aus der Jugendbewegung. Ein Kurzer Einblick in eine Kpezialarbeit des jüdisch-liberalen Ingendvereins Posen. wenn man die jüdischliberale Jugend aus dem ziemlich stark vorherrschenden Indifferentismus herausreißen und für die Interessen des allgenreinen Judentums gewinnen will, ist es in erster Reihe erforder- .lich, ihr klar zu nrachen, in welchem Maße die Iudenfrage zu einer F»«ge der Allgemeinheit geworden ist, und welch' eine wichtige Rolle die Lösung des Iudenproblems innerhalb des ganze,: kapitalistischen Weltsystems, innerhalb der Rulturentwicklung der