Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 258 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Ar. GoLdschmrdt: Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum Frieden 0 or n o koscher und trepha kennt, Ausdrücke, die jedem christlichen Dienstmädchen im jüdischen Hause bekannt sind! was würde der Herr Oberlehrer sagen, wenn ich nach seinem Vorbilde den geschmacklosen Witz mir leistete: Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach übersetzt: nekibath haleb der V erstand hat ein Loch. . . . wie? heißt denn leb Verstand und nicht Herz? Und wenn ich mich weiter stellte, als ob ich die „poetische" Licenz nicht merkte, die man sich da genommen und daran etwa eine Tirade knüpfte: wie? Und ein Mensch, der nicht einmal weiß, daß leb Herz heißt, der nicht einmal das jüdische lew kennt, der wagt es, einen Rabbiner abzukanzeln? — Nicht wahr, Herr Oberlehrer, das wäre ein zu billiger Witz! Aber wehe dem Dr. Seliginann, wenn er sich diesen Witz erlaubt hätte! Herr Oberlehrer Dr. (Larlebach holt zu einem Meisterstoß aus, der seinen Gegner ganz vernichten, kampfunfähig machen soll. Tr gibt seinem Stoß selbst die beste Note. „Jedenfalls hat Herr Dr. Seligmann den Nachweis erbracht, daß er noch nicht einmal pirke Aboth — pertfum der Hten Klaffe der Neligionsschule — versteht." (Nr. 22, S. % Sp. 3.) womit hat Dr. Seligmann diesen Nachweis erbracht? Tr hat dem Dr.'wohlgemuth, der einen die Richtlinien-Rabbiner „h i n w e g f e g e n d e n Sturm" heraufbeschwören wollte, zugerufen: „Ist das nicht die Sprache eines Tapistrano, eines Großinquisistors, dem nur 'die Macht fehlt, zu verbrennen? In welche schauerliche Tiefen eines wilden Fanatismus, eines szinath chinom, eines grundlosen Hasses, Durch den Jerusalem einst unterfing, läßt uns diese Verirrung blicken! — Das sind die Schriftgelehrten, von denen es heißt: „Ihr Biß ist der Biß des Schakals, ihr.Stich der Stich des Skorpions, ihr Zischen das Zischen einer Schlange und ihre Worte sind glühende Kohlen." Das sind dieselben, die einen Rabbi Tlieser in Bann getan . . ." Dazu bemerkt Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach, nachdenl er uns nüt der Ankündigung eines Zukunftswerkes erfreut hat: „Heute spreche ich Ihnen, Herr Dr. Seligmann, mein herzlichstes Beileid aus zu all den Leiden und Drangsalen^ denen Sie durch die bösen Orthodoxen ausgesetzt sind. „Ich nehme meine Seele in meine Hände, und biete meinen Rücken den Schläger: preis," so sprechen Sie S. 88 in bewunderswertem Martyrium, vor dem mein Mund in Thrfurcht verstummt, was sind die Leiden eines Rabbi Akiba gegen den Anblick, wie blau sein (sic?) geichlagener Rücken angelaufen ist. Aber etwas anderes, rein Literarisches möchte ich fragen: Herr Dr. wohlgemuth gehört zu den Schriftgelehrten, von denen es heißt: „Ihr Biß ist der Biß des Schakals" (NB. schuäv ist im Talmudischen stets ein Fuchs gewesen, jvgl. Levi-Dalmanj aber Schakal macht sich besser). Gibt es denn überhaupt andere Schriftgelehrte? In den Sprüchen der Väter, sagt Rabbi Tlieser (ben Horkynas), der spätere. „Gebannte" von den Weisen: — (NB. „Schriftgelehrten" macht sich wiederum besser, da, das neue Testament gegen Pharisäer und Schriftgelehrte Stimmung gemacht hat). „Ts sei dir die Thre des Kollegen so lieb, wie die eigene. Wärme dich an dem Feuer der weisen, aber nimm dich mit ihren Kohlen in aM, du möchtest dich verbrennen, denn ihr Biß ist der des Fuchses usw. und alle ihre Worte sind wie Feuerkohlen." Was meinte Rabbi Tlieser?" — Ja, was meinte er? Jeder Unbefangene liest in diesen Worten eine Klage — nicht Anklage — des „Gebannten" gegen die Bannschleuderer.Man kann es den Orthodoxen nachfühlen, daß sie diesen Worten des Rabbi Tlieser gegen Bannschleuderer gern eineg anderen Sinn unterlegen möchten, selbst wenn der untergelegte Sinn das Gegenteil von dem sagt, was der natürliche Sinn ist. Jeder macht gern aus der Not eine Tugend. Darum