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Liberales Judentum · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 257 (sequence 17)
Language
German
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Nr. Goldschmidt: Zur Wahrheit «der die Nichtlinien nnd znm Frieden 257 für das Austrittsgesetz f87schon, daß ihm ±>,r. Hirsch erklärt habe, er fühle fich Konfessionell getrennt von denjenigen, die den Rest der Gemeinschaft bilden. Und da stürztet Ihr Luch auf die Richtlinien mit einem gierigen Heißhunger. Mit einem Dank an Gott, daß er euch diese, dem Schisma günstige Zeit erleben ließ, habt Ihr Luch auf die unschuldigen „Richtlinien" geworfen; mit dem Siegesruf: niblaeni kisoheol ckajim „wir wollen, wie Scheol, sie lebendig verschlingen" (Hrov. 12) habt Ihr Luch auf die Unterzeichner der Richtlinien gestürzt und diese mit Lueren „Erklärungen" zu erdrosseln gesucht, als ob nie in der Thora stünde: Io thaane bereacho ed schoker, du sollst kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten ablegen! Io tliizsna eth achiclia, du sollst deinen Bruder nicht hassen! weahabta lereacha kamocha, du sollst lieben deinen Nebenmenschen, wie dich selbst! als ob nie ein Hillel gelehrt hätte: hewe mitalmidow schel Aharon, oheb schalom werodef schalom, oheb eth habrijoth, sei von den Schülern Ahrons, ein Freund des Friedens, ein Förderer des Friedens, ein Freund der Menschen! als ob nie unser Lehrer A loses beim goldenen Ualbe das große Beispiel gegeben hätte: weatto im tiszo chatathom we'fm ajin mecheni. Nun, Gott: entweder du verzeihst ihre Sünde, oder du löschest auch mich aus! — nein, mit verblendetem Haß habt Ihr die Liberalen aus dem Judentum hinaus zu „erklären" versucht. — Und wenn dann der Führer der Angegriffenen, die Ihr eine Gefahr für das Judentum zu nennen. Luch nicht entblödet, Luch erwidert: „Das lege Zeugnis ab von einer Gesinnung, die vor keiner Unwahrheit ad majorem dei gloriam zurückschreckt", da soll ihm „die Feder zittern"? — Man meint, Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach sei — die Unschuld vom Lande! — Dabei hat der Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach den Mut, den Harmlosen zu spielen und zu sagen: „Fragt man nach den psychologischen Gründen dieser unsachlichen gereizten Rampfesweise" — er meint nicht die der Orthodoxen, sondern die. des Herrn Dr. Seligmann! Ist das nicht unglaublich? Diese meisterhaft gespielte Naivität? Dr. Seligmann ruft aus: „Wir kämpfen für unser Leben!" Der Herr Oberlehrer bemerkt hierzu: „Das ist wahr. Die Reform kämpft nebbich für ihr Leben." Herr Oberlehrer, Ihnen fehlt das Gefühl für das, was Sie tun. Das ist nicht eine Verspottung des Dr. Seligmann, das ist eine Verspottung des Wortes „nebbich"! Wissen Sie, Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach, nicht, daß!das Wort „nebbich" der einzige adäquate Ausdruck des jüdischen Herzens ist? Hat der ein „jüdisches Herz", der mit dem Worte „nebbich" seinen Spott treibt? Nebbich ... 0 du Allerheiligstes im Tempel des' jüdischen Jargons! Du bist die sprachliche Frucht der mittelalterlichen Leiden und Verfolgungen des Judentums! wenn das jüdische Herz unter den tausend Zuckungen der eigenen Schmerzen doch noch Mitgefühl hat beim Anblick fremder Leiden, dann spricht es tränenden Auges nur das eine Wort „nebbich", und der Anschluß vom jüdischen Herzen zur jüdischen Hand ist damit hergestellt. Du heiligstes Wort der heiligen jüdischen Herzenssprache: Du bist entweiht! Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach hat seinen Spott mit dir getrieben! — Dieser Spott mit dem Worte: „nebbich" ist die Linleitung zu der breiten Behaglichkeit, mit welcher Dr. Tarlebach die scherzhafte Verbindung zweier getrennter Zitate ernst nimmt, um sich durch seine muntere Rritik als lamdan aufzuspielen, wie viel Wissensdemut verrät die Bemühung, dem Herrn Dr. Seligmann nachzuweisen, daß er nicht die Grundbegriffe issur und hetter.

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