Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Nichttinien und zum Frieden Hoffmann und Gberrabbiner Dr. Feilchenfeld, als er ^20 (?) Rabbinern den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit ad majorem dei gloriam entgegenschleuderte." Die Empörung steht Ihnen wirklich schön, Herr Oberlehrer. Aber, aber . . . hat den \20 (?) Rabbinern, darunter Rektor Dr. Hoffmann und der verstorbene Dr. Feilchenfeld, „die Feder gezittert", als sie niederschrieben, „der Religionsunterricht der 65 Rabbiner, die die Richtlinien unterschrieben haben, bedeute eine Gefahr für die jüdische Jugend"? Ja, glauben Sie denn wirklich, wir liberale Rabbiner ließen uns so etwas ruhig gefallen? Der Terrorismus der fanatischen Orthodoxie hat wahrlich lange genug den zehnfach Überlegenen Liberalismus tyrannisiert. warum dem Dr. Seligmann die Feder nicht zittert? — Ich will keinen Namen nennen. Aber ich will Ihnen eine Geschichte erzählen. Vor etwa 2% Jahrzehnten habe ich mich als Reformer um das Erfurter Rabbinat beworben, nicht auf Grund meiner orthodoxen dattoros, ich hatte solche von andern Autoritäten, aber ich machte aus jenen kein Hehl. Da hat einer der Rabbonim, von dem ich dattoro in der. Hand hatte, an den Erfurter Vorstand die Erklärung abgegeben: Er habe mir nie eine hattoro, auch „kein einer hattorö ähnliches Schriftstück" gegeben. Als meine Kandidatur dadurch endgültig abgetan war, erklärte er: er habe es vergessen gehabt. Ein witziger Kopf in seiner Gemeinde hat ihm darauf eine. . . Kopiermaschine zum präsent gemacht, Hat diesem orthodoxen Rabbi auch die Feder gezittert, als er ein, wie ich öffentlich nachgewiesen habe: bewußtes falsches Zeugnis gegen mich niederschrieb? Fragen Sie Ihren Vater, Herr Oberlehrer Dr. Earlebach, er wird Ihnen die Namen nennen, und dann werden Sie auch verstehen, warum ich das hier vorbringe. Nicht wahr, Herr Oberlehrer, das ist „kein Kampf gegen die Person" ad majorem dei gloriam? Ich habe dem Manne längst verziehen, in 2 Jahrzehnten wächst über alles Gras, wie lange noch, und es wächst auch über uns, über unfern Gräbern Gras. Aber die bombastische Phrase von der „zitternden Feder" wird es entschuldigen, wenn in mir „die 'Toten erwachen". Die Feder, die sich verteidigt, zu der der Angegriffene in der Notwehr greift, sie braucht nicht zu zittern. Aber die Feder, die zum giftigen Angriff ihre Tinte verspritzt, sie mußte zittern. Ihr stellt Euch so, als hätten die „Richtlinien" Euch angegriffen. Die Tatsachen strafen Euch Lügen. In den Richtlinien ist weder ein Name, noch eine fremde Meinung genannt, ja die „Richtlinien" sind nicht einmal ein p r o - gram m, noch weniger ein Glaubensbekenntnis. Die Richtlinien sind nichts weiter als eine Erklärung der Rabbiner, welche Mitglieder der Vereinigung fürs „Liberale Judentum" sind. Diese Richtlinien durfte der strengste Orthodoxe unterschreiben, wenn er nur nicht in die Parteiparole der „Trennung von Tisch und Bett" zwischen Liberalen und Orthodoxen einstimmt. Die „Richtlinien" sind nicht ein Grund zum „Schisma", sondern ein Vorwand, ein Vorwand für Euren Millen zum Schisma, für Eure Sehnsucht nach d e m Schisma, auf welches Ihr schon seit Jahrzehnten . ganz offen hinarbeitet. Seit Jahrzehnten verkündet Ihr jedem, der es hören will, und der es nicht hören will: Orthodoxie und Liberalismus im Judentum seien nicht Richtungen eines Bekenntnisses, sonder zwei Bekenntnisse. Das ist Euer Jahrzehnte altes Partei-Schibboleth. Der Abgeordnete Lasker erklärte in seiner berühmten Rede