Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Ar. Goldschmidt: Zur Wahrheit über die Richtlinien und zum Frieden 0 0 0 O nach der Umwertung der Worte und Begriffe durch die bedeutsame Tat der Richtlinien die beiden Kategorien zu unterscheiden sind." Das ist wirklich „ulkig"! Die Neugierde des Herrn Oberlehrer Dr. Tarlebach ist leicht zu befriedigen. Chachamim heißt: „Weise"; talmiäs chachamlm heißt: „Schüler der weisen." Dr. Seligmann „wagte" es, seinen Kollegen diesen Ausdruck der Bescheidenheit zu „bietenr" wenn auch im talmudischen Schrifttum diese beiden Ausdrücke als gleichbedeutend gebraucht werden, so kann doch keinem verwehrt werden, die beiden Ausdrücke in ihrer ursprünglichen 'Bedeutung zu gebrauchen. Außerdem aber sind sie gar nicht gleichbedeutend, wenn auch Lev>', aram. Wörterbuch, das etwa sagen sollte, was der Herr Oberlehrer aus ihm herausgelesen hat. Levy ist Allah und Oberlehrer Tarlebach ist sein Prophet — aber was er von chochom und talmlä chochom behauptet, stimmt nicht, stimmt ebensowenig wie das was er von Soxhos und Philosophos sagt. Ja, wenn der Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach nicht verraten hätte, daß ihm das, was jede Geschichte der Philosophie schon auf der ersten Seite über den Unterschied zwischen dem griechischen „Sophos" und „philosophos" sagt: „weise sei kein Mensch, sondern nur Gott", weshalb sich Socrates nicht „Soxhos", sondern „philosoxhos" nennt, nicht bekannt ist, dann könnte man ja vor seiner lexikalischen Gelehrsamkeit zu kapitulieren geneigt sein. Aber so wenig man von Gott sagen kann, er ist ein „philosophos", d. h. ein nach Weisheit Strebender, so wenig kann man, trotz Levy und Oberlehrer Tarlebach, sagen: Gott ist ein talmlä chochom. Umgekehrt kann man von jemand, der mit so viel Schnitzern und Oberflächlichkeit sich ohne Not in eine Debatte eindrängt, wie Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach, wohl noch sagen, er sei ein talmlä chochom; kann man aber auch sagen: er sei ein chochom? Herr Dr. Wohlgemut scheint mit seiner zögernd erteilten Erlaubnis ihn nicht dafür zu halten. Ja, unsere alten weisen waren wirklich chachomim! Sie sagen: „Sieben Eigenschaften hat der Golem, der Einfältige, und sieben der Chocliom, der weise: der Chocliom spricht nicht da, wo ein Größerer als er in Weisheit ist, er fällt dem andern nicht in die Rede, er übereilt sich nicht in der Erwiderung, er fragt sachgemäß und antwortet nach anerkanntem Gesetz; er hält Ordnung in seiner Rede; zuerst das Erste und .dann das Letzte; von dem, was er nicht gelernt hat, sagt er: ich habe -es nicht gelernt; und: er beugt sich der w.a h rheit. Das Gegenteil gilt vom Golem. (Pirke aboth 5, JO). Der Golem ist das Gegenteil vom chochom, nicht von talmlä chochom. Sehen Sie, Herr Oberlehrer, daß es gar nicht so „ulkig" ist, was der Herr Dr. Seligmann „seinen Kollegen bieten darf." Die „Ulkigkeit" — sit venia verbo — ist wirklich auf Ihrer Seite. Der Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach scheint seinen Beruf verfehlt zu haben. Er hätte nicht Oberlehrer, sondern p ab st rverden müssen. Er ist von seiner. Unfehlbarkeit so überzeugt, daß er jede abweichende Meinung für Torheit hält und mit Spott überhäuft. So hat er's beim Oberem äl rabbenn Gerschom gemacht, so hier bei hllchatha kebathrai, bei chacham und talmlä chacham und bei sophos und püilosöphos. Abgesehen davon, daß er keine Ahnung davon zu haben scheint, wie kleinlich es ist, wenn man wegen solcher Kleinigkeiten andere lächerlich machen zu können glaubt, so ist es überhaupt eine merkwürdige Manier, sich über jede abweichende Meinung lustig zu machen. So lustig ist es doch gar nicht, zu sehen, daß Irren menschlich ist. Den aufgeblasenen Narren darf man verspotten, dem