Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Gsldschrnidt: Zur Wahrheit über die Nichtlinien und zum Frieden 253 lich: „Schon .zur Zeit Mendelssohns, als er sein Jerusalem schrieb, und als unter seiner Aegide die Fr ei schule hier inBerlin-gegründet wurde, hätte man" usw. Von dieser „Freischule" und der damit verbundenen „Druckerei" sagt Grätz: „Der dadurch genährte Geist war Anfangs ein Geist der Verneinung, der seichten Aufklärung. Sein Ziel war, alles aus dem jüdischen Leben und der jüdischen Sitte zu beseitigen, .... was sich nicht dem nüchternen Menschenverstände auf den ersten Blick empfahl, alles auszumerzen, was an das Nationale, an die großen Tatsachen der Vergangenheit erinnerte" usw. (Bd. XI, 162). Gegen diese seichte Aufklärungssucht hätte man „Richtlinien" aufstellen sollen. — was ist bei solcher Klarheit des Sinnes zu machen? wie kann man da Gelegenheit nehmen, mit Entrüstung Mendelssohn und Wessely gegen die Zumutung: „Richtlinien" aufzustellen, in Schutz zu nehmen? Indem man den odiösen Satz: „als unter seiner Aegide die Freischule hier in Berlin gegründet wurde", einfach ausläßt und mit vornehmer Attitüde durch Punkte ersetzt — und nachdem diese Schwierigkeit beseitigt ist, bedarf es nur einiger Pilpulistik und gut gespielter Pose, um den wunderschönen Refrain an den- Mann -zu bringen: „Ich frage aber um alles in der Welt, woher sein Recht auf solche Oberflächlichkeit?" Auf dieses schwere Stück Arbeit tut sich der Herr Oberlehrer Dr. Tarlebach in der „Iüd. Presse", Nr. 28 ds. Is., S. 280, Spalte' 1, etwas besonderes zu Gute. Er hat recht. Es war wirklich eine . . . ungewöhnliche Leistung! Und nun kommt eine Anklage gegen Unbekannt. „Man hört von den Kanzeln — fährt Dr. Tarlebach fort — das Wort verkündigen: die weisen des Talmud hätten mit dem Ausspruch a8Z6 schabbatcha chol weal tiztorecb labberioth (mache deinen Sabbath zum Werktag und brauche keinen Menschen) selbst zugegeben, daß die Sabbathgesetze den wirtschaftlichen Notwendigkeiten geopfert werden müßten" „ . . . woher has Recht auf Oberflächlichkeit?" — Beruhigen Sie sich, Herr Dr., wir Richtlinien- Unterschreiber wissen auch, daß damit nur ein Dispens von „Fleisch, wein und Fisch" für die Sabbath-Mahlzeiten gemeint ist. Aber selbst unter dieser Einschränkung ist es doch auch eine Rücksicht auf „die wirtschaftliche Notwendigkeit." Also: wozu der Lärm, Herr Oberlehrer? Aber — Sie wollen dieses Delikt des Unbekannt dem Dr. Seligmann in die Schuhe schieben. In der Anmerkung sagen Sie: „Von gleicher Gründlichkeit zeugt die Berufung auf den Satz: „halocho kebassroi“, die Späteren, nicht die Größeren sind es, nach denen man sich richtet." (Seligmann S. 20). Sie sagen, der Sinn ist: „nach den Späteren, weil sie die Größeren waren, richtet man sich." Verzeihen Sie, Sie verstoßen gegen den Talmud: im horischoninikemalochim;c. wenn die Früheren Engel waren, sind wir Menschen; waren aber die Früheren Menschen, dann sind wiv E s e l" (Sabbath (\2a). Ihre Hypothese von der „steigenden Entwicklung" ist ja eine reizende Konzession an die „Richtlinien", aber Ihr „peschat" ist ein „pschetel", das Sie dann selbst wieder einschränken müssen. Und in Ihrem prlxulistischen Siegesbewußtsein schwillt Ihnen wieder der Kamm: „was Herr Seligmann seinen Kollegen bieten darf, das zeigt in höchst „ulkiger" weise die Bemerkung (S. (9): „wir sind keine Obaebarnirn, sondern nur Talmide Chachamim. Da zwischen beiden Bezeichnungen gar kein Unterschied besteht, so wenig wie zwischen dein griechischen Sophos und Philosophos (vgl. Levy Aram. wörterb. z. St.) wären wir neugierig, wie