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Liberales Judentum · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 249

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
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Ar. Gsldrrmnn: Taufzudrntum und Antisemitismus 249 mud in15 lateinische zu übersetzen und daraus die Messianität Jesu zu beweisen, letzteres in mehr oder weniger gehässiger Form zu tun, war ein zu jener Zeit weitverbreiteter Sport; besonders in Spanien liebte man es mit gehörigen Seitenhieben auf die Juden aus allerlei kabbalistischen Schriften die Wahrheit dieser wie aller anderen Dogmen der christlichen Kirche darzutun. In jenem Lande soll sogar zu diesem Zwecke um 1500 geradezu ein „Verein getaufter Juden" bestanden haben, unter dessen zwölf Mitgliedern ein gewisser Vidal de Saragossa de Aragon und einer der vielen Davila besonders genannt werden. Diese Vereinigung löste ihre Aufgabe in einer geradezu genialen Weise. Sie ging nämlich von der feststehenden Richtigkeit ihrer Behauptungen aus, zu denen dann Beweise gesucht werden mußten, und wo diese fehlten, fälschte man sie einfach. Man hielt sich nicht mit Kleinigkeiten auf, sondern fabrizierte gleich ganze Bücher oder wenigstens deren Titel, und so gibt es aus jener Zeit eine ganze Menge von Büchern, die nie geschrieben worden sind, von denen weiter nichts existiert wie der Titel und ein paargefälschte Zitate! Für die Renegatenmoral eine sehr belehrende Tatsache. Anton Margolita, der Sohn des Rabbi Jakob aus Margola, haben wir bereits kennen gelernt. Sein Buch: „Der g a n tz jüdische Glaub" rückt das verletzende und gehässige Moment weit mehr in den Vordergrund als den Wunsch nach Bekehrung. Mit besonderer „Liebe" wendet sich der Täufling den jüdischen 'Gebräuchen zu, die er mit Hohn und Schmutz bewirft, um! die Juden von ihrer Verkehrtheit zu überzeugen und sie dadurch zum Abfall zu bringen, von seinen besonderen Beschuldigungen sowie von der Tatsache, daß er Luther gegen die Juden aufhetzte, ist bereits die Rede gewesen. Mer sei noch angeführt, daß er an der Iudenfeindlichkeit der jungen evangelischen Kirche mit die Hauptschuld trägt, und wenn der sächsische Kurfürst Johann Friederich, der hessische Philipp und der Brandenburger Joachim II. gegen die Juden so sehr eingenommen waren, so ist er die Ursache. von den judenfeindlichen Büchern des Trust Friedrich Heß, des Christian Gerson, des Friedrich Samuel B r e n tz e n, die alle auch Bekehrungsabsichten offenbaren, ist des öfteren gesprochen worden. In den romanischen Ländern wirkte sehr verhetzend und verderblich die f683 zu Madrid erschienene Schrift: v i a della fede m o st rata agli Tbrei confutati (Derek emuna). Verfasser war der antisemitische Prosel^t Julius Morosini, Lektor der hebräischen Sprache zu Rom. Tr war Angestellter des collegium de Propaganda fide, jener rö- - mischen Bekehrungsanstalt, deren tüchtigste und energischste Mitarbeiter stets Taufjuden waren. Italien hat übrigens überhaupt auf diesem Gebiete hervorragend viel geleistet. Der Renegat Paolo Sebastians Medici wollte eine Anklageschrift gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen unter dem Titel: „R i t e n und Bräuche der I u - d e n" veröffentlichen. Um ihr den Boden zu ebnen, wanderte er durch ganz Italien und hielt giftige Reden gegen die Juden. Die römische Gemeinde protestierte zwar im Jahre 16H7, und der Druck des Buches wurde vorläufig verhindert. Trschienen ist es aber doch später (1736), und es hat noch Unheil genug gestiftet. Am empfindlichsten hat in neuerer Zeit seinen früheren Brüdern durch seine Schriften empfindliche Schläge zu versetzen gewußt Don Juan Joseph Heydeck, der sich 1807 in die französische Iudenemanzipation mischte und sie indirekt durch seine Veröffentlichungen zu verzögern und mit reaktionären

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