Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3126481-3126558-3126569--1587-3128406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Pr. Goldman«: TaufZudrntum und Antisrwitrsmus 247 Lügen" an roher Gehässigkeit alles Erdenkbare. Aber wenn auch er behauptet, daß die Juden Christen morden, daß sie Eide brechen, daß sie ungestraft stehlen dürfen, daß sie die Brunnen vergiften und das Blut von Lhristenkindern in ihrem Ritus benutzen, so ist das nicht seine Anschauung, sondern Geist vom Geiste des Täuflings Anton Margolita, dem er alle diese Dinge getreulich nachspricht. In der hier gegebenen Aufzählung soll eine strenge Unterscheidung zwischen juden feindlichen Schriften und solchen mit bekehrender Tendenz nicht gemacht werden. Es wäre dies auch unmöglich. Iudenfeindliche Bücher haben fast stets die Absicht, die Juden zum christlichen Glauben hinüberzuziehen, und Bekehrungsschriften fehlt niemals — mögen sie auch in einem noch so sehr von Salbung und Milde und Demut triefenden Traktätchenstil abgefaßt sein — die Absicht, die Juden zu beleidigen und zu kränken. Im folgenden ist es nun nicht etwa möglich gewesen, jedes Traktätchen eines judentaufenden Missionars — zu diesem etwas anrüchigen auch von einsichtigen Christen verurteilten Geschäfte geben sich bekanntlich fast nur getaufte Juden her — aufzuführen, sondern es sind nur bekanntere Schriften genannt, die einerseits eine gewisse historische Bedeutung haben, bei denen andererseits das Moment des Judenhasses überwiegt. Hierhin gehört zunächst jener bereits öfters genannte Abner von Burgos (\270—(345), dessen Leben — er war ein jüdischer Arzt, der seinen Glauben verloren hatte — geradezu typisch ist für das eines gewissenlosen Strebers. Ohne christgläubig zu werden, ließ er sich kaufen, und die Jagd nach'der fetten Pfründe hatte insofern Erfolg, als er eine Stelle als Sakristan einer Rirche zuValladolid ergatterte. Er, wie so viele andere vor und nach ihm, fühlte sich veranlaßt, seinen Uebertritt irgendwie zu motivieren, und sein Trick besitzt jedenfalls den Vorzug einer gewissen Originalität. Er behauptete nämlich, ihm sei in den Sternen durch 'das Fatum vorgeschrieben und verkündet, sich taufen zu lassen, und diesem Wunsche des Schicksals habe er sich natürlich fügen müssen. Seine dem ^Judentum höchst gefährlichen Ansichten legte er in verschiedenen Schriften nieder, die das Judentum in sehr gehässiger Weise angriffen, das Christentum dagegen in Schutz nahmen und verherrlichten. Auch durch feine Bücher wurde der Lrzjudenfeind Paulus Burgensis (Paulus a Santa Maria) den Juden ein Gegner. Seine Wut richtete sich vornehmlich gegen die Bibelkommentare der jüdischen Exegeten, die selbst von einsichtigen Christen wie Nikolaus de Lyra empfohlen und mehr oder minder heimlich ausgebeutet wurden. Vornehmlich in seinem Hauptwerke „Addition es" (Zusätze zu Nikolaus de Lyra's „Postille", (429), aber auch in seinem „Sorutinium Sorixturarum" hat er — nach christlicher Aussage „ohne genügend Sprachkenntnis" — die jüdische Bibelauslegung mit Schmutz beworfen und sie etwa als den lasterhaften Ausfluß teils verbrecherischer, teils verblödeter Hirne hinzustellen versucht, wohingegen er jede noch so unsinnige Auslegung des Schriftwortes, das von katholischer Seite kam, für der Weisheit letzten Schluß hielt und pries. Das zweite der genannten Werke trieft zwar stellenweise von süßlichen, salbungsvollen 2lnerkennungen einzelner Juden, besonders des Maimonides, aber seinen giftigen, haßerfüllten Grundcharakter und den Wunsch, die Juden lächerlich zu machen, kann es nicht verleugnen. Im Anfänge des fünfzehnten Jahrhunderts betrieben Taufjuden den Sport, durch Gedichte ihre ehemaligen Glaubensgenossen zu verspotten, wie überhaupt der