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Liberales Judentum · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 246

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Ar. Goldmann: Taufjudrntum und Antisemitismus 1^53, auch eine Hostienschändung den Juden zum Vorwurf gemacht. Der damals entstandene Fanatismus wandte sich vornehmlich gegen einen reichen Juden namens 7X1 e y e r, von dem bas Gerücht ausging, er habe von Bauern eine Hostie gekauft, sie durchstochen und geschändet, so daß Blut floß. In dem anschließenden Prozeß, bei welchem Tapistrano den Angeklagten natürlich gehörig foltern ließ, sagte jene getaufte Jüdin, um die Anklage zu bekräftigen, aus, die Breslauer Juden hätten sich schon früher einmal eine Hostie verschafft und sie verbrannt. Diese hätte dabei so erstaunliche 'Wunder gezeigt, daß davon eine alte Jüdin gläubig (d. h. christgläubig) geworden und alsbald von den erzürnten Juden erschlagen worden sei. Ueber die geradezu furchtbaren Folgen dieser Lüge ist schon die Rede gewesen. Wenn G r ä tz sagt, daß „die geistlichen Lehrer sich in Kannibalen verwandelten," so hat er Recht; man darf aber nicht vergessen, daß eine getaufte Jüdin die Leidenschaften in ihnen erweckt hatte. Der berühmte deutsche Prediger und Volksschriftsteller, der Franziskaner Johannes Pauli, der von \%55 bis etwa 1(530 lebte und vor seiner Taufe pfeddersheimer hieß, ist in der Geschichte als heftiger und gehässiger Judenfeind bekannt, für den seine früheren Brüder einfach „Hunde" waren. In seinem Buche „Schimpf und Lrnft", einer volkstümlichen Sammlung von allerlei ernsten und heiteren Geschichten, erzählt er in aller Ausführlichkeit und in deutlicher Absicht sämtliche Fälle angeblicher Hostienschändung auf, die er auftreiben konnte, und mit großer Genugtuung berichtet er von der Strafe, die der König von Frankreich 'den Juden angedeihen ließ, indem er die Schuldigen' tötete, die anderen vertrieb. Durch den großen Linfluß und die Verbreitung von Paulis Buch ist die törichte Anklage in weiteste Kreise getragen worde,i und hat Verachtung, Haß und Feindseligkeit gegen die Juden erweckt. Von Pfefferkorn ist bereits im vorigen Kapitel niitgeteilt worden, wie er besonders in der Schrift: „Line mitleidige Klage über alle Klagen" sich auch die Hostienbeschuldigung nicht entgehen ließ, um dem Judentum einen Schaden zuzufügen. Taufjudrn als Verfasser von Judenfeind - lichrn und Krkrhrungsfchriften! Was Täuflinge gegen das Judentum geschrieben haben, sei es in direkt judenfeindlicher, verhetzender Art, sei es in missionierender Tätigkeit durch Verherrlichung der neuen Religion auf Kosten der alten, ist deshalb so schlimm und verderblich, weil bis auf unsere Tage jeder Jude in den Augen der christlichen Welt von der Glorie des jüdischen Gelehrten umstrahlt ist, und weil darum alle rein christlichen Judenfeinde die pseudowissenschaftlichen Schriften der Renegaten für reine und lautere Wahrheit ansehen. Den unermeßlichen Schaden, den diese unbedingte Autorität der Täuflinge anrichtet, beweisen viele Hunderte von Beispielen. Hier seien zwei angesehene Thristen angeführt, die ihren Judenhaß aus den Anschauungen der Täuflinge schöpften. Der bekannte Dr. IohannLck schrieb im Jahre l^5l ein Buch, das die Widerlegung einer judenfreundlichen Schrift darstellt und die Juden nicht nur roh beschimpft, sondern ihnen auch den Ritualmord u. a. m. vorwirft. Bezeichnend aber ist, daß er unter seinen genau angeführten Quellen fast nur getaufte Juden zitiert. Nicht, weil er keine anderen (Quellen hat, sondern weil er sie für besonders beweiskräftig hält. Sein Antipode L u t h e r, der sich in seinem Alter von den Wegen seiner Jugend abgekehrt hatte, und judenfeindliche Schriften verfaßte, übertraf in seinem: „Von den Juden und ihren

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