Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 11 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Goldmann: Taufjudentum und Antisemitismus 245 Reine Gemeinschaft kann dauernd von der Negation und dem bloßen Kampf leben. Die Negation kann die Seele nicht sättigen. Die ewige Fechterstellung ist nicht die natürliche Haltung. Die Jugend mag sich des Kampfes freuen um des Kampfes wegen und im Heute das ganze Lieben finden, der gereifte Mensch verlangt nach einem positiven Lebensinhalt, nach dauernden werten, nach Trust, Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Das Judentum wird nur leben von dem Twigen in ihm und wenn es krank ist, nur an ihm gesunden. Alles Tun und Reden aber, das das Lwige verneint, ist eitel Schein, macht das Leben zum quälenden Widerspruch und gibt keinen Frieden. lautjuderitum und flnfifemitismus! Von Dr. felix Goldmann. Taufjudrn erheben die Anklage der Hostienschändung! Anschließend an die Blutlüge sei einer Beschuldigung gedacht, die nur in den verwirrten Köpfen des schwülen und mystischen Mittelalters entstehen konnte, daß nämlich Juden sich geweihte Hostien verschafften und diese solange quälten und marterte::, bis Blut her-' a u s f l o ß l Tine wahnwitzigere Anklage, deren Unsinn klarer zu Tage getreten wäre, war garnicht zu erdenken, und selbst päxste haben sich ebenso wie gegen die Blutlüge ganz affen gegen die Hostienb eschüldigung gewandt, wenn Benedikt XII. im Jahre lääS dem Herzog von Ve st erreich gegenüber es offen aussprach, daß die ganze Hostienbeschuldigung einfach von Priestern durch heimliches Hinwerfen blutbefleckter Hostien in die Nähe von Judenwohnungen inszeniert werde, um Verfolgungen und anschließende Beraubungen zu erzielen, so ist er nicht weit von der Wahrheit abgeirrt. Tatsache ist auch, daß diese widernatürliche Beschuldigung im Laufe der Zeiten einfach verschwunden ist. Auch hier haben selbstverständlich getaufte Juden eine nicht gerade rühmenswerte Rolle gespielt, paulus a Santa Maria, der schlimmste Täufling aller Zeiten und Länder, von dem später ausführlicher (Fortsetzung.) die Rede sein wird, hat dieses Märchen skrupellos für seine politischen Zwecke ausgenützt. Tr haßte den Leibarzt des verstorbenen Königs Don Heinrich III., seinen ehemaligen Freund, den Juden Meir Alguadez und wenn er auch nicht der Urheber der Beschuldigung war, so wirkte er gern und freudig mit, als etwa 1^07 die gänzlich erfundene Anklage erhoben wurde, die Juden zu Segovia hätten sich eine Hostie verschafft, um sie zu schänden, und daraufhin mehrere Juden, unter ihnen auch M e i r verhaftet und gefoltert wurden. Der unglückselige jüdische Arzt, um dessentwillen der Täufling die Hostienbeschuldigung aufgegriffen und begünstigt hatte, wurde in grausamster Art hingerichtet, paulus hatte seinen Hauptzweck erreicht, der. politische Gegner war vernichtet! Daß er daneben einer ganzen Anzahl seiner früheren Glaubensgenossen den Tod oder unsagbares Tlend gebracht, kommt bei der ungeheuren Einzahl von Juden, die er auf dem Gewissen hat, kaum in Betracht, und daß er die niedrigsten Instinkte des pöbels gegen das Judentum aufgehetzt hatte, machte seinem ausgeprägten Renegatencharakter nur Freude. Jene getaufte Frau zu Breslau, von der wir bei der Blutlüge so Trauriges hörten, hat bei derselben Gelegenheit, bei der Anwesenheit Taxistr'anos im Jahre