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Liberales Judentum · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 243

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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S. Jacob: Gin Mort an unsere Akademiker 243 des religiösen Gemeinschafts- und Vereinslebens ober ist die Synagoge. Schließt die Synagogen und die Gemeinden können sich auflösen. Streicht die Religion aus eurem Haben, ihr Juden, und ihr seid bankrott und habt kein Recht mehr, die alte Firma weiterzuführen. Und nun sehe man sich in unseren Synagogen um: wo sind unsere Gebildeten, unsere Studierten? Und frage weiter: welche Rolle spielt in ihren: Leben die Religion? von seltenen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, wird man sich vergeblich umsehen und vergeblich 'fragen. Demgegenüber darf man sagen: jeder schlichte „ungebildete" Sude, der sich regelmäßig an: Gottesdienst der Gemeinde beteiligt, tut für die Erhaltung dieser Gemeinde und sonnt des Judentums mehr als jeder Akademiker, der einem. Dutzend jüdischer Vereine, Organisationen oder verbände u. dgl. angehört, aber so gut wie niemals das jüdische Gotteshaus betritt und so durch sein negatives Beispiel das Judentum in Wahrheit auflöst und es zerstört, indem er das Religiöse an ihm als etwas Unerhebliches behandelt. wenn sich das Judentum der Gebildeten und Akademiker, von Wohltätigkeit abgesehen, fast ganz in dem Kampf gegen den Antisemitismus und un: die politische und gesellschaftliche „Gleichberechtigung", d. h. im Wesentlichen um den jüdischen Reserveleutnant erschöpft, dann kann man nur mit Besorgnis der endlichen Gewährung dieses Siegespreises entgegensehen, weil dann den: Judentum jener Kreise der Inhalt genommen wäre. wer mit uns nicht religiös mitlebt und das religiöse Leben denen überläßt oder sogar zu ermöglichen so tolerant ist, die „noch" religiöse Bedürfnisse haben, während er sie selber „überwunden" zu haben angibt, nichtsdestorbeniger aber als ein „guter Jude" angesehen zu werden verlangt, bloß weil er kein Hehl daraus macht, von Juden abzustammen und sogar „stolz" darauf zu sein behauptet, weil er ferner sich „nichts gefallen läßt", wenn der Jude angegriffen wird, weil er endlich sich am „jüdischen Gemeinde- und vereinsleben beteiligt", dessen Judentum ist nur ein Judentum der Peripherie. Auch die Peripherie gehört zum Kreise, und wir möchten diese oft sehr schätzbaren Kräfte nicht missen; aber sie haben kein Recht die Führerschaft zu beanspruchen, zu der doch die Gebildeten und . Studierten berufen sein sollten. wer einen Kreis beherrschen will, der :nuß in seinen: Zentrum sitzen. Er muß nicht nur seinen Herzschlag fühlen und verstehen, er muß selber das Herz sein, von dem das Blut in alle Adern strömt, wer keine Religion, d. h. keine Lwigkeitsbedürfnisse hat, wer ohne Rest im praktischen aufgeht, bei wem das Organ für das Religiöse verkümmert oder erstorben ist, der ist (er mag sonst der bravste Mensch sein) minderwertig, wie ein Krüppel (er mag sonst der bravste Mensch sein) physisch minderwertig ist. Und vollends ein,,religionsloser Jude" ist eine Ungeheuerlichkeit, ein Widerspruch in sich selbst. Nicht bloß dem Volke, erst recht dem Gebildeten, wenn er diesen Namen verdienen will, n:uß die Religion erhalten werden. Wie alles Große allen Menschen etwas ist und gibt, aber jedem un: so mehr, je höher und weiter er gebildet ist, je tiefer er blickt, je reiner er empfindet, so erschließt das Größte, die Religion, ihre Fimmel um so weiter, je reifer die Bildung ist. wenn also die Gebildeten vermeinen, der Religion entraten zu können, so zeigen sie damit, daß in Wahrheit ihre Bildung höchstens verstandesgemäß also inferior ist. Und wenn dies die durchgehende Signatur der Gebildeten einer Gemeinschaft wäre, daß sie kein

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