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Liberales Judentum · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 242

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Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 K. Jacob: Gin Wort an unsere Akademiker mische Studium noch immer als die aussichtsreichste und sicherste Spekulation erscheinen. Früher studierte der jüdische Jüngling meist aus unüberwindlicher Neigung zur Wissenschaft als solcher, es war — besonders im Osten — die neue Form des alten jüdischen „Lernens" — um zu lernen. Darum war früher der arme, aber von reiner Liebe zu wissenschaftlichen Idealen erfüllte Student die Regel, heute ist er die Ausnahme. Dafür scheint aber eine andere Erscheinung zu entschädigen: das gegen früher unverkennbar erstarkte jüdische Bewußtsein unserer Studierten und ihre Teilnahme am jüdischen Leben. Zwar gibt es immer noch viele, die den Juden aus Tharakterschwäche verleugnen oder durch die Schuld unjüdischer Erziehung und infolge eines beklagenswerten Ganges ihrer geistigen Entwicklung wenn nicht bereits formell so doch innerlich mit dem Judentum gebrochen haben, aber die größere Zahl will sich als Juden bekennen und wohl auch betätigen. Das nun glauben sie dainit zu leisten, daß sie in all die zahlreichen jüdischen Vereine und Körperschaften als Mitglieder eintreten und in ihnen allerlei Aemter bekleiden. Aber aller Nutzen, den sie damit stiften könnten/wird zunichte, ja in das Gegenteil verkehrt, weil sie sich in der Regel von Einer -Gemeinschaft wie grundsätzlich ausschließen und Einen Verein hartnäckig meiden, der doch die einzige wahre reinjüdische Gemeinschaft und derjenige jüdische Verein ist, ohne den alle andern ihren Daseinszweck verlieren: die Gemeinschaft des Gotteshauses, den Verein der jüdischen Beter und Gottesverehrer. Ls sollte keine selbstverständlichere Behauptung geben als den Satz: das Judentum i st eine Religion. Daran wird gar nichts durch das äußerliche Merkmal seiner Angehörigen geändert, daß sie alle derselben physischen Abstammung sind. Denn die Rasse hat ihr Daseinsrecht auch nur durch die geistigen und sittlichen Werte und Ziese, die sie vertritt und erstrebt. Nur um dieser willen lebt sie und verdient sie fortzuleben. Welche andern sind dies aber für den Juden als seine Religion? Denn die „jüdische Kultur", für die wir der Welt erhalten bleiben müssen, ist eine lächerliche Einbildung. Wenn es keine jüdische Religion mehr gibt, ist es ganz überflüssig, daß es noch Juden gibt und die Geschichte hätte nichts Eiligeres zu tun als mit uns aufzuräumen, wie sie mit anderen Stämmen aufgeräumt hat, aus denen ihre Seele entflohen war und deren etwaige Reste nur noch als tote Versteinerungen aus einer Vorzeit gelten 'mögen. Alles was der Jude leistet, leisten andere besser. Worin er durch keinen anderen ersetzt werden kann, worin er einzig und lebenswert und lebensfähig ist, das ist seine Religion. wer also vorgibt und glaubt, für die „Erhaltung des Judentums" zu wirken, treibt, er mag dabei noch so eifrig und geräuschvoll sein, nichts als eine leere Geschäftigkeit ohne lieferen Grund und Sinn und gleicht einem Bäum mit toter Wurzel, ehe er nicht von Religion Jude ist, sich dem religiösen Leben anschließt und alle andere jüdische Betätigung nur als Mittel dieses zu fördern betrachtet und betreibt. Denn dies ist Wurzel und Puelle, Anfang und Ausgang und wiederum Ende, Zweck und Sinn von allem andern Tun, sei es des Humanitären oder sozialen, des gemeinnützigen oder politischen. Das Judentum ist in erster Linie weder ein Unterstützungsverein, noch eine Partei, noch eine Kampfgenossenschaft sondern eine Religionsgemeinde. Es mag in einer jüdischen Gemeinde Hunderte von vereinen mit den mannigfachsten Zweckbestimmungen geben, die man alle gelten lassen kann: was sie zu einer jüdischen Gemeinde macht, das um dessentwillen sie gegründet worden ist und erhalten wird, ist das Religiöse. Der Ort

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