Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 235 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3126481-3126558-3126568--1574-3128392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
235 Ar. Goldmann: Taufzudentnm und Antisemitismus sagte aus, daß die Süden einen Thristenknaben gestohlen und gemästet hätten, um ihn dann auf scheußliche weise — durch Umherwälzen in einem Fasse mit spitzen Nägeln auf der Innenseite — zu töten. Das Blut sei darauf zum rituellen Gebrauch an die anderen Gemeinden Schlesiens gesandt worden. Dreihund ertundachtzehn Süden würden einzig und allein auf diese Anklage hin gefangen gesetzt und vor den Richterstuhl Tapistranos gebracht. Einundvierzig von ihnen wurden als schuldig erkannt, und sie büßten den Haß der getauften Jüdin in den Flammen des Scheiterhaufens. Die anderen wurde „milde" behandelt; sie wurden „nur" ausgewiesen, ihre Rinder ihnen entrissen und getauft. Suan Arias Davila, der im Sahre acht eines zu Sepulveda begangenen angeblichen Ritualmordes angeklagte Süden zum Scheiterhaufen, zur Erdrosselung und zum Galgen verurteilen ließ, war zwar nicht selber getauft. Er war aber ein Süden- ' stämmling; und in Spanien mit seiner unendlichen Menge von Neuchristen, die abgesondert lebten und eine eigene Raste bildeten, die sehr wohl ihre Abstammung und die jüdischen Gebräuche und Überlieferungen kannten, hatte das eine ganz andere Bedeutung als bei uns, wo oft schon das zweite Geschlecht von seiner jüdischen Herkunft nichts ahnt. Er wußte genau, daß die von ihm angeklagten Süden an dem verbrechen, dessen er sie bezichtigte, unschuldig waren, aber mit seiner Grausamkeit konnte er deutlich beweisen, wje sehr er jede Beziehung zu dem Sudentum getilgt hatte, und dafür waren seiner Ansicht nach acht gemordete Süden kein zu hoher j)reis. Der unglückliche Rabbiner S s r a e l Bruna zu Regensburg wurde als Greis etwa im Sahre von dem Täufling Hans va^ol beschuldigt, er habe ihm ein siebenjähriges Lhristenkind abgekauft und dann geschlachtet, so daß der alte Mann verhaftet und in den Rerker geworfen wurde. Freilich ist zum Glücke bei dieser Anklage nicht der schädliche Erfolg, sondern nur die gemeine Gesinnung des Täuflings zu verzeichnen; wir haben hier einen der wenigen Fälle, fast den einzigen, in dem die Gerechtigkeit siegte und den gehässigen Verleumder das Schicksal ereilte, das er dem alten Bruna zugedacht hatte, Hans vavol büßte seine Tat mit dem Tode, denn er wurde nach Aufklärung der Sachlage hingerichtet. Auch in dem berühmtesten aller Ritualmordprozesse, jenem zu Trient (1^75), der zu so scheußlichen Marterungen der angeklagten Süden führte, daß starke Nerven zur Lektüre der Folterungsprotokolle gehören, spielt ein Täufling eine traurige Rolle. Der getaufte Schreiber wolfkan aus Regensburg trat mit den schlimmsten Beschuldigungen gegen die Süden auf, und diese gestanden natürlich auf der Folter alles, was man nur hören wollte. Der Renegat hatte nicht nur die freudige Genugtuung, zu sehen, wie auf seine Aussagen hin alle Süden Trients verbrannt wurden, sondern wie seine gehässigen Lügen einem Lauffeuer gleich durch ganz Deutschland flogen. Besonders schwer mußten die Süden in Regensburg leiden. Hier hatte der Bischof Heinrich beim Studium der Trienter Prozeßakten der Aussage Lvolfkans die glatt erlogene Behauptung des Täuflings entnommen, daß dio Regensburger Sudengemeinde vor acht Sahren ein Thriftenkind gekauft und geschlachtet hätte. Sn dem Prozeß, der sofort angestrengtwurde, verhaftete man sechs Süden und folterte sie; in ihren unsagbaren Dualen sagten sie weit mehr aus, als man anfänglich behauptet hatte, und gestanden sogar den Mordvon mehreren Rindern ein! Das Geld dazu hätten sie aus der Gemeindekasse erhalten, und das Blut sei am j)eßachabend in den.