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Liberales Judentum · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 231 (sequence 15)
Language
German
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o o o o Ar. Goldman«: Taufjudrntnrn und Antisemitismus 231 gegen des Täuflings Wut nützte nichts. Tr hatte die freudige Genugtuung, zu sehen, wie wegen seiner erlogenen Behauptungen sieben undsiebenzig seiner ehemaligen Glaubensgenossen hingerichtet wurden und drei andere später auf dem Scheiterhaufen ihren Geist aufgaben! Tr konnte wirklich stolz sein auf diesen glänzenden Trfolg! Im Jahre (61(^ hat der bereits erwähnte Friedrich Samuel Brentzen in seinem „Jüdischer a b g e st r e ist e r Schlange n b a l g" die Verdächtigung wiederholt; da ihm aber doch die Schlußfolgerungen Rkargolitas mit Recht als unsinnig erschienen, leitete er die Uebereinstimmung aus dem Worte „war6k" allein3) her, dessen Zahlenwert 31(6 ist, also gleich dem des Namens Jesu, wenn man ihn nämlich ohne den Buchstaben ajin schreibt! Rkit dieser Behauptung hat er den sonst recht judenfreundlichen Johannes Buxtorf den A e l t e r e n irregeführt und ihn zu feindlichen Ausführungen veranlaßt. Daß sich natürlich die christlichen Trzjudenfeinde wie Wülfer („Theriaca Iudaica" 1(681(), Wagen seil „Tela ignea satanae" (1(681() und der berüchtigte Tisenmenger („T ntdecktes Iudentu m" 1(700) auf diesen wie andere Täuflinge berufen, ist selbstverständlich. Die Beschuldigung kehrt immer' wieder. Francis cus Lutharius Philippus, der sich stolz als einen „ju'daeus conver.sus" bezeichnet, behauptet in seinem „Weg nach Ieruselem", daß „die Juden den fjenm Rlessiam alle Tage verlästern, bevoraus aber Sonnabends fünf (!) mal verlästern und auf das allerschimpflichste verschmähen", was sich nur auf das Alenugebet beziehen kann. Am widerlichsten aber war die Folge, zu der man in Preußen gelangte. Zwei getaufte Juden, Frantz Wentzel und Thristian Kahtz suchten s) Natürlich ist diese Ableitung weit älter. S. oben. Iudenhetzen in großem Stile dadurch herbeizuführen, daß sie behaupteten, die Juden sprächen im Alenugebet nicht nur Schmähungen, sondern sie spieen auch dabei aus, um Jesus zu lästern. Diese Beschuldigung rief bei der christlichen Bevölkerung eine derartige Trbitterung und Trregung hervor, daß die Juden ihres Lebens nicht sicher gewesen wären, wenn nicht der König Friedrich der Trste eingeschritten wäre. Nachdem er die Rabbiner hatte schwören lassen, daß Alenu nichts Lästerndes enthalte, befahl er (1(703), daß es stets laut gesagt würde, und er bestellte zugleich Aufseher, welche darauf achten sollten, daß man nicht ausspiee. Diese widerliche Belästigung, die man den getauften Juden zu verdanken hatte, mußten die Juden noch dazu teuer bezahlen, indem sie die hundert Taler Tntschädigung für den Aufpasser zu leisten hatten. In Berlin scheint diese Tinrichtung höchstens ganz vorübergehend bestanden zu haben, bezeugt ist sie aber neben anderen Orten vornehmlich für Königsberg in Preußen, wo erst ein Tdikt Friedrichs II. im Jahre 1(778 den „A l e n u k o m m i s s a r" abschaffte, nicht ohne daß die Königsberger Iudenschaft den Prinzipien des großen Friedrich entsprechend, diesen Gnadenakt wieder mit einer Abgabe von^OO Reichstalern erkaufen mußte. Der traurige Ruhm, dem Kol n i d r e - g eb et, das aus der tiefsten Not und Trauer jüdischer Seelen heraus geboren ist, die gemeinste aller Verleumdungen angeheftet zu Haben, . gebührt wieder einem Täufling. Der bereits erwähnte Geronimo da Santa Fe war es, der da behauptete, der Talmud gestatte dem Juden, jeden Tid zu brechen, sofern er ihn nur am Versöhnungstage im voraus für ungültig und unverbindlich erkläre. Seine Folgerung, daß Juden einen Tid gegen Thristen nicht halten, taucht seit jener Zeit immer wieder auf, und wenn in jedem- Jahre auf's neue die antisemitische

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