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Liberales Judentum · 1913-10-01 · Heft 10 (Oktober 1913) · p. Seite 230

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
5 (1913)
Issue
Heft 10 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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230 Ar. Gsldmmrn: Taufjndrntuw und Antisemitismus Vermögen fahren und wunderten aus, so daß beide ihre Ziele erreicht hatten: Pius V. hatte das jüdische Geld, und A l e ss a n d r o konnte stolz aus sein Merk, aus das Unglück tausender von Juden schauen. Daß natürlich von einer solchen Gelegenheit, das Judentum zu verleumden, -auch Pfefferkorn gierig Gebrauch machte, -bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Zn seinem „Augenspiegel" sucht er in Widerlegung Reuchlins zu beweisen, daß w e l a m a l s ch i nim sich nur aus Christen beziehe. Bei dieser Gelegenheit führt er auch -andere Täuflinge aus, die dasselbe behauptet haben, unter ihnen finden sich paulus Burgensis, der schon erwähnte Geronimo da Santa Fe, Alsonso de SpinaH und viele andere, deren Namen in der jüdischen Geschichte weniger bekannt sind. Jedenfalls ergibt sich daraus, daß diese Beschuldigung von fast allen Renegaten erhoben worden ist. Anton RIargolita, dessen Vater zu Regensburg Rabbiner gewesen war, hat in der ersten Hälfte des l.6. Jahrhunderts ein unsagbar albernes Buch unter dem Titel „Gants jüdischer Glaub" geschrieben, -in welchem er sich über die merkwürdigsten Dinge den Rops zerbrochen hat, um ganz wunderliche Antworten zu geben. Am bekanntesten ist, daß er die schwarzen Haare der Zuden, durch die sie sich angeblich von den anderen unterscheiden, sehr geistreich daraus zurücksührt, daß sie' stets den Kopf bedeckt halten und kein Schweinefleisch essen! Zn dieser Schrift maßt er sich mit unendlichem Stolz das Verdienst an, seine „lieben christlichen Brüder" zuerst?) aus *) Dieser entsetzliche Judenfeind war aber nicht, wie auch sonst oft behauptet wird, ein Täufling. -sVgl. darüber, was Grätz im achten Bande seiner -Geschichte aus Seite 228 sagt.) -) Was auch Scheinhaus in „Ost und West" L908, vag. 453, mit Unrecht annimmt. das „groß geheymniß" aufmerksam gemacht zu haben, das in dem Alenu-Gebete enthalten sei. Lin heute nicht mehr gesprochener, überhaupt niemals allgemein üblich gewesener Satz sagt nämlich : „Sie (die Heiden) neigen sich vor Nichtigem und leerem". . Rlit letzteren Worten „1 a h e b e 1 warek", deren Buchstaben den Zahlenwert 383 ergeben, müsse nach Wargolitas geistreicher Schlußfolgerung unbedingt Zesus gemeint sein. Dessen Name ergibt allerdings dem Zahlenwerte nach 386, also drei mehr, woraus jeder vernünftige RIensch folgern müßte, daß selbst nach den Gesetzen dieser mystischen Buchstabenklauberei jeder Zusammenhang mit Zesus unbedingt ausgeschlossen sei. Aber RIargolita ahnt Fürchterliches! Lr weiß, daß die Zuden mit Fleiß drei weniger gemacht haben, damit man ihrer Lästerung nicht so leicht auf die Spur komme! wer nun nicht überzeugt ist, dem ist eben nicht zu helfen. So gern wir dem eifrigen Anton RIargolita die Palme der Priorität zuerkennen würden, geflunkert hat er doch, denn die Beschuldigung gegen das A l e n u g e b e t ist bereits weit älter und hat schon ein Zahrhundert vorher zu den schrecklichsten Zudenversolgungen geführt. Line solche, die wir deshalb hervorheben wollen, weil ihr Urheber ebenfalls ein Täufling war, wird aus dem Zahre 3(399 aus Prag berichtet. Lin RIann namens p e s s a ch , als Thrist Peter, behauptete in vielen Städten Deutschlands, um Zudenverfolgungen zu erzielen, daß die Zuden in ihren Gebeten die Geistlichkeit und Zesus verwünschten, vornehmlich aber im Alenugebet mit dem Worte „warek" Zesus verlästerten. Zn Prag wurden daraufhin viele der angesehensten Zuden verhaftet, und ob auch der gelehrte und gebildete Lipmann aus RlühlHausen aus Ersuchen der Geistlichkeit die Anklagepunkte alle sehr glücklich zu widerlegen verstand,

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