Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 5 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Ar. Goldwann: Taufjudentum und Antisemitismus will aber zur leichteren Uebersicht, mich mit dem Schulchan Aruch begnügen, der aus dem Texte Taros und den Glossen Zsserls' besteht. Die erste Frage ist: wie stellt sich der moderne Mensch zu der Autorität des Schulchan Aruch in wissenschaftlichen Dingen? Das ist keineswegs eine müßige Doktorfrage. Der Schulchan Aruch lehrt (Zoreh Deah, 8^, 15), daß es Vögel gibt, die auf Bäumen wachsen (5. Artikel: Barnacle Geese in Zewish Encyclopedia, II, 538—5^0; Jahrbuch d. Züd. Literar. Gesellschaft, IV, 85, Frankfurt a. M., 1906; Jacobs: The Zews of Angevin England, E>. 5% New I)ork und London, 1893.) Ralman Weiß, ein ungarischer Rabbiner gab im Jahre 1882 in preßburg ein Buch unter dem Titel kl Lekenajim heraus, worin er diese Fabel ganz ernst behandelt, und die Bernickel Gänse mit den adne hassadeh des Talmud identifiziert (Mischnah, Rilajim, VIII, U. Die Rodifikatoren erklären diese Vögel für verboten. Sind nun die mittelalterlichen Rabbinen nicht frei von dem Aberglauben ihrer christlichen Zeitgenossen gewesen, die ebenfalls die Frage diskutierten, ob die Berthodoxie, der sich in seinen Briefen (Teschubot Bet Killet, Szatmar,, 1908, S. 6, b) mit der ihm eigenen Deutlichkeit gegen die frommtuenden Erz-- ketzer ausspricht, die gerne ihre Liberalität durch wegwerfende Bemerkungen über die Acharonim Para-? dieren. Die angeführten Zitate erschöpfen das Thema lange nicht. nicke! Gänse zu den verbotenen Fastenspeisen, zählen, so können wir doch logischerweise in anderen Entscheidungen, wie etwa bei der Entfernung des Blutes aus dem Fleische (Zoreh Deah, 69, 13—V0, die ebenfalls auf einer „wissenschaftlichen Anschauung" beruhen, die Autorität der Rabbinen nicht respektieren. Nicht anders steht es mit anderen abergläubischen Anschauungen, die ebenfalls im Schulchan Aruch kodifiziert sind, wie dem Glauben an böse Geister, die während der Nacht über den Menschen Gewalt haben und am Morgen von den Fingern abgespült werden müssen, jedoch so, daß sie Passanten nicht schaden (Vrach Thajim, H, 2) oder mit dem Glauben an Dämonen, die beschworeu werden können, um den Ort zu verraten, wohin eine verlorene Sache. gekommen ist (Zoreh Deah, 1?9, 16) oder mit dem Glauben" an die Macht des bösen Blicks (Grach Thajim, 505, 11). Dasselbe gilt von den zahlreichen, abergläubischen Gewohnheiten, die in den Kodizes und im Gebetbuchs ihren jAatz gefunden haben, und in der Orthodoxie mit peinlicher Gewissenhaftigkeit geübt werden. Ich erinnere an die Mezuzah mit der kabbalistischen Aufschrift k’w’z’w b’m'w’ ch’sV k’wVw (Tur Zoreh Deah, 288, Zkkarim^ II, 28). (Fortsetzung folgt.) laukjuäenkum unä Antisemitismus! Von Dr.?elix Goldmann. Taufjuden verleumden unsere Gebete! Zn der Geschichte des Antisemitismus spielt auch das jüdische Gebet eine große Rolle, und an Beschuldigungen gegen einzelne seiner Teile hat es nie gefehlt. Drei Stücke waren in ganz besonderem Maße der Verleumdung ausgesetzt: Die Benediktion Welamalschinim im täg- (?ortletzung.)> lichen Achtzehngebet, welche gegen jüdische Häretiker gerichtet ist, und in der böser Wille eine Verwünschung des Thristenrumszu erblicken versucht hat; ferner das erhabene Alenugebet, der Schluß einesjeden Gottesdienstes, die Hoffnung, daß dem Glauben an den einig einzigen Gott dereinst die ganze Welt sich zuwenden werde^